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02/12/2016 10:48 CET | Aktualisiert 02/12/2016 10:49 CET

5 faszinierende Eigenschaften, die Linkshänder Rechtshändern voraus haben

5 faszinierende Eigenschaften, die Linkshänder Rechtshändern voraus haben
Teresa Short via Getty Images
5 faszinierende Eigenschaften, die Linkshänder Rechtshändern voraus haben

Linkshänder hatten es lange nicht leicht. Noch bis vor wenigen Jahren war es stigmatisiert, ein Linkshänder zu sein. Viele sahen es sogar als etwas Abnormales an, als ein Zeichen von Schwäche. Linkshändige Kinder wurden gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben, was sich nicht selten nachteilig auf ihre Entwicklung auswirkte.

Heute weiß man glücklicherweise, dass es nicht schlimm ist, Linkshänder zu sein. So bestätigte Stephen Christman, Psychologe an der University of Toledo, erst kürzlich in der Fachzeitschrift "Scientific American", dass für Linkshänder kein erwiesener physischer oder psychologischer Nachteil besteht.

Seit tausenden von Jahren machen Linkshänder etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung aus. Die Tatsache, dass diese Zahl über viele Generationen konstant blieb, zeigt, dass Linkshändigkeit kein evolutionärer Nachteil ist, wie viele Psychologen in der Vergangenheit glaubten.

Aber Händigkeit wird nicht von bestimmten physiologischen oder neurologischen Unterschieden begleitet. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen, aber es ist schon jetzt einiges über die einzigartigen kognitiven und psychologischen Eigenschaften von Linkshändern bekannt.

1. Sie denken schneller

Forschungen legen nahe, dass Linkshänder beide Gehirnhälften schneller und effektiver nutzen können.

Laut einer australischen Studie, die 2006 in der Zeitschrift "Neuropsychology" veröffentlicht wurde, geschieht bei Linkshändern die Verbindung zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte schneller, was dazu führt, dass Informationen schneller verarbeitet werden können.

Die Autoren der Studie haben die Leistung der Studienteilnehmer bei verschiedenen Aufgaben gemessen, die zum einen den Transfer zwischen den beiden Hirnhälften und in einem anderen Aufgabenteil die gleichzeitige Nutzung beider Hirnhälften erforderte.

Die Studie ergab, dass Linkshänder Informationen zwischen den beiden Gehirnhälften schneller verarbeiten konnten. Das ist ein kognitiver Vorteil, der sich beim Sport oder bei Videospielen positiv für Linkshänder auswirken könnte.

2. Bei Entscheidungen bewerten Linkshänder Informationen auf der linken Seite positiver

Die Hand, die man häufiger benutzt, kann sich auf überraschende Weise darauf auswirken, wie abstrakte Ideen bewertet werden, zum Beispiel Werte, Intelligenz und Ehrlichkeit.

Eine Studie der Stanford University aus dem Jahr 2009 fand heraus, dass Linkshänder und Rechtshänder unbewusst ihre dominante Seite bevorzugen.

In der Studie wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert, sich zwei Spalten mit Illustrationen anzusehen und anschließend anzugeben, welche Illustrationen auf sie glücklicher, ehrlicher, intelligenter und attraktiver wirkten. Linkshänder wählten vorbehaltlos überwiegend die linke Spalte, Rechtshänder die rechte Spalte.

"Linkshänder gehen automatisch davon aus, dass die linke Seite positiv besetzt ist und verbinden mit der rechten Seite Negatives. Und das, obwohl die Sprache und die Kultur eindeutig die Nachricht vermitteln, dass das Gegenteil der Fall ist", erklärte der Hauptautor der Studie, Daniel Casato, in einem Statement zu der Studie.

3. In einigen Sportarten sind Linkshänder besser als Rechtshänder

Nur ein Beispiel: Obwohl weniger als 15 Prozent der Bevölkerung Linkshänder sind, sind 25 Prozent der Baseball-Spieler in der Major League linkshändig. Warum? Es könnte daran liegen, dass Linkshänder schneller reagieren, was auch die oben zitierte australische Studie aus dem Jahr 2006 nahelegt.

Aber es gibt auch andere Gründe. Studien haben herausgefunden, dass Linkshänder in einigen interaktiven Sportarten einen großen Vorteil besitzen. Dazu gehören beispielsweise Boxen, Fechten, Tennis und Baseball.

Dieser Vorteil ist bei nicht-interaktiven Sportarten jedoch nicht festzustellen. Zu diesen Sportarten gehören Kunstturnen und Tauchen. Es ist möglich, dass Linkshänder aufgrund ihrer anderen physischen Orientierung und Bewegungen dazu in der Lage sind, Rechtshänder - die es vor allem gewohnt sind, gegen andere Rechtshänder anzutreten - besser auszuspielen.

4. Die Gehirne von Linkshändern ordnen Gefühle auf andere Weise

Die dominante Hand kann festlegen, wie Emotionen im Gehirn geordnet werden. Eine Studie aus dem Jahr 2012, die in der Fachzeitschrift "Plos One" veröffentlicht wurde, fand heraus, dass bei Linkshändern die Motivation mit größerer Aktivität in der rechten Gehirnhälfte verbunden ist. Bei Rechtshändern ist es umgekehrt.

Das kann eine enorme Bedeutung für die Behandlung von Angststörungen und ähnlichen Erkrankungen haben, da hier oft mit einer Stimulierung des Gehirns gearbeitet wird, um die neurologische Aktivität in der linken Gehirnhälfte zu steigern.

"Diese Erkenntnisse legen nahe, dass diese Art der Behandlung bei Rechtshändern Erfolg zeigen kann. Für Linkshänder jedoch kann diese Art der Behandlung sogar schädlich sein, da es genau das Gegenteil dessen ist, was sie benötigen“, erklärt Geoffrey Brookshire, Pyschologe und Autor der Studie.

5. Linkshänder sind häufig die kreativeren Denker.

Viele Experten sind der Meinung, dass zwischen Linkshändigkeit und Kreativität eine Verbindung besteht. Auch mehrere Studien legen das nahe.

Ist das tatsächlich so? Wahrscheinlich ja. Die Forschung hat herausgefunden, dass Linkshänder das divergente Denken besser beherrschen (die Fähigkeit, für ein Problem mehrere Lösungen zu präsentieren). Hierbei handelt es sich um ein kognitives Merkmal der Kreativität.

Die Forschung konnte bisher allerdings nur eine Korrelation und keine Ursächlichkeit feststellen, die Ergebnisse sind also nicht eindeutig.

Eine anderen Erklärungsversuch liefert Chris McManus, Psychologe am University College London, in seinem Buch "Right-Handed, Left-Handed": Das Gehirn von Linkshändern verfügt seinen Untersuchungen zufolge über eine besser entwickelte rechte Gehirnhälfte, von der angenommen wird, dass sie beim kreativen Denken stärker involviert ist.

Es gibt noch eine weitere mögliche Verbindung zwischen Linkshändigkeit und Kreativität. Sie ist zwar spekulativ, aber dennoch faszinierend. In einer linkshändigen Minderheit aufzuwachsen und sich selbst stets als anders zu betrachten, kann bei einigen Kindern zu einem sogenannten "Außenseiter-Denken" führen.

Dabei haben Kinder die Tendenz, ein Selbstbildnis zu entwickeln, das eher individualisiert statt gruppenorientiert ist. Solch ein Denken prädestiniert einen Menschen dazu, Eigenschaften wie Unabhängigkeit und Nicht-Konformität zu entwickeln, was Psychologen wiederum mit kreativem Denken und Innovation in Verbindung bringen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)