POLITIK
02/12/2016 12:43 CET | Aktualisiert 04/12/2016 17:14 CET

YouGov-Umfrage: Fast jeder zweite Deutsche erwartet, dass die EU seinem Leben in Zukunft eher schadet

The German national flag flies beside a European Union (EU) flag outside the Chancellery in Berlin, Germany, on Friday, Nov. 18, 2016. Germany's Chancellor Merkel said she's ready to work with U.S. President-elect Donald Trump and won praise for her leadership from U.S. President Barack Obama, who suggested Germans would do well to re-elect her next year. Photographer: Krisztian Bocsi/Bloomberg via Getty Images
Bloomberg via Getty Images
The German national flag flies beside a European Union (EU) flag outside the Chancellery in Berlin, Germany, on Friday, Nov. 18, 2016. Germany's Chancellor Merkel said she's ready to work with U.S. President-elect Donald Trump and won praise for her leadership from U.S. President Barack Obama, who suggested Germans would do well to re-elect her next year. Photographer: Krisztian Bocsi/Bloomberg via Getty Images

Die Zahlen sind alarmierend: Fast jeder zweite Deutsche ist der Meinung, dass die EU und ihre Institutionen negative Auswirkungen auf sein Laben haben werden.

Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Huffington Post. 47 Prozent der rund 1000 Befragten gaben an, dass sie erwarten, ihr Leben werde sich durch die Europäische Union insgesamt verschlechtern.

Nur 35 Prozent erwarten klare Verbesserungen durch die EU - alle anderen Befragten machten keine Angaben.

Die Umfrage zeigt, dass bei einem breiten Teil der deutschen Bevölkerung das Wohlstandsversprechen der EU nicht mehr verfängt. Und das ausgerechnet in dem Land, das im EU-Schnitt wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht nur bestens dasteht, sondern das von der EU so sehr profitiert wie kaum ein anderes Land.

AUch der Blick in die Vergangenheit zeigt einen kritischen Blick vieler Deutscher auf die EU: So sagten 40 Prozent der Befragten, dass sich ihr Leben durch den Einfluss der EU insgesamt verschlechtert hat, nur 36 Prozent sprechen von einer Verbesserung.

Zwar würde immer noch die Mehrheit - 69 Prozent - laut einer Bertelsmann-Studie für den Verbleib im Staatenbund stimmen. Darauf darf sich Brüssel aber nicht ausruhen. Denn wenn die Menschen die Vorteile der EU nicht mehr sehen, steht irgendwann das gesamte Konstrukt in Frage.

Besonders kritisch äußerten sich in der YouGov-Befragung ältere Deutsche. Fast jeder Zweite (48 Prozent) der 50- bis 59-jährigen gaben an, dass sich ihr Leben durch die EU verschlechtert habe. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) glauben, dass sich ihr Leben insgesamt verschlechtern werde.

Besonders positiv hingegen bewerteten Befragte im Alter zwischen 18 und 29 Jahren den Einfluss der EU auf ihr Leben. 45 Prozent sagten, dass sich ihr Leben durch die EU verbessert hat, nur 27 sprachen von einer Verschlechterung. 33 Prozent aber gaben an, dass die EU ihr Leben in Zukunft verschlechtern könne.

Hauptschüler bewerten EU-Einfluss besonders kritisch

Die Einschätzungen unterschieden sich gewaltig je nach Bildungsabschluss. 55 Prozent der Befragten mit Haupt- und Volksschulabschluss sagten, die EU habe ihr Leben verschlechtert. Sogar 59 Prozent gehen von einer Verschlechterung in der Zukunft aus. Nur jeder Vierte sagte, dass sich sein Leben verbessert hat.

Unter den Realschulabsolventen erwartet mehr als jeder Zweite (52 Prozent) eine Verschlechterung und nur 28 Prozent eine Verbesserung.

Deutlich optimistischer äußerten sich Befragte mit Abitur oder Fachhochschulreife. Hier sagt jeder Zweite, dass sich sein Leben verbessert hat, nur jeder Dritte glaubt, dass sich sein Leben verschlechtert habe. Immerhin noch 44 Prozent erwarten, dass sich ihr Leben verbessern wird - und 38 Prozent, dass es sich verschlechtern wird.

Kein Stadt-Land-Gefälle

Interessant ist auch, dass sowohl Menschen aus der Stadt wie auch vom Land diese Frage in etwa gleich beantworten. Beim EU-Referendum in Großbritannien zeigte sich hingegen ein gewaltiges Stadt-Land-Gefälle.

Das zeigt: Die EU muss ihre Probleme schnellstmöglich in den Griff bekommen. Die Euro-Krise etwa ist nicht überwunden. Sie könnte schon am Sonntag zurückkehren, sollten die Italiener gegen das Reformpaket ihres Ministerpräsidenten Matteo Renzi stimmen.

Zudem reibt der Zustrom von Hunderttausenden Flüchtlingen die Staatengemeinschaft auf. Deutschland wird in der öffentlichen Wahrnehmung von seinen EU-Partnern im Stich gelassen.

Und dann sind da noch diffuse Klischees über Eurokraten, die sich für sinnlose Bürokratie einsetzen und für alles Übel auf dem Kontinent verantwortlich sind.

Nur wenn die Mehrheit der EU-Bürger die europäische Idee und die Institutionen befürworten, hat die EU dauerhaft eine Chance.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

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(ks)