POLITIK
02/12/2016 10:57 CET | Aktualisiert 02/12/2016 13:44 CET

Liebe österreichische Medien, ihr habt nichts aus der US-Wahl gelernt

Alex Domanski via Getty Images
Liebe österreichische Medien, habt ihr nichts aus der US-Wahl gelernt

Im Gegensatz zu den USA ist es in Österreich für Medien nicht üblich, eine Wahlempfehlung abzugeben. Vor der Wiederholung der Bundespräsidentenwahl am 4. Dezember ließen sich dennoch zwei Magazine dazu hinreißen.

Das eine ist ein kleines Pfarrblatt in Niederösterreich, das den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer empfiehlt – und sich damit den Ärger der Diözese einhandelte.

Und das andere ist "Profil“, eines der größten Nachrichtenmagazine des Landes, das den freien Kandidaten und ehemaligen Parteiobmann der Grünen Alexander Van der Bellen empfiehlt. Und zwar extrem öffentlichkeitswirksam.

Für gewöhnlich erscheint "Profil“ am Sonntag, diesmal ausnahmsweise am Freitag – wegen der Wahl. Auf dem Cover prangt ein Foto von Alexander Van der Bellen, daneben die Überschrift: "Es kann nur einen geben“.

Damit mag "Profil“ zwar "ein Novum in der Geschichte des Magazins“ begehen, wie die Redakteure schreiben. Doch Wahlempfehlungen für Van der Bellen – und gegen Hofer – gibt es schon zuhauf. Manche Medien haben es subtil gemacht, die anderen ziemlich offensichtlich.

Selten gab es so eine breite Front gegen den einen und für den anderen Kandidaten – wagt man fast zu sagen. Und dann denkt man an die US-Wahl.

Beunruhigende Parallelen zu den USA

In den USA schrieben sich die etablierten Medien fast in Rage in ihrer Kritik am republikanischen Kandidaten Donald Trump. Und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton lobten sie in den Himmel. Sogar das Lifestyle-Magazin "Vogue“ gab die erste Wahlempfehlung in der Geschichte des Magazins ab – für Hillary Clinton selbstverständlich.

Rapper Jay-Z, Sängerin Katy Perry, Schauspielerin Meryl Streep: Der demokratische Parteitag war ein Schaulaufen der Stars - und die Medien berichteten lobpreisend darüber. Gebracht hat es nichts. Wahrscheinlich hat es eher geschadet.

Ähnlich das Bild in Österreich: Vom Bundeskanzler Christian Kern über den ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer bis hin zu Hollywoodstar Christoph Waltz und Songcontest-Ikone Conchita Wurst stellt sich fast die gesamte politische, wirtschaftliche und kulturelle Elite geschlossen hinter Van der Bellen. Und die Medien berichten auch in Österreich lobpreisend darüber.

Es ist ohne Frage öffentlichkeitswirksam, aber das hat gegen Trump am Ende auch nichts gebracht. Die österreichischen Medien scheinen nichts aus dem Sieg Trumps gelernt zu haben.

Die Medien sind Teil des so verhassten Establishments

Denn was Trumps – und auch Hofers – Wähler vereint, ist ihre Wut auf das Establishment. Und da gehören die etablierten Medien dazu. Auch "Profil“.

"Dort, wo sich die Eliten vom Wähler entfernen, werden die Eliten abgewählt", sagte Norbert Hofer der Nachrichtenagentur Reuters nach der US-Wahl.

Es ist natürlich ein Widerspruch in sich, wie sich einer, der seit Jahren in der Politik (und dritter Nationalratspräsident) ist, nicht zur Elite zählen kann.

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Aber bei seinen Anhängern kommt das "Wir unten gegen die da oben“ an. Und zu denen da oben gehört eben auch die "Systempresse" - und damit auch "Profil".

