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05/12/2016 11:49 CET | Aktualisiert 06/12/2017 06:12 CET

"Der letzte Tango in Paris": Nach Vergewaltigung vor der Kamera - das wurde aus Maria Schneider

Globe-Photos/Image Collect
Die Schauspielerin Maria Schneider im Jahr 1999 in Los Angeles

"Der letzte Tango in Paris" machte die 19-jährige Maria Schneider im Jahr 1972 auf einen Schlag berühmt. Doch im Leben und der Karriere brachte ihr das kein Glück - denn der Film ließ die junge Schauspielerin traumatisiert zurück. Die Szene, in der ihre Rolle Jeanne von Marlon Brando (1924 - 2004) als Paul vergewaltigt wird, ist keineswegs gespielt. In einem nun aufgetauchten Video von 2013 gibt Regisseur Bernardo Bertolucci (76) zu, dass Schneider nicht wusste, was auf sie zukommen sollte.

"Ich behandelte Maria insofern schrecklich, indem ich ihr nicht sagte, was geplant ist. Ich wollte ihre Reaktion als Mädchen, nicht als Schauspielerin. Ich wollte, dass sie die Erniedrigung fühlt. Ich denke, dafür hat sie mich und Marlon ihr Leben lang gehasst", erklärte Bertolucci in dem Clip, der nun für große Aufregung sorgt. Doch das alles müsste eigentlich längst bekannt sein, denn Maria Schneider selbst hatte Jahre zuvor bereits in einem Interview öffentlich gemacht, vor der Kamera vergewaltigt worden zu sein.

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Sie sprach selbst von Vergewaltigung

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2007 erzählte sie der "Daily Mail": "Sie sagten es mir erst kurz bevor wir die Szene filmten. Ich war so wütend. Ich hätte meinen Agenten anrufen sollen oder meinen Anwalt, weil man niemanden dazu zwingen kann, etwas zu tun, das nicht im Drehbuch steht. Aber damals wusste ich das nicht. Marlon sagte zu mir: ,Mach dir keine Sorgen, Maria, es ist nur ein Film', aber während der Szene habe ich echte Tränen geweint, obwohl ich wusste, dass das, was Marlon tat, nicht echt war. Ich habe mich erniedrigt und, um ehrlich zu sein, auch ein klein wenig vergewaltigt gefühlt - von beiden, von Marlon und Bertolucci. Nach der Szene hat mich Marlon weder getröstet noch sich entschuldigt. Zum Glück brauchte es nur einen Take."

Vom diesem Schock erholte sich Schneider ihr ganzes Leben nicht mehr. Nach "Der letzte Tango in Paris" weigerte sie sich, sich vor der Kamera auszuziehen. Und dass obwohl sie damals damit prahlte, ein sehr lockeres Verhältnis zu ihrer eigenen Nacktheit zu haben und in ihrem jungen Alter bereits mit mindestens 50 Männern und 20 Frauen geschlafen zu haben. Ihr Auftreten und die freizügige Rolle der Jeanne sorgten dafür, dass ihr fast nur noch ähnliche Rollen angeboten wurden.

Anfang und Ende einer Karriere

Insgesamt wirkte sie nach ihrem Durchbruch mit "Der letzte Tango in Paris" noch in 21 Filmen mit. "Meine Karriere wäre weniger heftig gewesen ohne diesen sehr durch die Medien gepushten Film, der seine Zeit so sehr geprägt hat", sagte Schneider 2004 im Interview mit der Zeitung "Le Parisien".

Der einzige Film, der sie danach noch richtig berührt hätte, sei "Beruf: Reporter" gewesen. Darin spielte sie 1975 an der Seite von Jack Nicholson eine junge Terroristin ohne Namen. "Das war am nächsten an dem dran, was ich im Leben war", so Schneider, die eigentlich als Marie Christine Gélin geboren wurde. Ihr Vater war der französische Filmschauspieler Daniel Gélin (1921 - 2002).

Eine weitere Zusammenarbeit mit Regisseur Bertolucci, den Film "1990", brach sie 1975 überraschend ab. Ein Jahr später weigerte sie sich im Film "Caligula" mitzuspielen, der als pornografischer Skandalfilm in die Geschichte einging. Stattdessen ließ sich Schneider wegen ihrer Alkohol- und Drogenprobleme in einer Nervenheilanstalt behandeln. Privat sorgte sie außerdem mit ihrer offen gelebten Bisexualität für Aufsehen.

2011 starb Schneider schließlich nach einer langen Krebserkrankung im Alter von nur 58 Jahren. Nach ihrem Tod sagte Bertolucci in mehreren Interviews: "Ich habe es verpasst, sie dafür um Verzeihung zu bitten." Offenbar war er sich seiner Schuld während all der Jahre doch bewusst.