WIRTSCHAFT
21/04/2016 04:13 CEST | Aktualisiert 21/04/2016 08:34 CEST

DIW-Präsident Fratzscher: Wachstumsprognose der Bundesregierung ist geschönt

Marcel Fratzscher, chairman of the German Institute for Economic Research (DIW), speaks during an interview with Reuters in his office in Berlin, Germany, March 7, 2016. Picture taken March 7, 2016.      REUTERS/Fabrizio Bensch
Fabrizio Bensch / Reuters
Marcel Fratzscher, chairman of the German Institute for Economic Research (DIW), speaks during an interview with Reuters in his office in Berlin, Germany, March 7, 2016. Picture taken March 7, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

  • DIW-Präsident Fratzscher nennt die Wachstumsprognose der Bundesregierung "geschönt"

  • Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft seien "alles andere als gut"

Die deutsche Wirtschaft wächst weiter. Das gab die Bundesregierung am Mittwoch in ihrer Frühjahrsprojektion bekannt. "Durchaus zufriedenstellend", befand Vize-Kanzler Sigmar Gabriel.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin widerspricht. Für ihn sind die Zukunftsprognosen "alles andere als gut".

"Wir haben aktuell 1,5 bis 1,7 Prozent Wachstum. Das ist nicht übermäßig viel", sagte Fratzscher der "Passauer Neuen Presse". Verglichen mit Frankreich und Spanien sei Deutschland in den vergangenen 15 Jahren schwächer gewachsen.

Aktuell wachse die Wirtschaft "nicht übermäßig viel. Fratzscher warnte: "Wir haben keinen Grund zur Euphorie."

Denn die Zahlen, die die Bundesregierung vorgelegt hatte, seien "ein wenig geschönt": Die 15 Milliarden Euro, die Bund, Länder und Gemeinden in diesem Jahr für Flüchtlinge ausgegeben hätten, hätten so für einen zusätzlichen Impuls von 0,3 Prozent Wachstum gesorgt.

"Zieht man das ab, wäre das Wirtschaftswachstum alles andere als beeindruckend."

Bis 2020 werde die Beschäftigung absinken, die positive Entwicklung der Löhne stagnieren. Besonders problematisch seien aber die zu geringen öffentlichen und privatlichen Investitionen, so Fratzscher.

"Wenn hier nicht mehr geschieht, wird sich das Wirtschaftswachstum weiter deutlich abschwächen und der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet werden."

Gegen Kritik an der EZB, die zuletzt unter anderem in der CSU laut geworden war, setzte sich der DIW-Präsident zur Wehr. "Nicht die Europäische Zentralbank enteignet die Sparer, sondern die Politik der Regierungen in Deutschland und Europa."

"Die niedrigen Zinsen sind die Folge einer europäischen Krise, in der wir noch mittendrin stecken", erklärte er.

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