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05/12/2016 11:55 CET | Aktualisiert 05/12/2016 12:26 CET

Krätze-Welle: Hautarzt erklärt, welche Personengruppen jetzt besonders vorsichtig sein müssen

dpa
In dieser Großstadt rollt die nächste Krätze-Welle an - so schützt ihr euch gegen die Krankheit

“Da bekommt man ja die Krätze” ist nicht mehr nur ein umgangssprachlicher Ausdruck, mit dem man sein Unbehagen ausdrückt. Derzeit tritt die Krätze in Deutschland wieder vermehrt tatsächlich auf: in Form von Pusteln, geröteter Haut, Juckreiz.

In Köln ist die Zahl der Neuerkrankungen in diesem Jahr rasant in die Höhe geschnellt: 65 Fälle registrierte das Gesundheitsamt der Stadt in NRW. Von 2010 bis 2013 waren es zum Vergleich nur rund 20 Personen, die an Scabies (der wissenschaftliche Name für Krätze) erkrankten.

Die Hautkrankheit wird durch winzige Milben übertragen, die ihre Eier unter die Haut des Menschen legen. Diese lösen eine allergische Reaktion aus. Es juckt, brennt, man kratzt - steckt andere an?

Die Angst vor Ansteckung steigt

Mit den Berichten über eine Zunahme von Krätze-Fällen steigt bei Deutschen die Angst, sich selbst zu infizieren.

Besteht auf Weihnachtsmärkten, in öffentlichen Verkehrsmittel oder anderen Menschenansammlungen die Gefahr, sich mit Scabies zu infizieren?, fragen sich viele. Und wenn ja, wie hoch ist die Gefahr und wie kann man sich schützen?

Das Robert-Koch-Institut kann beruhigen: Die Ansteckung erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch und nur bei direktem Haut-zu-Haut-Kontakt von fünf bis zehn Minuten.

Typische Übertragungswege sind laut den Experten:

  • Kuscheln und Liebkosen
  • gemeinsames Schlafen in einem Bett
  • Körperreinigung von Kleinkindern durch die Eltern oder von Kranken durch das Pflegepersonal
  • gemeinsames Spielen
  • Geschlechtsverkehr

Auch Heinrich Rasokat, Oberarzt für Dermatologie und Virologie am Uniklinikum Köln, gibt Entwarnung. "Die Krätze gab es schon immer - und wird es vermutlich immer geben”, sagt er der Huffington Post.

Nur trete sie gerade wieder verstärkt auf - auch in Köln. “Hier wird eben gerne gekuschelt”, scherzt er.

Die Winterzeit begünstigt die Milben-Übertragung: Die Menschen suchen mehr Körperkontakt mehr, sie wärmen sich gegenseitig und die Milben haben leichtes Spiel.

Niedrigere Temperaturen und eine höhere relative Luftfeuchtigkeit verlängern dagegen die Überlebenszeit. Nicht zuletzt hat sich die Milbe offenbar weiterentwickelt: Zwischen Infektion und Diagnose können wegen geringer Symptomatik Wochen vergehen – aber trotzdem Ansteckungen geschehen.

Sinkt die Umgebungstemperatur unter 16 Grad, sind die Milben in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und können nicht mehr in die Hautschicht eindringen.

Welche Personen sind besonders gefährdet?

Kinder und ältere Menschen sind anfälliger, an einer Krätze zu erkranken. Ihr Immunsystem ist meist schwächer. "Den Juckreiz verursachen übrigens nicht die Milben”, erklärt Rasokat, “sondern das Immunsystem der Haut.”

Da dieses besonders in den frühen Morgenstunden zwischen 4 und 5 Uhr aktiv ist, juckt die Haut dann häufig. Und nie am Kopf.

Geografisch gesehen sind in manchen Regionen in Entwicklungsländern bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mit Krätze infiziert. In Europa ist Scabies mittlerweile dagegen eher selten, jedoch kann es auch hier immer wieder zu Ausbrüchen kommen.

So ist die Ansteckungsgefahr in Gemeinschaftseinrichtungen, wie zum Beispiel Altersheimen, Kindertagesstätten oder Krankenhäusern höher, weil sich dort mehr potenzielle Wirt-Kandidaten aufhalten. Jene Gemeinschaftseinrichtungen sind auch meldepflichtig. Erkrankt eine Person im privaten Haushalt, wird dies nicht weiter kommuniziert.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Behandlung der Hauterkrankung ist relativ simpel. Meist wird eine Salbe aufgetragen, die den Ursprung allen Übels (die Parasiten) abtötet. Bis der Juckreiz verschwindet, kann es allerdings Wochen dauern. "Netdoktor" gibt eine Übersicht, wie eine medikamentöse Behandlung erfolgen kann:

Permethrin: Wird als Creme auf die gesamte Körperoberfläche aufgetragen und gilt als Mittel der ersten Wahl. Nur in Ausnahmen greift der Arzt zu Alternativen.

Allethrin: Wird in Kombination mit Piperonylbutoxid als Spray eingesetzt, wegen etwaiger Komplikationen aber nur verwendet, wenn eine Therapie mit Permethin nicht möglich ist.

Benzylbenzoat: Hat zwar eine hohe Wirksamkeit gegen die Milben, wird aber aufgrund der relativ komplizierten Anwendung ebenfalls nur in Ausnahmen eingesetzt.

Ivermectin: Wird auch als Wurmmittel angewendet und im Gegensatz zu den anderen Medikamenten der Krätze-Behandlung geschluckt.

Wie kann man sich vor Krätze schützen?

Es gibt kaum ein bewährtes Mittel, um sich im Vorfeld gegen Krätze zu schützen, da sie bereits mehrere Wochen vor Beginn der Symptome übertragen wird, sagt Rosokat. Dennoch gibt es laut dem Arzt zwei goldene Regeln:

Regel Nummer 1: engen Körperkontakt mit Krätze-Erkrankten meiden.

Regel Nummer 2: richtige und regelmäßige Körperpflege. Rückfettende Pflegeprodukte schützt die Haut vor dem Austrocknen

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(lk)