POLITIK
22/04/2016 04:14 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 11:55 CEST

"Der Islam ist ein Fremdkörper": Bei "Illner" verbreitete Gauland krude Thesen zum Untergang des Abendlandes

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Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland

  • Bei Maybrit Illner ging es um die Integration von Flüchtlingen

  • Im Mittelpunkt der Sendung stand der AfD-Vize Alexander Gauland

  • Nach seiner Ansicht gehört der Islam nicht zu Deutschland

In dieser Talkrunde dreht sich alles nur um eine Person: Alexander Gauland. "Angst vor der Parallelgesellschaft – kann Deutschland Integration?", fragte Moderatorin Maybrit Illner ihre Gäste.

Doch das Thema schien dem AfD-Vizevorsitzenden herzlich egal zu sein. Lieber provozierte er. Getreu der neuen Anti-Islam-Richtung der Partei machte er seine Position unmissverständlich klar: Eine Debatte um Integration ist völlig unnötig, weil der Islam nicht in unser Land gehört.

"Der Islam gehört nicht zu Deutschland" war gleich einer seiner ersten Sätze. Deutschland sei "halt christlich-abendländisch und nicht muslimisch", so Gauland.

Schließlich würden in deutschen Museen keine Bilder von muslimischen Künstlern hängen. Die Religion bezeichnete er daher als "Fremdkörper". Minarette in Deutschland seinen "Symbole des Herrschaftsanspruchs" und sollten daher verboten werden.

Als er anfing, von der Schlacht um Wien im 17. Jahrhundert und dem Untergang des weströmischen Reiches durch den Einfall der Barbarenstämme zu reden, wurde es absurd.

"Islamische Gelehrte brachten Aufklärung nach Europa"

Es etwas Nachhilfe in Geschichte gab die in Berlin lebende Autorin Sineb El Masrar, deren Eltern aus Marokko eingewandert sind. Sie wies darauf hin, dass der Islam sehr wohl ein Teil der abendländischen Kultur sei. Schließlich seien es islamische Gelehrte gewesen, die die Werke der griechischen Philosophen und somit die Aufklärung nach Europa brachten. Das saß.

Sie forderte, man solle sich in der Diskussion um den Islam nicht auf Salafisten und Islamisten fixieren. "Es gibt nicht den einen Islam", sagte sie. Junge Muslime ständen nicht vor der Wahl, sich zwischen "westlichen Werten und dogmatischem Hinterwäldlertum" entscheiden zu müssen. Es gäbe sehr wohl eine große Zahl an säkularen Denkern im Islam.

"Lösungen statt Verweigerung"

Auch der CDU-Politiker Jens Spahn ging Gauland immer wieder an. "Natürlich wird es schwer, die Flüchtlinge zu integrieren, natürlich ist das mit drei Wochen Integrationskurs nicht getan", sagte er. Deshalb müsse man "konkrete Lösungen" vorschlagen, anstatt sich zu verweigern.

Wichtig sei es, Flüchtlingen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen, sie aber gleichzeitig immer wieder zu fordern und mit unsere Kultur zu konfrontieren.

Als Beispiel nannte er einen Sportlehrer, der darauf pocht, dass auch muslimische Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen. "Unterstützen wir diesen Lehrer aktiv oder lassen wir ihn hängen?", fragte Spahn.

Gauland warf er immer wieder vor, keine Lösungen anzubieten. Der wich mit dem Hinweis aus, dass die CDU an der Regierung sei, nicht die AfD.

Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie warf Gauland vor, dass sein Bekenntnis, dass er "nichts gegen einzelne Muslime" habe, ihn an den Spruch "Meine besten Freunde sind Juden" erinnere.

"Absolute Respektlosigkeit gegenüber der Polizei"

Er warnte vor einer Ghettoisierung wie in der Pariser Vorstädten. Man brauche deshalb "eine Wohnungsbaupolitik, die klug ist": Nicht Hochhäuser, in denen dann unzählige Flüchtlingsfamilien untergebracht werden, sollten entstehen, sondern dezentrale Lösungen.

Etwa still blieb es um die Polizeibeamtin Tania Kambouri. Sie wies daraufhin, dass bei Migranten auch der Wille zur Integration vorhanden sein muss. Seit der Veröffentlichung ihres Buchs "Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin" ist sie häufig in Talkshows zu Gast.

"Absolute Respektlosigkeit gegenüber der Polizei" begegne ihr in muslimischen Milieus immer wieder. "Man möchte mit mir nicht sprechen, weil ich eine Frau bin.“

Flüchtlinge helfen deutschen Obdachlosen - so geht es auch

Einen Lichtblick am Ende dieser düsteren Debatte konnte Katharina Dittrich-Welsh anbieten. Die Helferin aus Kaiserslautern betreut Obdachlose. Sie berichtet, dass Flüchtlinge in einem Heim in der Näher ihrer Obdachlosenunterkunft erschüttert waren, als sie sahen, dass diese Menschen schlechter als sie selbst leben - und setzten sich dafür ein, dass die Obdachlosenunterkunft mit besseren Duschen und Toiletten ausgestattet wurde.

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