NACHRICHTEN
04/12/2016 10:04 CET | Aktualisiert 04/12/2016 10:26 CET

"Sie musste damit rechnen" – So widerlich instrumentalisieren Rechte den Mordfall Maria L.

In den sozialen Medien nutzen einige das Verbrechen in Freiburg für Hetze gegen Flüchtlinge.
dpa
In den sozialen Medien nutzen einige das Verbrechen in Freiburg für Hetze gegen Flüchtlinge.

Im Netz brodelt es, seitdem die Polizei am Samstag verkündete, dass im Fall der getöteten Medizinstudentin Maria L. in Freiburg ein Tatverdächtiger festgenommen wurde.

Wie die Polizei mitteilte, ist der Tatverdächtige ein 17 Jahre alter Afghane, der im vergangenen Jahr als Flüchtling in die Bundesrepublik kam. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon sagte noch am Samstag, man solle die "Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranziehen, sondern den Einzelfall betrachten". Viel gebracht hat dieser Hinweis allerdings nicht.

In sozialen Medien war genau diese Pauschalisierung, vor der Freiburgs Oberbürgermeister gewarnt hatte, schnell im vollen Gange. Aber nicht nur das, manche machten nicht einmal Halt davor, das Opfer und seine Familie selbst in den Dreck zu ziehen.

Diese geschmacklosen Kommentare beweisen nur eines: Um die Sicherheit der Bevölkerung, Aufklärung oder Verhinderung weiterer Verbrechen geht es diesen Hetzern nicht - sondern nur darum, noch mehr Hass zu verbreiten.

Hetze in den sozialen Medien

Die Wut, die viele angesichts des Verbrechens empfinden, haben manche User gleich auf alle Migranten übertragen:

hetze

"immer das gleiche, muslime !", schrieb dieser User noch, der auch noch eine weitere Schuldige fand:

hetze

Ein anderer User bezeichnete sogar die Familie des Opfers als "Mittäter und Kollaborateur", weil er gehört hatte, dass sie "Gutmenschen" seien:

verbrechen hetze

Ein weiterer User postete eine ähnlich menschenverachtende Ansicht und schrieb, dass man "damit rechnen muss wenn man diesen Leuten hilft":

hetze facebook

Der AfD-Pressesprecher Christian Lüth nahm das Verbrechen zum Anlass, auf Twitter Wahlkampf für die AfD zu betreiben. Er schrieb: "Gutmenschen weinen jetzt: Beileid. Vernünftige sagen: Abschieben! #AfD wählen!"

lüth

Und auf der Facebook-Seite der AfD wurde schon am Samstag ein Foto gepostet, das an ein Wahlplakat erinnert und auf dem es heißt: "Merkels Jahr der Schande mit neuem Tiefpunkt!". Dabei wurde auf das Verbrechen in Freiburg verwiesen und auf den Tatverdächtigen, der als Asylbewerber nach Deutschland kam.

afd

Und die politische Stimmungsmache auf Grundlage des Verbrechens scheint bei einigen gut anzukommen. Immerhin erhielt der Post innerhalb von 19 Stunden über 3.000 Likes.

Fest steht: So ein Verbrechen darf nicht wieder passieren. Fest steht auch: Diese Kommentare bringen uns überhaupt nicht weiter, sie sind nur beleidigend, geschmacklos und widerlich.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

(lm)