POLITIK
03/12/2016 10:42 CET | Aktualisiert 03/12/2016 10:43 CET

"Ar­muts­zeug­nis ers­ten Ran­ges": Berliner Senat vermittelte Jugendliche jahrelang an Pädophile

"Ar­muts­zeug­nis ers­ten Ran­ges": Berliner Senat vermittelte Jugendliche jehrelang an Pädophile
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
"Ar­muts­zeug­nis ers­ten Ran­ges": Berliner Senat vermittelte Jugendliche jehrelang an Pädophile

Forscher haben in Berlin einen unfassbaren Fall von Missbrauch und Politikversagen aufgedeckt. Der Berliner Senat gab demnach in den Siebzigerjahren Kindern wissend zu Pflegern mit pädophilen Neigungen, bezahlte die Täter gar.

Das Projekt war vom pädophilen Aktivisten Helmut Kentler organisiert worden, der das Pädagogische Zentrum Berlins leitete. Er gab Straßenjungen zwischen 13 und 17 Jahren in die Obhut vorbestrafter Sexualtäter.

Seine Begründung: "Diese Leute haben diese schwachsinnigen Jungen nur deswegen ausgehalten, weil sie eben in sie verliebt, verknallt und vernarrt waren.“

Erst heute werden die Fälle ordentlich aufgearbeitet, weil sich der Berliner Senat lange versperrte. Der Abschlussbericht der Göttinger Wissenschaftler, aus dem der "Spiegel“ zitiert, zeigt, wie der damals SPD-geführte Jugendsenat das Projekt billigte und unterstützte.

Kentler bekannte sich zu seinen Aktivitäten

Unglaublich: Kentler machte schon in den 80er-Jahren keinen Hehl mehr aus seinen Absichten. In der Zeit­schrift "kon­kret. Se­xua­li­tät“ berichtete der umstrittene Sozialpädagoge, wie er einen 13-jährigen Jungen, Ulrich, bei einem Pädophilen unterbrachte, der als “Mutter Win­ter” bekannt war.

Kentler schrieb: "Ul­richs Vor­teil war, daß er gut aus­sah und daß ihm Sex Spaß mach­te; so konn­te er pä­do­phil ein­ge­stell­ten Män­nern, die sich um ihn küm­mer­ten, et­was zu­rück­ge­ben.“

Sogar an den Skandal-Lehrer Gerold Becker, der zu der Zeit die berüchtigte Odenwaldschule leitete und dort systematisch Kinder missbrauchte, soll Schüler aus Berlin über die Senatsverwaltung vermittelt bekommen haben.

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung in Berlin, sagte bei der Vorstellung des Berichtes: “Wir können das erlittene Leid nicht wieder gut machen, es tut mich schrecklich leid, was den jungen Menschen angetan wurde.“ Ein "Ar­muts­zeug­nis ers­ten Ran­ges" nennt die Leiterin der Studie, Te­re­sa Nent­wig, die lange Zeit mangelnde Aufklärungsbereitschaft des Senats.

Wie viele Jugendliche betroffen waren, ist bislang nicht bekannt.

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