Die Leser des Magazins "kommen aus besten sozialen Schichten, Top-Bildungsstufen und höchsten Kaufkraftklassen“, schrieb sich das Magazin 2009 selbst auf die Fahne. Mit anderen Worten: Sie kommen aus vollkommen anderen Lebenswelten als die Kernwähler Norbert Hofers.

Schon bei der ersten Bundespräsidenten-Wahl zeigten sich klare Parallelen zur US-Wahl

Bei der Bundespräsidentenwahl im Mai hatte Hofer bei Wählern mit Pflichtschulabschluss, Lehre oder mittlerer Reife die Nase vorn, während Van der Bellen bei Wählern mit Uniabschluss mehr als 80 Prozent holen konnte. Ähnlich fiel das Ergebnis in den USA zwischen Hillary Clinton und Donald Trump aus.

Van der Bellen sicherte sich in allen Landeshauptstädten und urbanen Zentren die Mehrheit, Norbert Hofer siegte in ländlichen Regionen. Und auch hier lassen sich klare Parallelen zur US-Wahl erkennen.

Je weiter die Menschen von den Eliten in der Stadt entfernt leben, desto mehr fühlen sie sich von ihnen außen vor gelassen, betrogen. Politiker kümmern sich nicht um sie, Medien lügen sie an, die Wirtschaft schaut ins Ausland – und nicht auf ihre "eigenen Leute“. So ihre Gedankenwelt. In den USA. Und in Österreich.

Und aus der brechen sie auch nicht aus. Nicht umsonst fällt immer wieder das Wort "Filterblase“ in Zusammenhang mit Wahlverhalten. Ursprünglich verwendete der Internetaktivist Eli Pariser diesen Begriff nur, um zu beschreiben, wie Webseiten die Informationen so filtern, dass man außerhalb seiner eigenen Meinung nichts mehr abgebildet bekommt.

Mittlerweile beschreibt das Wort "Filterblase“ ganze isolierte Lebenswelten - auch außerhalb des World Wide Web.

Eine Wahlempfehlung hilft Hofer - anstatt ihm zu schaden

In der Filterblase der Norbert Hofer-Wähler, da kommt "Profil“ nun einmal nicht als Informationsquelle vor.

Insofern könnte man jetzt sagen: Dann erreicht sie die Wahlempfehlung eben nicht, aber schaden tut sie auch nicht.

Doch da ist noch etwas: Diese Wählergruppe wird sehr wohl bemerken, dass sich das "Profil“ auf eine Seite schlägt. Und sie wird auf gut österreichisch sagen: "Eh kloa“. Sie wird sich in ihrer Theorie von der manipulierten Systempresse bestätigt fühlen. Sie wird einmal mehr auf die Eliten "da oben" schimpfen, die sich gegen die "hier unten" verschwören.

Die FPÖ hat einen guten Grund, ihren so gerne verwendeten Slogan wieder zu platzieren: "Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist“.

Und gemeinsam werden sie Hofer zum Märtyrer, der gegen das System kämpft, hochstilisieren und sagen: "Jetzt erst recht“. Und davon könnte sich der eine oder andere Unentschlossene mitreißen lassen.

Gute Argumente halfen schon bei der US-Wahl nicht

"Profil“ zählt in der Van der Bellen gewidmeten Ausgabe sieben Argumente auf, warum er der bessere Präsident wäre. Die Argumente sind gut, aber die Wahl Trumps hat uns doch schon gezeigt, dass die Wutwähler sich nicht um Argumente scheren.

Zumindest gibt sich das "Profil“ in seiner Wahlempfehlung selbstkritisch: "Endorsements, wie sie in angloamerikanischen Medien seit über einem Jahrhundert Tradition haben, sind hierzulande unüblich und seit der Kür von Donald Trump zum US-Präsidenten erst recht in Verruf geraten – weil auch Medien Teil des "Systems“ darstellen, gegen das die neuen Populisten kämpfen.“

Blöd nur, dass die Redaktion es trotzdem getan hat.

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(lp)