POLITIK
02/12/2016 17:09 CET | Aktualisiert 05/12/2016 07:19 CET

Appell eines Jungpolitikers an die Älteren: "Wir wollen nicht gegen euch arbeiten - aber endlich mit euch!"

Appell eines Jungpolitikers an die Älteren: "Wir wollen nicht gegen euch arbeiten - aber endlich mit euch!"
Laurence Mouton via Getty Images
Appell eines Jungpolitikers an die Älteren: "Wir wollen nicht gegen euch arbeiten - aber endlich mit euch!"

Sebastian Kunde war ein bisschen fassungslos, damals, im Herbst vor zwei Jahren. Und ist es auch heute noch, wenn er an die Szene denkt. Das hört man, am Telefon.

Damals hat die SPD-Fraktion in Osnabrück darüber diskutiert, ob sich DJ Robin Schulz ins Goldene Buch eintragen darf.

Kunde, heute 28 und Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos Weser-Ems, musste seinen Stadtratskollegen, die meisten um die 50 Jahre alt, erklären wer Robin Schulz ist. Der Mann, den der "Stern" als "größten Popstar Deutschlands" feiert. Der Mann, der laut "Bild" zu Gold macht, was er anpackt. Der bekannteste DJ Deutschlands halt, aus Osnabrück.

"So kommen wir nicht weiter"

"Das und ein paar andere Dinge haben mir deutlich gezeigt, dass wir so nicht weiterkommen", sagt Kunde der Huffington Post. Er und andere fanden, dass die SPD die Jugend in Osnabrück, der Studentenstadt, nicht so repräsentiere, wie es sein sollte.

sebastian kunde

Sebastian Kunde. Foto: SPD Osnabrück-Stadt

"Deswegen haben die Osnabrücker SPD und wir Jusos beschlossen, dass wir mehr junge Leute auf sichere Listenplätze setzen wollen. Bei der Kommunalwahl in diesem Jahr hat leider ein Junger ausgerechnet eine Kampfkandidatur gegen einen älteren verloren."

Also hat die SPD sich vorgenommen, dass das bei der nächsten Wahl, 2021, nicht nochmal vorkommen soll. Da sollen ein Viertel aller SPD-Stadträte Leute zwischen 16 und 35 sein. "Das wollen wir mit einer Jugendquote für die Kommunalwahlliste erreichen."

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Die Sache ist heikel, weil die Jusos die älteren nicht vor den Kopf stoßen wollen. "Wir wollen nicht gegen euch arbeiten - aber endlich mit euch!", sagt Kunde.

So eine Jugendquote ist genau das, was nach Ansicht von Deutschlands bekanntestem Jugendforscher, Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin, jede Partei sich vornehmen sollte, und zwar für die Bundestagswahl. Im Gespräch mit der Huffington Post forderte er, 20 Prozent der Kandidaten sollten nicht älter als 30 Jahre sein.

"Wir Jungen hören oft, dass wir doch gar nicht planen könnten. Wir würden ohnehin wegziehen, unsere Interessen würden sich ständig ändern, und Erfahrung hätten wir ohnehin keine", sagt Kunde.

"Bei jedem kann sich das Leben drastisch verändern"

"Aber ehrlich: Der Arbeitsmarkt ist heute unfassbar flexibel. Niemand kann doch nicht mehr sagen, dass sie sicher bis zur Rente am gleichen Ort bleiben werden. Es kann jedem passieren, dass sich sein Leben drastisch verändert."

Und man dürfe sich die Arbeit in den Ausschüssen auch nicht als so monströs schwierig vorstellen. "Die Verwaltung gibt viel vor – und den Rest kann man sich draufschaffen."

Und die Jüngeren haben Erfahrung auf einem Gebiet, das vielen Älteren als Minenfeld gilt: moderne Medien.

Kunde verweist auf einen jungen SPD-Politiker aus Osnabrück, Tiemo Wölken. Innerhalb kürzester Zeit hat er mehr als 20.000 Abonnenten für seinen Videoblog auf Youtube gesammelt, inzwischen sind es fast 30.000. Nicht schlecht für einen Politiker, der im europäischen Parlament sitzt und aus einer Stadt mit nicht mal 166.000 Einwohnern kommt.

Nicht schlecht für eine Zeit, in der viele den etablierten Parteien misstrauen und glauben, die hätten ohnehin für nichts eine Lösung.

"Es gibt so viel Misstrauen, so viel Rechtspopulismus. Aber wir haben dem was entgegenzusetzen", sagt Kunde.

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(ks)