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05/12/2016 13:04 CET | Aktualisiert 05/12/2016 13:06 CET

Forscher sind sicher: Schlaflosigkeit kann ein Mittel gegen eine der größten Volkskrankheiten sein

Forscher sind sicher: Schlaflosigkeit kann ein Heilmittel gegen eine der größten Volkskrankheiten sein
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Forscher sind sicher: Schlaflosigkeit kann ein Heilmittel gegen eine der größten Volkskrankheiten sein

Niemand verzichtet gerne eine ganze Nacht lang auf Schlaf - es sei denn, man befindet sich gerade auf einer extrem guten Party. Wer unter Depressionen leidet, sollte aber öfter darüber nachdenken, die Nacht durchzumachen. Denn Forscher sind sich sicher: Nächtelanger Schlafentzug kann, zumindest kurzzeitig, gegen Depressionen helfen.

Ganz neu ist diese Erkenntnis zwar nicht - doch nun haben Psychiater an der Columbia Universität in New York herausgefunden, wie der Schlafentzug auch über einen längeren Zeitraum hinweg gegen Depressionen helfen kann.

Millionen Menschen könnte ihre neue Form der Therapie Hoffnung geben. Denn weltweit leiden etwa 121 Millionen Menschen unter Depressionen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge wird aber nur jeder vierte Betroffene adäquat behandelt.

Der Schlafentzug sollte mit einer Licht-Therapie kombiniert werden

Die Psychiater John Stewart und Louisa Steinberg von der Columbia Universität in New York haben eine neue Therapie entwickelt, die eine Wach-Therapie mit "chronotherapeutischem Licht" kombiniert, wie das Online-Magazin "Quartz" berichtet.

Dabei bleiben die Patienten zunächst eine ganze Nacht lang wach. Die darauf folgende Nacht gehen sie dafür extrem früh ins Bett. Von da an wird ihre Schlafenszeit immer weiter nach hinten verlegt, so lange, bis sie einen Zeitpunkt gefunden haben, mit dem sie gut zurecht kommen.

Zusätzlich müssen sich die Patienten jeden Morgen mindestens 30 Minuten lang vor eine Light Box stellen, die sie mit künstlichem Tageslicht bestrahlt.

Die Depressionen verschwanden für Monate komplett

Bisher hat Stewart seine Therapie an 27 Personen getestet. Das Ergebnis: Durch den Schlafentzug in Verbindung mit der Lichtbestrahlung, verringerten sich die Symptome der Depression bei den Betroffenen innerhalb weniger Tage schon auf 50 bis 60 Prozent.

Bei den Patienten, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg an die Licht-Therapie hielten, waren die Symptome sogar für mindestens siebeneinhalb Monate komplett verschwunden - und das alles ohne Medikamente.

Die Psychiater hoffen nun, dass diese spezielle Form der Wach-Therapie noch viel häufiger Verwendung findet.

Dauerhaften Schlafentzug sollte man vermeiden

Dass Schlafentzug tatsächlich gegen Depressionen hilft, bewiesen Forscher vor einem Jahr im Rahmen einer Studie. Damals stellten sie fest, dass sich bei Mäusen, die nicht schliefen, genau der Rezeptor im Frontalhirn verändert, der unsere Stimmung beeinflusst und auch von Anti-Depressiva verändert wird.

Auf Dauer ist aber jeder Schlafentzug ungesund. So könnten sich die Symptome einer Depression laut Ärzten sogar verschlimmern, wenn man unter krankhafter Schlaflosigkeit leidet. Die Ärzte der Columbia Universität raten Depressiven aber dazu, sich selbst von den positiven Effekten des Schlafentzugs zu überzeugen versuchsweise "mit ganz viel Kaffee."


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(lk)