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21/04/2016 07:35 CEST | Aktualisiert 18/05/2016 12:16 CEST

Warme Winterkleidung für Flüchtlingskinder

Marienna Pope-Weidemann

THE BLOG

Ich habe Fotos von Kindern gesehen, deren Finger und Zehen von Erfrierungen gezeichnet waren.

Ich habe Videos von Kindern gesehen, die aus Schlauchbooten gehoben wurden. Die Boote voll von eiskaltem Meereswasser, weil der Sturm die Wellen über das Boot getrieben hatte.

Ich habe Berichte aus erster Hand von freiwilligen Helfern gelesen, die Kinder auf der Flucht mit Winterkleidung versorgen. Manche Kinder trageN Flip Flops; Schuhe, die viel zu groß sind, oder sie laufen sogar barfuß.

Non-Profit-Organisation Carry Me Home

Ich habe auch einen Blick in den Schrank meiner eigenen Kinder geworfen, die überfüllt sind mit Winterkleidung, die längst zu klein ist. Es ist einfach, eine Übersee-Überweisung zu tätigen und Geld zu schicken. Aber was ist mit all dem Reichtum, der ungenutzt in unseren Schränken hängt? Und hier kommt Carry Me Home ins Spiel, eine Non-Profit-Organisation, die Flüchtlingskinder unterstützt und Güter an Flüchtlinge in Europa verschickt.

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Gründerin Vedrana Greatorex, Betreiberin einer Kernkraftanlage aus Vermont, USA, wollte selber etwas tun, nachdem sie das Bild des ertrunkenen dreijährigen Alan Kudri gesehen hatte, der an einem türkischen Strand angespült wurde.

Ihre Söhne schlafen in der gleichen Lage, in der Alan gefunden wurde, und es berührte einen Nerv bei ihr. Carry Me Home ist ihr Beitrag dafür, in einer Krise zu helfen, die sich so nah an fühlt und sich doch tausende Kilometer weit weg abspielt.

Seit September 2015 haben Vedrana und ihr Team über eine Tonne dringend benötigter Güter nach Kroatien, Slowenien, Serbien und Griechenland verschickt. Länder, durch die unzählige Familien auf ihrer Suche nach einer neuen Heimat gezogen sind.

Carry Me Home arbeitet außerdem eng mit etablierten Hilfsorganisationen zusammen, die ihnen Ratschläge bezüglich der Güter, die benötigt werden geben können und dazu bei der Organisation und dem Versand helfen.

Ich konnte auch einen kleinen Blick hinter die Kulissen der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit werfen. Hier lernte ich Leslie Meral Schick aus Newton, Massachusetts, kennen, eine der organisatorischen Partner von Carry Me Home und bald ehrenamtliche Helferin in Griechenland. Sie betonte, dass jede Sendung für einen individuellen Gebrauch angepasst ist.

Zum Beispiel bringen die Ersthelfer, die die Flüchtlinge am Strand in Empfang nehmen, Kleidung für ein ganzes Boot durchfrorener Menschen mit Autos zur Aufnahmestelle. Für diese Menschen schickt Carry Me Home vorsortierte Pakete mit Kleidung, die genau mit der Altersgruppe beschriftet sind, der diese Kleidung passen könnte.

Im Januar 11.000 Flüchtlinge auf der Insel

Um besser verstehen zu können, wie diese Pakete schließlich genutzt werden, stellte Leslie mich Ende Januar ihrer Freundin Sandra Juliachs vor, einer ehrenamtlichen Helferin auf Chios, Griechenland. Alleine im Monat Januar kamen 11.000 Menschen auf der Insel an.

"Die Menschen waren von der Hüfte abwärts durchnässt, und das war noch das beste Szenario,“ so Sandra Juliachs. Und das bei einer gefühlten Temperatur von unter 0°C. "Je schneller man die Menschen mit Kleidung versorgen kann, desto besser.“

Carry Me Homes Kleidungspakete werden in wasserfestem Material verschickt und sind so gepackt, wie man selbst sein Kind kleiden würde, hinge sein Leben davon ab: Unterwäsche und Socken ganz oben, dann ein Shirt, ein warmer Pullover oder eine Fleecejacke, zwei Hosen, eine Daunenjacke, eine Mütze und Handschuhe. In jedem Paket befinden sich außerdem ein kleines Spielzeug und eine Nachricht der Person, die das Paket gepackt hat.

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Kleidung für ein dreijähriges Kind. Foto von Leslie Meral Schick

Bei dem Gedanken an die Berge von Winterkleidung, die ich verschicke würde, hört sich die Arbeit von Carry Me Home nicht nur fantastisch, sondern geradezu verlockend an. Aber ich zögerte noch. Ist es nicht effektiver, einfach Geld zu spenden, damit Organisationen vor Ort immer genau das besorgen können, was grade benötigt wird?

Nicht unbedingt. Carry Me Homes Grundsatz ist es, nur die Dinge zu schicken, deren Anschaffung vor Ort mehr als die Versandkosten kosten würde.

Leslie erklärte es mir genauer: Alle Kleiderspenden sind umsonst, es werden also nur die Versandkosten und das Verpackungsmaterial bezahlt. Ein Kleidungspaket kostet zwischen 8 und 14 Euro. Ein Paket für ein Baby mit einem Schal für die Eltern und einem Spielzeug für das Kind kostet 5,80 €, ein Paar Stiefel mit einem Paar Socken kostet durchschnittlich 6,30 €.

Kostas Tanainis, ein Restaurantbesitzer aus Chios, verbringt fast seine gesamte Zeit als unabhängiger freiwilliger Helfer. Er hat 40 Pakete von Carry Me Home erhalten und erzählte mir via Facebook, dass man für so wenig Geld niemals so schöne Kleidung bekommen könne. Die Dinge vor Ort seien sehr teuer, ein Wintermantel für ein Kind koste rund 40 Euro.

Aber woher weiß man, dass die Kleidung auch wirklich bei den Flüchtlingen ankommt?

Diese Bedenken hatte auch Vedrana, als sie die Aktion startete. Also konzentrierte sie sich darauf, ein Netzwerk von Freiwilligen aufzubauen, das sie darüber informiert, was gebraucht wurde, und ein weiteres Netzwerk aus vertrauenswürdigen Organisationen, das ihr diese Informationen bestätigt.

Vedrana zeigte mir außerdem Fotos, die sie erhält, sobald ein Paket sein Ziel erreicht. Diese Fotos postet sie auf der Facebook-Seite von Carry Me Home. Allerdings gibt sie auch zu bedenken, dass die Sendungen so umfangreich sind, dass man im seltensten Fall eine Mütze des eigenen Kindes an einem Flüchtlingskind wiederfinden wird.

Die Facebook-Seite werde ich in den nächsten Tagen, wenn die Sendung mit meinen eigenen Sachen in Griechenland ankommt, gründlich durchstöbern. Ich werde den Flüchtlingskindern vielleicht nicht in allen Belangen helfen können, so wie ich es gerne täte. Aber zu wissen, dass die Kleidung meiner Kinder sie warm halten wird, schafft eine spürbare Verbindung zwischen unseren Familien.

Manchmal ist ein bisschen Liebe verschickt in Form von Handschuhen das Beste, was wir tun können.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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