POLITIK
04/12/2016 17:12 CET | Aktualisiert 05/12/2016 02:26 CET

Na heißt Na: Wieder einmal machten die Frauen Hofer einen Strich durch die Rechnung

Na heißt Na: Wie wieder einmal die Frauen Hofer einen Strich durch die Rechnung machten
dpa
Na heißt Na: Wie wieder einmal die Frauen Hofer einen Strich durch die Rechnung machten

Mit Alexander Van der Bellen wird ein Grüner der nächste Bundespräsident Österreichs. Das klingt wie ein Déjà-Vu – und ist es auch. Bereits im Mai hatte Van der Bellen die Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten gegen den stramm rechten FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer gewonnen.

Heute ging die Wahl in die zweite Runde, nachdem der Wahlgang im Mai wegen diverser Pannen für nichtig erklärt wurde. Der Sieger war wieder der liberale Europa-Freund Alexander Van der Bellen.

Besonders überraschend war dabei die Deutlichkeit seines Erfolges. Beobachter hatten mit einer langen Nacht gerechnet, einem Foto-Finish, womöglich erst am Montagmorgen, nach dem Abarbeiten all der Wahlkarten, die noch aus der Briefwahl auszuzählen sind. Doch es kam anders.

Kaum verkündeten die Meinungsforschungsinstitute um kurz nach Fünf die ersten Hochrechnungen war klar: Für Hofer hatte es nicht gereicht.

Der FPÖ-Kandidat verlor – viel deutlicher als noch vor einem halben Jahr. Und das obwohl viele Experten den aalglatten Populisten vor dem heutigen Sonntag als Favoriten gehandelt hatten.

Wie konnte es zu dieser empfindlichen Niederlage kommen?

Na heißt Na

Betrachtet man das Wahlverhalten der Österreicher anhand der Hochrechnung des Meinungsforschungsinstituts Sora, zeigt sich: Vor allem die Frauen machten der österreichischen Rechten einen Strich durch die Rechnung.

waehler

Wie schon im Mai konnte Hofer bei ihnen nicht punkten: Lediglich 38 Prozent der Österreicherinnen machten ihr Kreuz für Hofer, 62 Prozent entschieden sich für den ehemaligen Grünen-Chef Van der Bellen. Im Mai hatte Hofer immerhin noch 40 Prozent der Frauen auf seiner Seite gehabt.

Bitter: Auf der Zielgrade hatte Hofer seine Bemühungen, Frauen zu überzeugen, sogar noch einmal erhöht. Mit emotionalen Facebook-Posts und Blumensträußen warb er um die Wählergunst der Österreicherinnen. Doch die blieben bei ihrem "Nein“.

Besonders übel sah es für den FPÖler bei den Frauen unter 29 Jahren aus: Hier entschieden sich fast 70 Prozent für Van der Bellen.

Ein zu niedriger Wert für jemanden, der ernsthafte Ambitionen hegt, an der Spitze eines Staates mit über 3,3 Millionen wahlberechtigten Frauen zu stehen.

Auch bei gebildeten Österreichern hatte Hofer keine Chance

Betrachtet man einige Aussagen Hofers über das weibliche Geschlecht, ist es kaum verwunderlich, dass sich seine Stammwählerschaft eher anderswo verorten lässt. Nicht nur steht Hofer Abtreibungen kritisch gegenüber, er macht auch keinen Hehl daraus, dass er Frauen eher als Mütter und Hausfrauen sieht, als als freie Individuen.

Ginge es nach den österreichischen Männern, die einen knapp kleineren Anteil der Wahlberechtigten ausmachen, hieße der neue Präsident Hofer. 6 von 10 Österreichern machten ihr Kreuz bei dem FPÖ-Kandidaten. Besonders Männer zwischen 30 und 59 Jahren konnte der Europa-Kritiker überzeugen. Hier holte er 63 Prozent der Stimmen.

Eine weitere Auffälligkeit der Sora-Daten betrifft den Bildungsgrad der Wähler. Van der Bellen holte so bei den Akademikern 83 Prozent der Stimmen, Österreicher mit niedrigerer Bildung wiederum überzeugte Hofer. Bei den Wählern, die eine Lehre abgeschlossen haben, kam er auf 64 Prozent.

bildung

Doch auch bei den Arbeitern und wenig Gebildeten konnte er nicht genügend Stimmen mobilisieren: Von den Wählern mit einem Pflichtschulabschluss wählten so immer noch 47 Prozent den "Intellektuellen“ Van der Bellen.

(ca)