POLITIK
21/04/2016 04:08 CEST | Aktualisiert 21/04/2016 08:30 CEST

"Erdogan ist ein Fall für die Psychiatrie": TV-Urgestein Kienzle kannte bei "Maischberger" kein Halten

  • Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen über Merkels Entscheidung im Böhmermann-Eklat

  • TV-Journalist Kienzle unterstellte dem türkischen Präsidenten eine Persönlichkeitsstörung

  • Medienanwalt Ralf Höcker rechnet mit einer Verurteilung Böhmermanns

  • Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Text seht ihr im Video oben

Der Satire-Eklat bestimmt weiter die Talkshows. "Staatsaffäre Böhmermann - diktiert Erdogan Merkels Kurs?", fragte Sandra Maischberger ihre Gäste gestern. Damit diese wissen "worüber wir reden", wurde nochmal das Skandal-Gedicht des Satirikers Jan Böhmermann vorgetragen.

Allerdings wurden die Sätze über das "Ziegenficken" und "Minderheiten unterdrücken" von einem Sprecher mit ernster und trockener Stimme gesprochen. Und gerade das machte es weit lustiger als der eigentliche Beitrag von Böhmermann.

Der Fernsehjournalist und Nahost-Experte Ulrich Kienzle konnte sich zumindest ein Glucksen nicht verkneifen. Er nutze die Talk-Runde mit für eine Abrechnung mit dem türkischen Präsidenten und seiner Partei, der AKP. Recep Tayyip Erdoğan sei ein "Neo-Sultan"mit "mangelnder Souveränität".

"In der Türkei gehen mehr Journalisten in den Knast als zur Arbeit"

Kienzle kam ihn Fahrt: "Wer gegen 2000 Menschen wegen Beleidigung klagt, der hat sie doch nicht mehr alle." Schließlich sprach er das finale Urteil: "Erdogan ist ein Fall für die Psychiatrie!"

Das löste Schnappatmung bei Ozan Ceyhun aus. Der deutsch-türkische Politiker sah nicht nur Erdogan beleidigt sondern sich selbst auch und überhaupt alle Türken. "Erdogan hat die Türkei demokratisiert", behauptet Ceyhun. Seit er regieren würde, gäbe es keine Probleme mit der Meinungsfreiheit in der Türkei.

Echt jetzt? Da fragte man sich, ob Ceyhun nicht selbst Satire betreibt. Als die Kabarettistin Idil Baydar darauf hinwies, dass in der Türkei "mehr Journalisten in den Knast gehen als zur Arbeit" antwortet er: "Es gibt keine Journalisten in der Türkei im Gefängnis." Jene, die inhaftiert sind, seien nur auf dem Papier Journalisten - tatsächlich aber wären sie "Terroristen".

Da sprang der Grünen-Politiker Jürgen Trittin ein. Er bezeichnete den Paragrafen 103 als Regel "aus vordemokratischer Zeit" - einen Majestätsbeleidigungsparagrafen. Der Paragraf gebe "Herr Erdogan mehr Rechte als Herr Kienzle".

Strafe, aber kein Gefängnis für Böhmermann

Stephan Mayer von der CSU verteidigt dagegen die Entscheidung der Kanzlerin: "In Deutschland entscheidet einzig und allein die Justiz." Eine Abschaffung des Paragrafen will er nicht - das wäre eine "Lex Böhmermann": die Streichung eines Gesetzes, um den Satiriker vor einer Strafe zu schützen.

Da stimmte ihm der Medienanwalt Ralf Höcker zu. Der Jurist, der bereits den Wetter-Moderator Kachelmann vertreten hat, sagte, der Paragraf würde lediglich die außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland schützen.

Er rechnet damit, dass Böhmermann wohl am Ende verurteilt wird – weil sein Schmähgedicht ein "Übermaß an nicht mehr hinzunehmender Abwertung" sei. Doch für Böhmermann hat der Höcker auch eine gute Nachricht.

"Ins Gefängnis wird er sicherlich nicht müssen."

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