WIRTSCHAFT
22/04/2016 09:35 CEST | Aktualisiert 22/04/2016 14:01 CEST

Trotz Wohnungsnot: Vermieter wirft Familie aus Ein-Zimmer-Wohnung

Symbolbild Münchner Wohnung
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Symbolbild Münchner Wohnung

  • Eine Paar mit zwei Kindern - das ist zu viel für eine Wohnung mit 26 Quadratmetern

  • Das hat ein Münchner Gericht entschieden und dem Vermieter Recht gegeben

  • Der Mieterbund sieht das Urteil überaus kritisch

In Großstädten wie München ist bezahlbarer Wohnraum für Familien kaum noch zu finden. Hauptsache irgendeine Wohnung, denken deshalb viele Mieter. So quetschte sich etwa eine vierköpfige Münchner Familie in ein kleines Ein-Zimmer-Appartement.

Besser dort wohnen als auf der Straße, mögen sie sich gedacht haben – doch sie haben die Rechnung ohne ihren Vermieter gemacht – und müssen die Wohnung jetzt wohl verlassen.

Räumungsklage wegen Überbelegung

Doch der Reihe nach: Ein Mann hatte im Jahr 2011 eine knapp 26 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung mit Küchenzeile und Kellerabteil gemietet. Dort lebte er mit seiner Ehefrau und den zwei gemeinsamen Kindern, die 2010 und 2013 geboren wurden.

Der Mietvertrag für 350 Euro teure Wohnung enthielt aber die Klausel, dass der Mieter „aufgrund der geringen Größe der Wohnung“ nicht berechtigt sei, andere Personen als den Ehepartner bei sich wohnen zu lassen. Die Hausverwaltung forderte den Mieter deswegen auf, “die Anzahl der in der Wohnung lebenden Personen zu reduzieren“. Als er darauf nicht reagierte, gab es die Kündigung vom Vermieter - und schließlich eine Räumungsklage.

Zehn Quadratmeter pro Person sollten es laut Gericht schon sein

Das Amtsgericht München gab dem Vermieter Recht, gewährte der Familie aber eine Räumungsfrist von fünf Monaten. Die Wohnung sei überbelegt, entschied das Gericht. Als Richtwert gelte, dass Familien in Wohnungen leben müssten, in denen im Schnitt auf jedes Familienmitglied zehn Quadratmeter kommen.

Mieterverein hält Urteil für "sehr fragwürdig"

Mieterschützer sind entsetzt: „Wir halten dieses Urteil für sehr fragwürdig“, sagte eine Sprecherin des Münchner Mietervereins, der Nachrichtenagentur dpa. Für eine Kündigung des Vermieters wegen Überbelegung müsse die Mietsache gefährdet sein.

„Wie eine solche Gefährdung wegen zwei kleiner Kinder aussehen soll, ist nicht nachvollziehbar“, empört sie sich. Der Fall zeige einmal mehr, wie groß die Wohnungsnot in München ist. „Mieter wohnen sicher nicht freiwillig mit zwei Kindern auf 25,88 Quadratmetern. Wenn die Familie eine bezahlbare Alternative gehabt hätte, wäre sie sicher gerne umgezogen.“

Mit Material der dpa

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(sk)