POLITIK
20/04/2016 04:03 CEST | Aktualisiert 20/04/2016 06:00 CEST

Deshalb möchte Obama die Wahrheit über 9/11 geheim halten

Der Moment, in dem ein entführtes Flugzeug am 11.September 2001 im World Trade Center einschlägt
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Der Moment, in dem ein entführtes Flugzeug am 11.September 2001 im World Trade Center einschlägt

  • Ein Geheimdokument soll eine Verwicklung Saudi-Arabiens in die Anschläge vom 11. September 2001 zeigen

  • Nun werden Forderungen laut, den Inhalt zu veröffentlichen

  • Doch der US-Präsident möchte das Papier weiter geheim halten

Ein geheimes Dokument zu den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 bringt den amerikanischen Präsidenten in Bedrängnis. Denn das Papier soll eine tiefe Verwicklung Saudi-Arabiens in die Anschläge aufzeigen - und dort ist der Präsident gerade auf Staatsbesuch. Obama will dessen Inhalt nicht veröffentlichen.

Das Geheimpapier, um das es geht, nennen die Amerikaner schlicht "28 pages" - 28 Seiten. Es handelt sich dabei um ein Dossier, das der damalige US-Präsident George W. Bush vom FBI und anderen Behörden anfertigen ließ.

Saudi-Arabien soll die Terroristen unterstützt haben

Das Dokument soll zeigen, welche Personen in den USA die Entführer der Anschläge vom 11. September 2001 unterstützt haben. Seit 13 Jahren das Papier wird in Washington unter Verschluss gehalten und darf nur von einer Handvoll auserwählter Personen eingesehen werden – unter strenger Bewachung und ohne die Möglichkeit, Notizen zu machen.

Das Papier soll belegen, dass die Attentäter von Saudi-Arabien unterstützt wurden. Bob Graham, demokratischer Ex-Senator und damals Mitglied einer Kommission, war einer der wenigen, die es lesen durften. 13 Jahre lang schwieg er wie alle anderen auch, die Einsicht hatten. Doch in einem Interview mit dem TV-Sender CBS hat er nun sein Schweigen gebrochen.

In den USA werden Forderungen nach einer Veröffentlichung lauter

Der Bericht beschreibt ein Netzwerk von Personen, die die Entführer direkt in den USA bei den Anschlägen unterstützt haben könnten. Das sagte Graham Steve Kroft, dem Moderator der legendären CBS-Sendung "60 minutes".

Auf die Nachfrage des Moderators, ob er glaube, die Unterstützer kämen alle aus Saudi-Arabien, antwortete Graham: "Im Wesentlichen". Als Kroft nachhakte, ob er damit zum Beispiel die saudische Regierung meine, wohlhabende Leute und Wohlfahrtsgesellschaften, bestätigte Graham: "All die gerade genannten".

In den USA werden Forderungen immer lauter, das Papier der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gleichzeitig beobachten amerikanische Medien eine hartnäckige Lobbyarbeit der Obama-Administration unter den Kongressabgeordneten - mit dem Ziel, die Freigabe der Papiere zu verhindern.

Obama fürchtet die Reaktion Saudi-Arabiens

Als Grund führte das Weiße Haus an, dass die Regierung bei einer möglichen Anklage Nachteile, Vergeltung und Restriktionen gegen Behörden und Bürger der USA im Ausland befürchtet, berichtet die "New York Times". Auch die Rolle des arabischen Landes im Kampf gegen den IS dürfte von Bedeutung sein.

Bei den Angehörigen der Opfer wächst die Wut auf Obama, der die Veröffentlichung trotzdem verhindern will. Auch die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand hat das Papier gelesen und fordert dessen Veröffentlichung. Sie sagte, die Angehörigen der Opfer würden es verdienen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump macht es inzwischen zum Gegenstand seiner Wahlkampagne gegen die Demokraten.

Obama wird heute in Saudi-Arabien erwartet. Er trifft dort König Salman und wird später an einem Gipfeltreffen teilnehmen. In der Hauptstadt Riad wird es vor allem um den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) gehen, außerdem um die komplizierte Lage im gesamten Nahen Osten.

Saudi-Arabien und die USA sind enge Verbündete, aber das Verhältnis ist schwierig. Einer der Gründe ist das Atomabkommen, das die USA mit dem Iran geschlossen haben. Der Iran und Saudi-Arabien ringen um die Vorherrschaft in der Region.

Die brenzlige Situation will Obama daher nicht noch weiter anheizen. Die Chancen, dass die Wahrheit über 9/11 ans Licht kommt, sind daher gering.

(ben)

Mit Material der DPA

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