POLITIK
05/12/2016 23:32 CET | Aktualisiert 06/12/2016 01:16 CET

"Hart aber fair" zu Merkel: "Wir sind doch keine Monarchie"

Bei "Hart aber fair" ging es um Merkels Zukunft
ARD Mediathek
Bei "Hart aber fair" ging es um Merkels Zukunft

In Frank Plasbergs "Hart aber fair"-Sendung sollte es eigentlich um Angela Merkel gehen. Die soll auf dem heutigen Parteitag in Essen erneut zur Parteivorsitzenden gewählt werden. Doch stattdessen drehte sich alles um Ralf Höcker.

Der Medien-Anwalt möchte einen erneuten Parteivorsitz Merkels verhindern und hat dafür die CDU-Gruppe "Konrads Erben" gegründet. "Sie hat diese Partei genommen und nach links verschoben und auf SPD und Grüne gesetzt", beklagte er sich. "Ich erkenne diese Partei nicht wieder."

Mehr zum Thema: Parteitag in Essen: Ein nebulöser Satz im CDU-Leitantrag birgt politischen Zündstoff

Aber wer solle anstelle Merkels die Führung der CDU übernehmen? "In der idealen Welt wäre Jens Spahn ein paar Jahre älter", sagte Höcker bedauernd. Sein Vorschlag: "Schäuble macht es zwei Jahre, dann legen wir Herrn Spahn so lange auf Eis, dann übernimmt er." Wenigstens machte einer mal einen konkreten Vorschlag, wer Merkel beerben soll. Aber richtig überzeugend klingt der tiefgefrorene Spahn nicht.

Also gibt es doch keine Alternative zur Kanzlerin? Das will die "Spiegel"-Journalistin Melanie Amann nicht so stehen lassen. "Wir sind doch keine Monarchie", empört sie sich. Was passiere, "wenn Angela Merkel morgens in der Badewanne ausrutscht und sich den Kopf anhaut und nicht mehr Kanzlerin sein kann?" Sie gab sich selbst die Antwort. Auch dann ginge es weiter – niemand ist unersetzbar.

Text geht nach der Umfrage weiter

Der CDU-Politiker Elmar Brok, einer der ausdauerndsten Verteidiger Merkels, ist der Ansicht, Höcker habe die CDU schlicht falsch verstanden. "Die CDU war nie rechts oder konservativ. Sie war immer eine liberale und christlich-soziale Partei."

Auch der "Welt"-Journalist Alan Posener warf Höcker vor, ein falsches Bild der Situation zu haben. Nicht Merkel sei nach links gerückt, sondern die Deutschen. "Sie hat die CDU dahin gerückt, wo das Volk war." Auch Höckers Ansicht, dass Merkel für ein "weiter so" stehe, sei nicht korrekt. Schließlich habe kaum ein Politiker so regelmäßig seine Politik drastisch verändert – zum Beispiel beim Atomausstieg nach der Fukushima-Katastrophe. "Merkel ist nie 'weiter so', sondern, boho, was macht sie als Nächstes?"

"Am Ende wird Höcke der Sieger sein - nicht Höcker"

Er befand, dass Angela Merkel zwar Teil des Problems sei, "aber es gibt niemanden außer ihr, der den Laden zusammenhält". Der Laden, das ist natürlich Europa. Das sieht Amann, ganz anders. Schon ihre Person polarisiere inzwischen. "Frau Merkel löst bei vielen Aggressionen aus." Die Redakteurin warf Höcker vor, die Diskussion in der CDU schlicht verpasst zu haben. Er solle lieber versuchen, die CDU aus ihrer Mitte heraus zu verändern, anstatt von außen rumzunörgeln. "Wie die Greise bei der Muppet Show: ’So geht es aber nicht!'".

Höcker verteidigte sich, er habe schon in den 80ern Plakate für Helmut Kohl aufgehängt. "Selbst wenn man Karteileiche ist, wacht man irgendwann auf."

Ein Versprecher des Grünen-Politikers Jürgen Trittin sagte viel über dessen Sicht auf Höcker. Er sprach ihn mit "Herr Höcke" an – als habe er in mit dem umstrittenen thüringischen Landesvorsitzenden der AfD, Björn Höcke, vor sich. Der wehrte sich empört: "Das ist ein großer Unterschied!"

Trittin warf Höcker vor, die CDU-Mitglieder in die Arme der AfD zu treiben. Mit umstrittenen Leitanträgen für Abschiebungen in Kriegsgebiete oder von kranken Asylbewerbern verspreche die CDU ihren Mitgliedern etwas, was sie politisch nicht umsetzten können – zum einen, weil sie solche Vorschläge beim Koalitionspartner nicht durchgesetzt bekommt, zum anderen, weil sie an Gerichten scheitern. "Wenn die Menschen frustriert sind, geht der Abwanderungsprozess weiter."

"Am Ende wird der Herr Höcke der Sieger sein - nicht der Herr Höcker."

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(ks)