POLITIK
19/04/2016 09:57 CEST | Aktualisiert 19/04/2016 11:53 CEST

Treffen von Orban und Kohl: "Wir unterstützen Merkel!"

Treffen von Orban und Kohl: "Wir unterstützen Merkel!"
dpa
Treffen von Orban und Kohl: "Wir unterstützen Merkel!"

  • Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat sich mit Altkanzler Helmut Kohl getroffen

  • Orban sehe sich "Seite an Seite mit Berlin", erklärte er anlässlich des Gesprächs überraschend

  • Es gebe keine Alternative zu Europa, ließ er sich zitieren

Das Treffen zwischen dem ungarischen Ministerpräsident Viktor Orban und Altkanzler Helmut Kohl war kurz. Keine Stunde sprachen die beiden Polit-Größen. Umso überraschender ist das, was von dem Gespräch nun nach außen dringt: Ein Ja zu Europa – und ein freundlicher Gruß an Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der Orban sich "Seite an Seite“ sieht.

Viktor Orban besuchte Kohl in seinem Privathaus in Ludwigshafen. Bei seiner Ankunft hatte er einen Blumenstraß dabei. Außerdem soll er seinem Vertrauten ein Exemplar der ungarischen Ausgabe von Helmut Kohls Buch "Aus Sorge um Europa“ mitgebracht haben, das dort frisch erscheint.

Orban: "Seite an Seite mit Berlin"

Der "Bild“-Zeitung sagte Viktor Orban anlässlich des Treffens: "Ungarn und ich, als sein Ministerpräsident, sehen sich Seite an Seite mit Berlin und unterstützen Angela Merkel mit weiteren Anregungen, wie unserem Aktionsplan, bei der Bewältigung der aktuellen europäischen Herausforderungen.“ Er wolle Merkel daher seine "besten Wünsche“ übermitteln.

Die beiden Politiker bestanden darauf zu betonen, dass es zum politisch geeinten Europa keine Alternativen gäbe. Es stelle sich nicht die Frage ob Europa und seine Mitgliedstaaten in der Flüchtlingskrise helfen wollten -sondern wie.

Ungarischer Ministerpräsident stellt 10-Punkte-Plan vor

Orban sagte der "Bild“: "Es dürfen keine rechtsfreien Räume in unseren Gesellschaften entstehen, die der Radikalisierung Vorschub leisten.“

Daher soll der ungarische Premier, der als wenig kompromissbereiter Hardliner in der Flüchtlingspolitik gilt, Helmut Kohl seinen 10-Punkte-Plan für eine Erneuerung der Schengen-Regelung vorgestellt haben, den er in die europäische Diskussion einbringen wolle.

Deutschland und Ungarn hätten "eine große gemeinsame Geschichte". Mit Kohl verbinde Orban "die gemeinsame Überzeugung, dass die Bedeutung christlich-jüdischer Werte in der Europäischen Union unverrückbar ist sowie die Einhaltung unserer europäischen Gesetze".

Zum Abschied zeigte sich auch Kohl noch einmal den wenigen Fotografen, die trotz massiver Polizeipräsenz nah genug an das Anwesen des Altkanzlers herangekommen waren.

Treffen verstanden viele als Merkel-Kritik

Im Vorfeld war das Treffen als klarer Affront gegen Angela Merkel und ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik interpretiert worden. "Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", hatte Kohl im Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs "Aus Sorge um Europa" geschrieben.

Orban war in der Vergangenheit immer wieder als Zuwanderungsgegner aufgetreten – schottete Ungarn mit einem Grenzzaun ab.

Nun sollen die Zeichen also auf Versöhnung stehen. Es fällt schwer zu glauben.

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