LIFE
21/04/2016 09:44 CEST | Aktualisiert 28/04/2016 12:25 CEST

Der Kaiserschnitt hat aus meiner Frau eine coole Sau gemacht

Der Kaiserschnitt hat aus meiner Frau eine coole Sau gemacht
PHDG via Getty Images
Der Kaiserschnitt hat aus meiner Frau eine coole Sau gemacht

THE BLOG

Dieser Blog erschien zuerst bei Babble.

Ich war 24, als meine Frau Mel und ich vor 10 Jahren unser erstes Kind bekamen. Tristan kam zwei Wochen früher zur Welt, weil Mel eine Präeklampsie entwickelt hatte. Ihre Füße, ihre Hände, ihr Gesicht – einfach alles – schwoll an.

Mir war nicht klar, was die Krankheit anrichten konnte, wenn sie unentdeckt blieb, und mir war keinesfalls klar, dass sie sogar dazu führen könnte, dass die Ärzte den Bauch meiner Frau aufschneiden müssen, um das Baby herauszuholen.

Ich wusste nicht einmal, dass diese Möglichkeit überhaupt infrage kam. Völlig ahnungslos ging ich mit einem weißen medizinischen Schutzanzug, einem Mundschutz, einer OP-Haube und Hygiene-Überschuhen bekleidet in den Kreißsaal.

Mel dagegen lag auf einem Tisch und ihre Schultern und ihr Kopf lugten hinter einem OP-Vorhang hervor (um ehrlich zu sein war ich viel zu nervös, um einen Blick hinter den Vorhang zu werfen). Ich hatte noch nie gesehen, wie ein Baby zur Welt kommt.

Ich wusste wirklich nicht, was mich erwartete. Also sah ich auf den Boden, ich sah Mel an, ich sah überall hin, nur bloß nicht dort hin, wo die Geburt meines Sohnes stattfand.

Nach ungefähr 20 Minuten im Kreißsaal hörte ich ein Baby schreien und der Arzt sagte: "So, Papa. Komm, und sieh dir deinen Sohn an."

Ich dachte, sie seien fertig. Doch ich lag falsch.

Bevor meine Frau einen Kaiserschnitt bekam, hatte ich mir einige echt groteske Horrorfilme angesehen. Filme, in denen Menschen aufgeschlitzt wurden, oder gefressen wurden, oder zerfetzt wurden. Ich hatte mir diese Filme zusammen mit Freunden angesehen und wir hatten dabei Pizza gegessen und Limonade getrunken.

Diese Filme hatten mich nicht sonderlich berührt. Doch auf den Kaiserschnitt meiner Frau war ich absolut nicht vorbereitet. Überhaupt nicht.

Aus einem klaffenden Loch im Bauch meiner wunderschönen Frau sahen der Kopf und der rechte Arm einer blutverschmierten, kalkweißen, kindesähnlichen Kreatur hervor. Um deren Hals und Schultern hing ein weißes Ding mit Adern, das unnatürlich wirkte. Doch wenn ich zurückdenke, hatte es sich dabei wohl um die Nabelschnur gehandelt.

Bei mir selbst musste noch nie eine größere Operation durchgeführt werden und das ist auch immer noch so. Ich hatte oft gehört, wie Menschen sich über das Wunder der Geburt unterhielten, und das hatte sich immer sehr schön angehört. Doch der tatsächliche Geburtsvorgang, der Moment, an dem es passiert, war zweifelsohne das Furchterregendste, was ich je gesehen hatte.

Meine Knie gaben nach.

Ich musste mich setzen.

Mel sah zu mir hoch und sagte: "Du bist ganz blass. Geht es dir gut?"

"Geht es Dir denn gut?", fragte ich. "Du willst gar nicht wissen, was die gerade mit dir machen."

Ich weiß noch, dass ich mich ernsthaft gefragt hatte, ob Mel überleben würde, alles endlich alles vorbei war – als ich meinen Sohn im Arm hielt und er gewaschen worden war und Mel zugenäht und bandagiert worden war und unsere ganze Familie das Krankenhaus verlassen hatte.

Ich hatte echt keine Ahnung, wie sie es geschafft hatten, meinen Sohn aus Mels zierlichem Körper herauszuholen. Ich fragte mich, ob sie jemals wieder ganz gesund werden würde.

Hin und wieder kam eine Krankenschwester, hob den Kittel meiner Frau hoch und kontrollierte Mels Schnittwunde. Und jedes Mal, wenn ich den blutigen Verband sah, war ich zu 100 Prozent dankbar, dass ich noch nie von einem Arzt aufgeschnitten worden war und dass er danach in meinen Körper gefasst hatte und jemanden herausgezogen hatte.

Die ganze Sache war verrückt und aufregend, doch als Mel am nächsten Tag aufstand und herumging, war ich richtig schockiert. Sie ging sehr langsam und trat vorsichtig auf. Sie hielt meine Hand, damit sie nicht umkippte, doch sie hielt sich aufrecht.

Sie lächelte. Es war erstaunlich und ich erinnere mich noch daran, dass ich mir dachte, was für eine stoische, starke, kraftvolle, hingebungsvolle, entschlossene Person sie doch ist und vor allem, dass sie die tapferste Person ist, die ich kenne.

Einige Jahre später fand die Geburt unseres dritten Kindes statt. Ich erinnere mich daran, dass Mel nackt vor ein paar Ärzten und Krankenschwestern lag, die gerade den Kaiserschnitt beendet hatten. Von ihren Hüften tropfte Blut herab. Ihr Bauch sah aus wie ein Luftballon, aus dem die Luft herausgelassen worden war.

Man hatte sie komplett entblößt, um sie vom Operationstisch ins Bett verlegen zu können. Ich stand neben ihr und hielt unsere jüngste Tochter Aspen in den Armen, die fest schlief.

Mel sah zu mir hoch. Sie lächelte. Es war kein gequältes Lächeln, sondern ein echtes. Sie scherzte mit dem Arzt herum. Und obwohl sie nackt war und eine Schnittwunde hatte, war sie glücklich und strotzte vor Lebensfreude.

Ich musste noch nie nackt und aufgeschnitten vor so vielen Menschen herumliegen. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, doch ich glaube nicht, dass ich dabei lächeln würde.

Unsere Kinder kamen alle per Kaiserschnitt zur Welt. Ich weiß zwar, dass viel darüber diskutiert wird, ob zu viele Kaiserschnitte durchgeführt werden, doch das ist nicht der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe. Ich schreibe ihn, weil Mel eine lange Narbe am Bauch hat.

Sie ist tief und violett. Sie ist größer als jede Narbe, die ich habe, oder jemals haben werde. Und selbst wenn ich jemals eine Narbe bekomme, die so groß ist wie ihre, dann wird sie niemals so bedeutsam sein wie ihre, weil meine Narbe dann nur bedeutet, dass ich selbst überlebt habe, und nicht, dass dabei noch ein neues Leben entstanden ist.

Ihre Narbe ist ein Beweis dafür, wie sehr sie sich für unsere Familie einsetzt und wie entschlossen sie dabei ist. Sie ist ein Beweis dafür, dass Mel bereit ist, alles zu tun, um unsere Kinder auf die Welt zu bringen – einen Jungen und zwei Mädchen, die mein Leben mit mehr Freude erfüllen als ich es je für möglich gehalten hätte.

Und immer, wenn ich die Narbe sehe, steigt eine tiefe Bewunderung für die Mutter meiner Kinder in mir hoch, die niemals nachlassen wird.

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