NACHRICHTEN
04/12/2016 15:40 CET | Aktualisiert 05/12/2016 02:28 CET

"Erst mal aufatmen - mehr nicht": Die Presse warnt davor, den Wahlsieg Van der Bellens überzubewerten

Die Presse warnt nach dem Wahlsieg von Alexander Van der Bellen, seinen Sieg nicht zu überbewerten
dpa
Die Presse warnt nach dem Wahlsieg von Alexander Van der Bellen, seinen Sieg nicht zu überbewerten

  • Deutsche Medien warnen nach dem Wahlsieg von Alexander Van der Bellen in Österreich, dessen Sieg überzubewerten

  • Österreich sei nach wie vor politisch tief gespalten, war der Tenor der Kommentare zur Wahl

Der ehemalige Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen hat die Wahl zum Bundespräsidenten in Österreich gewonnen. Sein Konkurrent von der rechtspopulistischen Partei FPÖ, Norbert Hofer, akzeptierte schnell die Niederlage.

Damit verhinderte Österreich vorerst einen weiteren Sieg einer rechtspopulistischen Partei bei einer Wahl. Die Erleichterung bei den Politikern Europas darüber war groß.

SPD-Chef Sigmar Gabriel etwa schrieb am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Ganz Europa fällt Stein vom Herzen."

Bei den Medien dagegen fällt die Freude verhaltener aus.

Verloren hat vor allem die politische Mitte

So schreibt die deutsche Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass Van der Bellens Sieg zwar die Dominotheorie widerlegen mag, "nach der ein westliches Land nach dem anderen in die Hände von Rechtspopulisten fällt."

Aber ganz hätte diese Theorie nie gestimmt. In Österreich sei die FPÖ ja keine neue, sondern eine etablierte Partei, die schon an mehreren Regierungen beteiligt war.

Die "FAZ" warnte weiterhin davor, den Sieg Van der Bellens nicht zu überhöhen: "Man sollte Van der Bellens Wahlsieg als Entscheidung gegen Hofer verstehen, aber nicht als Rückbesinnung einer ganzen Nation auf die Ideale des linksliberalen 'juste milieu'."

Das ist auch der Tenor der "Berliner Zeitung". Sie schreibt: "Österreich hat gewählt, aber das Land wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie zwischen Salzburg, Klagenfurt, Graz und Wien schlicht nicht mehr."

Nobert Hofer habe es sehr weit gebracht, seiner rechtspopulistischen Partei ein freundliches Antlitz zu verleihen. Verloren hat dadurch die politische Mitte.

"Die einstigen Volksparteien SPÖ und ÖVP waren zuletzt nur noch Randerscheinungen bei der Disziplin, einen tragfähigen gesellschaftlichen Konsens zu formulieren." Van der Bellen komme daher die Aufgabe zu, die politische Kultur in Österreich umzugestalten.

Mehr zum Thema: Blitzanalyse: Warum die Freude über den Sieg von Alexander Van der Bellen verfrüht ist

Kurzes Aufatmen - mehr nicht

Ebenso nüchtern kommentieren die "Nürnberger Nachrichten" die Wahl: "Das Wiener Ergebnis lässt die Verteidiger der freien, offenen Gesellschaften und eines vereinten Europa erst mal aufatmen - mehr nicht."

Sie nahmen vor allem die Politiker in die Pflicht und erinnerten an die Fehler der Vergangenheit: "Aber ausruhen dürfen sich überzeugte Demokraten nie - den Fehler haben sie zu lange gemacht, in zu vielen Staaten."

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Auch die Tageszeitung "Welt" bezeichnete den Sieg Van der Bellens in einem Kommentar lediglich als "Atempause". Er sei kein Zeichen von Stabilität.

"Der Sieg Alexander Van der Bellens nimmt ein Muster vorweg, das im Wahljahr 2017 in Westeuropa zur Regel werden kann – alle anderen Parteien stehen notgedrungen zusammen, um die Populisten von der Macht fernzuhalten."

Der Kandidat Van der Bellen war schließlich nur eine Verlegenheitslösung der österreichischen Parteien, um den FPÖ-Mann Hofer zu verhindern. Hinter dem "Blumenstraußkandidaten" aber verberge sich Uneinigkeit, die den Feinden Europas das Spiel erleichtere.

Mehr zum Thema: Alle aktuellen Infos zur Wahl in Österreich in unserem Live-Blog

"Es ist gut, wenn ein Überzeugungseuropäer in der Hofburg sitzt"

Positiver äußerte sich dagegen die "Süddeutsche Zeitung" in einem Kommentar. Zwar liege die FPÖ in Umfragen mit 35 Prozent vor den restlichen Parteien Österreichs. Das werde die Debatten weiter aufheizen.

"Auch da ist es gut, wenn ein ebenso bedächtiger wie besonnener Überzeugungseuropäer in der Hofburg sitzt", schließt die "SZ" ihren Kommentar.

Mehr zum Thema: Österreich-Wahl im Live-Stream: Ergebnis online sehen

Mit Material der dpa

Auch auf HuffPost:

Hofer gibt Niederlage zu - doch eine Sache kann Van der Bellens Sieg noch verhindern

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ca)