WIRTSCHAFT
21/04/2016 02:03 CEST | Aktualisiert 25/04/2016 05:43 CEST

Star-Ökonom Krugman wirft Merkel vor, die Euro-Krise verschlimmert zu haben

Der Nobelpreisträger Paul Krugman
dpa
Der Nobelpreisträger Paul Krugman

  • Paul Krugman gibt zu, bei Vorhersagen zum Ende des Euro daneben gelegen zu haben

  • Er wirft Merkel vor, die Euro-Krise verschlimmert zu haben

Der US-Starökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman geht mit Merkels Regierung hart ins Gericht. Zugleich räumte er ein, bei der Bewertung der Euro-Krise Fehler gemacht zu haben.

Seine Voraussage, dass die Währungsunion zerbrechen werde, habe sich nicht bewahrheitet, sagte Krugman in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung": "In der Tat: Da lag ich falsch", so der 63-Jährige.

"Nur die Deutschen kapieren es nicht"

Im Juli letzten Jahres hatte er spekuliert, dass der Euro zugrunde gehen wird. Doch die Gemeinschaftswährung gibt es immer noch.

Krugman gibt zu, sich geirrt zu haben. Er habe nicht begriffen, "wie groß der Wille der Politiker war, die Währungsunion zusammenzuhalten - oder andersherum gesagt: wie groß ihre Angst war, dass ganz Europa zerfallen könnte".

Zugleich erneuerte Krugman jedoch seinen vielfach geäußerten Vorwurf, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe mit ihren harschen Sparauflagen die Krise verschlimmert und "das Leben aller anderen in Europa immer noch schwerer gemacht hat".

Schuld daran sei die "intellektuelle Rigidität", mit der viele deutsche Politiker agierten. Bis heute rede man in der Bundesrepublik fälschlicherweise von einer Staatsschuldenkrise, obwohl die Ursachen, außer im Fall Griechenland, andere gewesen seien. "Beinahe überall auf der Welt versteht man diese Zusammenhänge heute - nur die Deutschen kapieren es nicht", so Krugman.

Krugman hatte im letzten Jahr das Vorgehen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäubles in der Euro-Krise als "seltsam" bezeichnet. Schäuble hatte zuvor in einem Gastbeitrag für die "New York Times" die Eurokrise wiederholt als "Vertrauenskrise" bezeichnet und betont, dass Konjunkturpakete "nichts bringen würden".

"Ich wäre ein furchtbarer Politiker"

Dazu sagte der Ökonom: "Schäuble lebt in einem Paralleluniversum."

Der Volkswirt und New-York-Times-Kolumnist griff in seinem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" außerdem die US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Bernie Sanders an.

Der rechtsgerichtete Trump bediene sich eines plumpen Rassismus in Teilen der Bevölkerung, der Linkskandidat Sanders habe von Wirtschaft keine Ahnung.

Den Vorschlag, sich selbst um ein Amt zu bewerben, lehnte Krugman ab: "Um Himmels willen, nein! Ich glaube, ich wäre ein furchtbarer Politiker", sagte er.

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