POLITIK
06/12/2016 00:34 CET | Aktualisiert 06/12/2016 02:25 CET

"Keine Perspektive": Ifo-Chef fürchtet Euro-Austritt Italiens

Der Präsident des Ifo-Instituts hält einen Euro-Ausritt Italiens für möglich
Ralph Orlowski / Reuters
Der Präsident des Ifo-Instituts hält einen Euro-Ausritt Italiens für möglich

  • Nach der Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten ist Europa in Sorge vor den wirtschaftlichen Konsequenzen

  • Zu Recht, sagt der Chef des Ifo-Instituts

  • Die Gefahr eines Euro-Austritts hält er für real

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, sieht nach dem Rücktritt der italienischen Regierung nach ihrem gescheiterten Verfassungs-Referendum möglicherweise einen Austritt des Landes aus dem Euro aufziehen.

"Wir müssen befürchten, dass eine Regierung ins Amt kommt, die Italien dann aus dem Euro herausführt, weil die Italiener keine Perspektive innerhalb der Einheitswährung mehr sehen", so Fuest im Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

Es bestehe laut Fuest die Gefahr, dass auch in anderen Ländern das Vertrauen in den Euro erodiere.

"Die Ansteckungsgefahr ist groß"

"Die Ansteckungsgefahr ist groß", warnte er. Könne sich Italien nicht in der Gemeinschaftswährung halten, würden Investoren auch bei anderen Krisenländern nervös werden, so Fuest.

Mehr zum Thema: Ein Nein nicht nur für Renzi

Eine kurzfristige Refinanzierungskrise sieht Fuest trotz des Referendums nicht auf Italien zukommen, allerdings könnte sich die Wirtschaftskrise des Landes verschärfen. Fuest mahnt daher im Interview: "Die Schlüssel zur Überwindung der Krise liegen in den nationalen Hauptstädten."

"Wir können Länder nicht von außen reformieren"

Druck von Brüssel könne dabei nicht helfen: "Der Glaube, wir könnten Länder von außen reformieren, ist ein Irrtum."

Gut 59 Prozent der Wahlberechtigten hatten am Sonntag gegen die Verfassungsreform von Ministerpräsident Matteo Renzi gestimmt, die unter anderem eine Verkleinerung und Entmachtung des Senats vorsah. Dies wurde allgemein als Votum gegen die Europa-freundliche Politik Renzis angesehen - Renzi verkündete daraufhin seinen Rücktritt.

Die Opposition aus eurokritischer Fünf-Sterne-Bewegung und ausländerfeindlicher Lega Nord feierte sich als Sieger und verlangte rasche Neuwahlen.

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(ks)