POLITIK
22/04/2016 15:43 CEST | Aktualisiert 22/04/2016 16:51 CEST

Vor Türkei-Besuch: Chefredakteur von türkischer Zeitung "Cumhuriyet" klagt Merkel in offenem Brief an

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  • Merkel sieht sich vor ihrem Türkei-Besuch heftiger Kritik ausgesetzt

  • Die Klage kommt von der türkischen, regimekritischen Presse

Der geplante Türkei-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel schlägt in dem Land bereits vor ihrer Ankunft hohe Wellen. Der Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, beklagt in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel deren Schweigen über Menschenrechtsverletzungen und Repression in der Türkei. Das berichtet das Magazin "Der Spiegel".

Dündar droht eine lebenslange Haftstrafe, weil er Bilder veröffentlicht hat, auf denen Lastwagen des türkischen Geheimdienstes zu sehen sind, die syrische Islamisten mit Waffen beliefern.

"In der Türkei herrscht ein Kampf zwischen Demokraten und Autokraten", schreibt er laut dem Magazin an Merkel. "In dieser historischen Schlacht stehen Sie und Ihr Land leider auf der falschen Seite."

Werden Sie erneut so tun, als gäbe es hier keine Repression?"

Den Besuch der Bundeskanzlerin in der Türkei an diesem Wochenende werde nicht nur er aufmerksam verfolgen, so Dündar, sondern die ganze Welt: "Werden Sie sich wieder nur mit Regierungsvertretern treffen? Werden Sie erneut so tun, als gäbe es hier keine Repression?", zitiert der "Spiegel" den Regimegegner.

Merkel reist zu Gesprächen über die Flüchtlingskrise und das EU-Türkei-Abkommen in die Türkei. Neben einem Treffen mit Regierungschef Ahmet Davutoglu ist unter anderem ein gemeinsamer Besuch mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans in einem Flüchtlingslager im südtürkischen Gaziantep geplant. In der Region leben rund 350.000 Flüchtlinge aus Syrien, viele davon in Camps.

Merkel will bei ihrem Besuch in dem Flüchtlingslager nach eigenen Worten die Solidarität mit dem Land in der Flüchtlingsfrage betonen.

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