POLITIK
20/04/2016 06:15 CEST | Aktualisiert 20/04/2016 14:04 CEST

Eine Umfrage zur AfD zeigt, was wirklich schief läuft in Deutschland

German Chancellor and Christian Democratic Union (CDU) leader Angela Merkel attends a news conference at CDU party headquarters in Berlin, Germany March 14, 2016.   REUTERS/Fabrizio Bensch
Fabrizio Bensch / Reuters
German Chancellor and Christian Democratic Union (CDU) leader Angela Merkel attends a news conference at CDU party headquarters in Berlin, Germany March 14, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat ein überraschendes Ergebnis. Die Botschaft ist sehr deutlich.

Der Umfrage zufolge ist der Anteil der Deutschen, die in der AfD eine ernstzunehmende Alternative sehen, weit geringer als gedacht.

Danach zweifeln 68 Prozent der Deutschen daran, dass die AfD eine normale demokratische Partei ist. 2015 hatten 62 Prozent der Befragten solche Bedenken. Und trotzdem feiert die AfD Umfragerekorde. Wie kann das sein? Die gleiche Umfrage zeigt, dass die Partei für die meisten vor allem eine Funktion erfüllt: Ihre Beliebtheit ist ein Denkzettel für Merkel.

AfD als Protestnote und Denkzettel

Wie Renate Köcher, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts, in einem Gastbeitrag erklärt, wertete fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) den Erfolg der AfD in erster Linie als wichtige Protestnote und Denkzettel an die etablierten Parteien in der Frage der Flüchtlingspolitik.

Der Kreis der Wähler, der selbst mit der AfD sympathisiert, ist unter den Befragten mit 11 Prozent wesentlich kleiner.

Eine Mehrheit ist ohne Anwalt im Parlament

"Die im Bundestag vertretenen Parteien reagierten auf die Flüchtlingswelle mit großer Übereinstimmung, gleichzeitig wurde dieser Kurs von der Mehrheit der Bürger zu keinem Zeitpunkt unterstützt", schreibt Köcher in der "FAZ".

In einer bedeutenden Frage sei damit eine Kluft zwischen weiten Teilen der Bevölkerung und den etablierten Parteien entstanden. "Die Besorgnis der Mehrheit hatte im Parlament keinen Anwalt", urteilt die Meinungsforscherin.

Rückhalt für Merkel ist wieder gewachsen

Durch die rückläufige Zahl der Flüchtlinge bilde sich nun aber auch die Beunruhigung der Bürger langsam zurück - ebenso wie die Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Während sich Anfang 2016 noch 65 Prozent der Deutschen gegen die Haltung Merkels stellten, ist die Zahl der Kritiker auf 51 Prozent geschrumpft.

Das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei wird dagegen überwiegend mit Skepsis gesehen. Nach der aktuellen Umfrage bewerten lediglich 15 Prozent den Deal positiv, 49 Prozent bewerten ihn kritisch, die Übrigen trauen sich jetzt noch kein Urteil zu.

Niedergang etablierter Parteien - ein Fehlschluss

Köcher zufolge ist derzeit noch offen, wie sich die Chancen der etablierten Parteien entwickeln. Wer aus der aktuellen Schwächung der Volksparteien einen langfristig unaufhaltsamen Niedergang ableite, sollte zwei Bundestagswahlen zurückblicken, erinnert die Meinungsforscherin: "2009 erreichten CDU/CSU und SPD zusammen nur 56,8 Prozent. Dies entspricht fast genau der aktuellen Situation."

(ben)

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