POLITIK
21/04/2016 11:10 CEST | Aktualisiert 21/04/2016 11:18 CEST

9 Dinge, die Deutschland von Rumänien lernen kann

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Es gibt Dinge, die können den Blick auf die Welt verändern: Dazu gehört zweifelsfrei eine Reise nach Rumänien.

Von Deutschland aus betrachtet lag das Land im Südosten Europas immer ein wenig im toten Winkel der Weltgeschichte. Und doch verbindet beide Staaten viel: angefangen von der gemeinsamen Migrationsgeschichte bis hin zur heutigen Partnerschaft innerhalb der europäischen Union.

Das Image der Deutschen ist nach wie vor gut in Rumänien. Auch, wenn das Land nach wie vor große Probleme hat, etwa mit Armut und Kriminalität - hier sind neun Dinge, die wir von Rumänien lernen können.

1. Die Rumänen haben selbst Horst Seehofer mit Fassung ertragen

Anfang 2014 stieß die CSU eine unsägliche Debatte um den angeblichen Massenansturm von "Bulgaren und Rumänen“ auf die deutschen Sozialsysteme los. Bald schon stimmte auch Teile der CDU in den chauvinistischen Chor derer mit ein, die sich offenbar seit Jahren vor Migranten aus Osteuropa fürchten.

Der vermutete Ansturm der Habenichtse ist ausgeblieben, profitiert von der Debatte hat vor allem die AfD, wie sich bei der Europawahl im Mai 2014 herausstellte. Und die Rumänen selbst?

Sie trugen die Ausfälle führender konservativer deutscher Politiker offenbar mit Fassung. Laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Jahr 2015 halten 77 Prozent der Rumänen Deutschland weiterhin für einen vertrauenswürdigen politischen Partner.

2. Die rumänische Wirtschaft wächst stark

Zugegeben – was den Zustand der rumänischen Wirtschaft betrifft, gibt es durchaus noch Entwicklungsspielraum nach oben. Lange Zeit hat das Land unter den Folgen der kommunistischen Planwirtschaft zu leiden gehabt. Doch seit einigen Jahren deutet sich langsam eine Trendwende an. Im Jahr 2014 wuchs die rumänische Wirtschaft trotz aller Schwierigkeiten noch um 2,8 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Wachstum um knapp vier Prozent.

Erste Stimmen warnen sogar schon vor einem Überhitzen der rumänischen Konjunktur. Dadurch stieg das immer noch niedrige Durchschnittseinkommen.

3. Die IT-Industrie ist weltweit von Bedeutung

Die rumänische IT-Industrie entwickelt sich außerordentlich dynamisch. Das liegt auch an einer richtungsweisenden Entscheidung aus dem Jahr 2001: Damals wurde der High-Tech-Sektor in Rumänien von der Einkommenssteuer befreit. In Rumänien gibt es ein eigenes IT-Ministerium, das von einem jungen Informatiker geführt wird, Firmen wie "Bitdefender“ wurden in Rumänien gegründet und haben ihren Sitz dort.

Doch rumänische IT-Spezialisten machen auch außerhalb der Heimat Karriere. In den Büros von Microsoft gilt Rumänisch bereits jetzt als zweitmeist gesprochene Sprache.

4. Die rumänische Fußballnationalmannschaft ist im Kommen

Ja, Deutschland ist bekanntermaßen amtierender Weltmeister. Doch in der Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich tat sich das DFB-Team bisweilen schwer: Zweimal verlor die deutsche Nationalmannschaft, in Polen (0:2) und in Irland (0:1). Anders dagegen die Rumänen: In einer stark besetzten Gruppe, in der sich drei Mannschaften qualifizierten, marschierte das Team ohne eine einzige Niederlage zur EM. Die großen Tage von Gheorghe Hagi mögen zwar lange vorbei sein. Aber vielleicht wächst da gerade ein neues großes Team heran.

5. Was wären Bio-Bauern in den USA ohne rumänisches Futter?

Es mag skurril klingen: Einerseits sind die USA einer der größten Futtermittelexporteure der Welt. Andererseits scheint es auf dem amerikanischen Markt einen Mangel an gentechnikfreien Mais zu geben. Und auf den sind Bio-Bauern angewiesen. Mehr als 300.000 Tonnen Mais haben die USA im vergangenen Jahr deshalb importiert. Das Gros stammt aus Rumänien und der Türkei.

6. Rumänien schafft bei der Förderung von Elektroautos Fakten

Unendlich lang zieht sich in Deutschland schon die Debatte hin, wie die Elektromobilität angemessen gefördert werden kann. Viel ist bisher nicht passiert, um die Kaufprämie für Elektroautos etwa wird seit Monaten intensiv gestritten. In Rumänien steht es um die Zulassungszahlen von E-Mobilen zwar noch schlechter – im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 24 Neuzulassungen registriert.

Dafür hat die rumänische Regierung nun Fakten geschaffen: Die Kaufprämie für Elektroautos ist beschlossene Sache. Insgesamt 16,6 Millionen Euro sollen dafür bereit gestellt werden. Außerdem fällt bereits heute schon die Zulassungssteuer weg.

7. In Rumänien wird Toleranz gegenüber Minderheiten gelebt

18 Ethnien sind im Land staatlich anerkannt (bei nur 20 Mio. Einwohnern). Sie sind mit je einem eigenen Abgeordneten im Parlament vertreten, haben unter anderem das Recht auf Unterricht in der eigenen Muttersprache. Und Klaus Johannis als Vertreter der deutschen Minderheit ist sogar von den rumänischen Wählern zum Präsidenten bestimmt worden.

8. Die Rumänen zeigen uns, dass auch der Tod Humor haben kann

In der Gemeinde Sapanta im nördlichen Rumänien gibt es einen "Fröhlichen Friedhof“, der zur Touristenattraktion geworden ist.

Die Dorfbewohner schmücken ihre Familiengräber seit Jahrzehnten mit bunten Holzkreuzen, auf denen sie – oft auf humorvolle Weise – das Wichtigste aus dem Leben der Verstorbenen erzählen. So ist der Friedhof kein Ort der Trauer mehr.

9. In Transsilvanien gibt es noch echte Natur

Kein Geringerer als der britische Thronfolger Prinz Charles sagt: Transsilvanien, also die Region im Zentrum und Nordwesten Rumäniens, hält den Schlüssel in der Hand zur Rettung der Welt. Es sei die letzte Region in Europa, in der man noch wahre Nachhaltigkeit und die Aufrechterhaltung von komplexen Ökosystemen bewundern könne - auch, wenn es dort auch krasse Fälle von Umweltverschmutzung gibt.

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(ben, lk)