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05/12/2016 05:25 CET

So hart kritisiert die internationale Presse Renzi: "Er hat sich verzockt"

Presse kritisiert Renzi: "Er hat sich verzockt"
Eric Vidal / Reuters
Presse kritisiert Renzi: "Er hat sich verzockt"

Selbst schuld. Italiens Noch-Regierungschef Matteo Renzi bekommt nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum, seinem politischen Baby, von den Kommentatoren kein Mitleid. Im Gegenteil.

"Matteo Renzi hat sich verzockt, albern und ohne Not", kritisiert der Italien-Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung". "Spiegel Online" notiert ganz ähnlich: "Italiens Premier Matteo Renzi hat gezockt und verloren."

"Spektakulär gescheitert" sei Renzi, mit der Verfassungsreform und seinem ganzen politischen Projekt, schreibt die "Zeit".

"Was als Drohung gedacht war, wurde zum Versprechen"

Renzi hatte mit diesem Referendum den Senat verschlanken und in seiner Macht beschneiden wollen – um die chronisch blockadeanfällige italienische Politik stärker, effizienter zu machen. "Verschrotter" hat er sich einst genannt, weil er den alten Schrott aus der Politik entfernen wollte.

Nur hat er den Erfolg des Referendums mit seiner politischen Zukunft verknüpft. Keine gute Idee, bei der Macht und Vielzahl seiner Gegner. Renzi hat den Fehler bemerkt – aber zu spät.

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"Was als Drohung gedacht war, wurde vielen Italienern schnell zum Versprechen", heißt es in der "Zeit".

Die Menschen hätten Renzi dafür bestraft, dass er selbstgefällig regierte, seine Vorgänger als "altes Eisen abtat", heißt es in der "SZ".

Die Italiener sind unzufrieden - und haben einen Grund dafür

"Spiegel Online" kommentiert, die Italiener hätten auch allen Grund, "extrem unzufrieden mit ihrem Staat, ihrer Obrigkeit, ihrem Leben" zu sein angesichts der Krise, die die Mittelschicht "weitgehend verschlungen" habe.

Die "Neue Zürcher Zeitung" findet, Renzi habe das Referendum "mit einem Sammelsurium an weiteren Neuerungen überladen", sodass es nur noch schwer zu verstehen gewesen sei.

Der britische "Guardian" verweist außerdem auf Berichte verschiedener Medien wie der italienischen "La Stampa" oder der "New York Times,", derzufolge die dritte große Kraft in Italien - neben Renzis gemäßigter Linker und Silvio Berlusconis rechter – die schwer einzuordnende Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo hinter einer massiven Desinformationskampagne steckte. Soweit zur rationalen Seite der Ursachenforschung.

"Den Verschrotter verschrottet"

Die "Welt" verweist allerdings auf den irrationalen Aspekt der Wahlentscheidung." So lange Renzi versprach, das Establishment zu zerstören, jubelten ihm die Italiener zu." Als er aber begann, sein Versprechen wahr zu machen, mit Hilfe einer neuen Verfassung, hätten sich die Italiener abgewandt. "Und wandten sich neuen Kräften zu, die nun ihrerseits versprachen, Renzi, den Verschrotter, zu verschrotten."

Sprich: Sie wenden sich Gestalten wie Grillo zu. Dem Mann, den viele als "Guru" bezeichnen, oder wie die "NZZ" als "Schreihals der Nation", der viel Blödsinn verzapft, aber wenig Sinnvolles liefert. Und laut "SZ" kaum Chancen hat, mit seiner koalitionsunwilligen Partei an die Regierung zu kommen.

Der Reformer ist weg, der nächste Schreihals kommt

Einig sind sich die Kommentatoren, dass Italien jetzt erstmal den Schaden hat. Denn jetzt sei "eine Phase der Erneuerung beendet", schreibt die "SZ". "Kein Premier vor Renzi hat mehr und schneller reformiert er."

Ein Problem hat auch Europa, glaubt der Autor der "Welt". Renzi galt als Europa-Freund. "Aber Europa lässt Renzi hängen. Deutschland und Frankreich riegeln die Grenzen ab – lassen Italien mit der Flüchtlingskrise allein."

"Zu Kühn oder zu dumm" findet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass Renzi im Falle einer Niederlage seinen Rücktritt angekündigt hat. Dadurch wurde die Reform zum "Spielball des innenpolitischen Machtkampfes". Für seine Gegner habe das wie "politisches Doping" gewirkt. "Es war eine Chance, Renzi zu stürzen oder zumindest schwer zu beschädigen. Sie haben sie genutzt."

Der österreichische "Standard" geht davon aus, dass jetzt, wieder einmal, Italiens Staatspräsident mit Besonnenheit gegen den "populistischen Aktionismus" von Renzi und Grillo vorgehen muss. Der Präsident kann entscheiden, ob er Renzis Rücktritt annimmt und wann es zu Neuwahlen kommt.

Neuwahlen, die nach der Einschätzung des "Standard" nicht, aber auch gar nichts besser machen werden, egal ob Renzi wiedergewählt würde oder jemand von Grillos Bewegung - Beppe Grillo selbst kann nicht gewählt werden, weil er wegen eines Autounfalls wegen fahrlässiger Tötung vorbestraft ist. "Nicht ein einziges Problem Italiens wird damit gelöst sein." Zum Schaden des hoch verschuldeten und politisch blockieren Italien. Und der EU.

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(ks)