POLITIK
04/12/2016 12:48 CET | Aktualisiert 04/12/2016 15:44 CET

Blitzanalyse: Warum die Freude über den Sieg von Alexander Van der Bellen verfrüht ist

Getty
Alexander Van der Bellen wird nächster Bundespräsident in Österreich

Der Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen zieht als nächster Bundespräsident in die Wiener Hofburg - falls die Wahl diesmal allen rechtlichen Ansprüchen genügt.

Viele Millionen Menschen auch außerhalb Österreichs atmen auf. Schließlich scheint der Vormarsch der Rechten in Europa ersteinmal gestoppt.

Nach Trump folgt nicht Hofer.

Doch diese Freude ist verfrüht. Denn immerhin haben noch knapp die Hälfte der Österreicher den FPÖ-Mann Norbert Hofer gewählt, der seine Niederlage inzwischen eingeräumt hat.

"Hofer war zu Trump"

Und halb Österreich - darunter Grüne, Sozialisten und Konservative - musste sich zusammentun, um Hofer zu stoppen.

Das wird bei der kommenden Parlamentswahl in Österreich, die schon im Mai stattfinden könnte, anders aussehen. Die FPÖ hat sehr gute Chancen, stärkste Partei zu werden und den Bundeskanzler zu stellen - in den Umfragen liegt sie derzeit gleichauf mit den Sozialdemokraten.

Mehr zum Thema: Alle aktuellen Infos zur Wahl in Österreich in unserem Live-Blog

Einer der Gründe für Hofers Niederlage: Das Thema Flüchtlinge regte die Menschen sehr viel weniger auf als beim ersten Wahlgang im Mai. Zu nah waren damals noch die Bilder Hunderttausender Syrer, Afghanen und Nordafrikaner, die durch Österreich nach Deutschland reisten.

Die Boulevardzeitung "Krone" fasst einen weiteren Grund für Hofers Niederlage so zusammen: “Norbert Hofer war als Gegenkandidat zu unösterreichisch, einfach zu Trump.”

Hofers aggressiver Wahlkampfstil und seine Angriffe gegen Van der Bellen schreckten die Wähler ab.

Europa wird sich an hohe Wahlergebnisse der Rechten gewöhnen müssen

Auch Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im deutschen Bundestag, sagt: "Hofer hat im Wahlkampf stark an Glaubwürdigkeit verloren. Seine hässlichen persönlichen Attacken auf den sehr ausgleichenden Kandidat van der Bellen haben ihm anscheinend Stimmen gekostet."

Van der Bellens Triumph sei "ein wichtiger symbolischer Sieg", sagt Janecek, der bis 2004 auch die österreichische Staatsbürgerschaft hatte. "Der Sieg macht Mut auch für die Auseinandersetzung mit den Rechtspopulisten in Deutschland."

Mut macht er sicherlich - aber davon kann sich Europa derzeit nichts kaufen: Die EU-Staaten werden sich in den kommenden Jahren an hohe Wahlergebnisse der rechten Parteien gewöhnen müssen.

Denn die Gründe, warum so viele Österreicher Hofer wählten, existieren so oder ähnlich in ganz Europa. Hofer-Wähler gaben vor allem zwei Gründe an, warum sie dem FPÖ-Mann ihre Stimme gaben:

“Er versteht Sorgen der Menschen”

“Er tritt gegen das politische System auf”

Aus diesen Gründen stimmten die Wähler in den USA für Trump - und aus diesen Gründen wählen die Menschen in Deutschland AfD und in Frankreich den Front National.

Diese Gründe verschwinden nicht über Nacht.

Die etablierten demokratischen Parteien werden Monate, wenn nicht gar Jahre brauchen, um die Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihre Sorgen ernst nehmen. Erst dann werden auch der weit verbreitete Hass und die Verachtung gegen das Establishment in Politik, Medien und Wirtschaft wieder abnehmen - und die Rechten Stimmen verlieren.

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