POLITIK
21/04/2016 00:29 CEST | Aktualisiert 21/04/2016 02:32 CEST

"Satire darf nicht alles": Dieter Nuhr vergleicht Böhmermann mit Judenhassern

Der Kabarettist Dieter Nuhr
ullstein bild via Getty Images
Der Kabarettist Dieter Nuhr

  • Der Kabarettist Dieter Nuhr verteidigt die Strafverfolgung des Satirikers Jan Böhmermann

  • In einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel" vergleicht er Böhmermann mit Judenhassern

Dieter Nuhr dürfte wohl der einzige Satiriker Deutschlands sein, der die Strafverfolgung Jan Böhmermann ausdrücklich gutheißt. Er schrieb einen Gastbeitrag für den "Tagesspiegel", in dem er Kurt Tucholskys berühmten Zitat - "Satire darf alles" widerspricht.

Nicht nur dass, er stellte Böhmermanns Gedicht zudem in ein rechtes Umfeld und unterstellt ihm Rassismus. "Beleidigung ist gesetzlich verboten. Das gilt auch für den türkischen Staatspräsidenten, weil das Gesetz bei uns für jeden gilt", schreibt der 55-Jährige in einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel" .

"Wir leben nicht in einer Bananenrepublik"

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Böhmermann nicht türkischen Foltergefängnissen übergeben, sondern nur festgestellt, was selbstverständlich sein sollte, argumentiert Nuhr. Juristische Entscheidungen seien Sache der Justiz, nicht der Politik.

"Hier gibt es nichts zu jammern. Wir leben ja nicht in einer Bananenrepublik, in der man Gesetze nach Geschmack anwenden oder ignorieren kann", schreibt Nuhr weiter.

Der Begriff "Ziegenficker", den Böhmermann in seinem Erdogan-Gedicht verwendet, sei zudem "auch rassistisch, ein bisschen nazimäßig, ein unter Ultrarechten übliches Schimpfwort für Menschen aus dem islamischen Kulturbereich, dass auch in rechten Kameradschaften gut angekommen sein dürfte."

Nuhr vergleicht Böhmermann mit Judenhassern und Holocaustleugnern

Böhmermann hatte in seiner TV-Show den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verbal angegriffen, um nach eigenen Worten den Unterschied von erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik zu zeigen.

Satire dürfe aber nicht alles, schreibt Nuhr. Er gehe davon aus, dass der Moderator mit der Argumentation juristisch durchkomme, "auf der Metaebene der Metaebene der Kunst" tätig gewesen zu sein.

"Dann werden vielleicht bald auch die Judenhasser, Holocaustleugner und Hassprediger Gedichte schreiben und behaupten, das Ganze sei ja nur Satire."

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