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04/12/2016 13:20 CET | Aktualisiert 04/12/2016 15:43 CET

"Ganz Europa fällt ein Stein vom Herzen" – Die ersten Reaktionen auf das Wahlergebnis in Österreich

Alexander Van der Bellen wird der nächste Bundespräsident von Österreich.
Heinz-Peter Bader / Reuters
Alexander Van der Bellen wird der nächste Bundespräsident von Österreich.

Die Präsidentenwahl in Österreich ist entschieden. Der ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen liegt laut einer ORF-Hochrechnung uneinholbar in Führung.

Der Kandidat der rechtspopulistischen FPÖ, Norbert Hofer gratulierte Van der Bellen bereits kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Auf Facebook schrieb er: "Alexander Van der Bellen gratuliere ich zu seinem Erfolg und bitte alle Österreicher, zusammen zu halten und zusammen zu arbeiten."

Weiter schrieb Hofer an seine Facebook-Fans: "Ich danke Euch. Ihr habt mich so großartig unterstützt und ich bin unendlich traurig, dass es nicht geklappt hat."

Auch der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gratulierte dem Wahlsieger. Man respektiere das demokratische Ergebnis, sagte er im ORF, auch wenn der zweite Platz „natürlich enttäuschend“ sei.

Kern: "Ein sehr guter Tag für Österreich"

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) gratulierte Van der Bellen und schrieb auf Twitter: "Ein sehr guter Tag für Österreich. Jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass sich keiner als Verlierer sieht".

Andreas Schieder, Klubchef der SPÖ, nannte das Wahlergebnis ein "gutes Ergebnis" und sagte: "Alexander Van der Bellen wird ein guter Bundespräsident für Österreich sein und das ist das Wichtigste für unser Land."

Die österreichische Grünen-Vorsitzende Eva Glawischnig hat sich hocherfreut über den in Hochrechnungen prognostizierten Sieg von Alexander Van der Bellen gezeigt. "Das ist ein historischer Tag, eine historische Zäsur", sagte Glawischnig am Sonntag der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Für Österreich sei das eine gute und deutliche Entscheidung, so Glawischnig. Sie sprach von einem Votum für ein Miteinander im Land. Zudem sei dies eine klare pro-europäische Entscheidung, die nach dem Brexit, aber auch nach der US-Wahl besonders wichtig sei.

Lindner: "Das ist ein Signal über Österreich hinaus."

Auch aus Deutschland gab es erste Reaktionen:

SPD-Chef Sigmar Gabriel beglückwünschte Alexander Van der Bellen zum voraussichtlichen Wahl-Sieg. "Ganz Europa fällt ein Stein vom Herzen", schrieb Gabriel am Sonntag auf Twitter. Das Wahlergebnis sei ein klarer Sieg der Vernunft gegen den Rechtspopulismus in Europa.

Der deutsche Grünen-Politiker Dieter Janecek sagte gegenüber der Huffington Post: "Ein wichtiger symbolischer Sieg. Hofer hat im Wahlkampf stark an Glaubwürdigkeit verloren. Seine hässlichen persönlichen Attacken auf den sehr ausgleichenden Kandidat van der Bellen haben ihm anscheinend Stimmen gekostet. Das macht Mut auch für die Auseinandersetzung."

"Wäre das das Ergebnis, wäre das ein gutes Zeichen gegen Populismus in Europa", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier über die ersten Hochrechnungen zur Präsidentenwahl in Österreich.

Steinmeier befand sich am Sonntag in Athen, wo er sich mit seinem griechischen Amtskollegen Nikos Kotzias traf. Er freue sich, diese Nachricht in Griechenland, "an der Wiege der europäischen Demokratie" zu erhalten, sagte er.

Auch FDP-Chef Christian Lindner hat sich erleichtert über den Sieg von Van der Bellen gezeigt. Mit Van der Bellen habe eine Mehrheit Vernunft und Verantwortung gezeigt, schrieb der Politiker am Sonntag auf Twitter. "Das ist ein Signal über #Oesterreich hinaus."

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), erklärte gegenüber der Huffington Post:

"Das Ergebnis der Stichwahl ist eindeutig und unzweifelhaft. Aus meiner Sicht ist es erfreulich, dass diese lange Hängepartie hinsichtlich des Bundespräsidenten endlich beendet ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass mit der Wahl von Alexander van der Bellen die Grundlage dafür gegeben ist, dass Österreich weiterhin ein verlässlicher und konstruktiver Partner in der Europäischen Union sein und bleiben wird."

Schulz: "Eine schwere Niederlage für Nationalismus"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, dass er sich sehr darüber freue, dass Van der Bellen die österreichische Bundespräsidentenwahl klar für sich entschieden habe. Auf Van der Bellen komme nun die Aufgabe zu, "die österreichische Gesellschaft nach diesem langen und harten Wahlkampf wieder zusammenzuführen".

Martin Schulz (SPD), der Präsident des Europäischen Parlaments, schrieb auf Twitter: "Van der Bellens Sieg ist eine schwere Niederlage für Nationalismus, Rückwärtsgewandtheit und antieuropäischen Populismus"

Die "Österreicher senden ein klares pro-europäisches Signal", schrieb der CSU-Europapolitiker Manfred Weber über den Sieg von Van der Bellen auf Twitter. "Die Party der Rechtspopulisten in Europa fällt erst mal aus." Die "Angst & Lügen-Kampagne" der FPÖ habe sich nicht ausgezahlt. "Wir müssen Populisten die Stirn bieten & sie entlarven!", erklärte Weber.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir begrüßte das Wahlergebnis im Nachbarland: "Er war in einem harten Wahlkampf der Kandidat, der die Verteidigung der liberalen Werte repräsentierte, die sich gegenwärtig überall Angriffen von innen und außen erwehren müssen", sagte Özdemir der Deutschen Presse-Agentur. Nun habe er die schwierige Aufgabe, die Kluft in der Bevölkerung zu schließen. "Dafür wünsche ich ihm viel Kraft."

Le Pen: FPÖ hat sich mutig geschlagen

Nach Ansicht der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen hat sich die FPÖ bei der Präsidentschaftswahl in Österreich mutig geschlagen. "Die nächsten Parlamentswahlen werden ihres Sieges sein", twitterte Le Pen vom Front National am Sonntagabend.

Während der Abstimmung hatte die Nichte von Le Pen, Marion Le Pen, dem FPÖ-Politiker die Daumen gedrückt. "Lieber @norbertghofer, ich wünsche Dir für diesen Sonntag große Erfolge. Du hast die Unterstützung von Patrioten aus aller Welt!", twitterte sie auf Deutsch.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat erleichtert auf den Wahlausgang in Österreich reagiert. "Nach dem Trump-Sieg und dem Brexit-Votum haben die österreichischen Wähler gezeigt, dass Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit keine Fremdwörter bei Wahlen in der Europäischen Union sind", sagte Asselborn am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. "Der Ausgang der Wahl tut dem Ruf Österreichs gut und den Werten der EU."

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