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19/04/2016 17:35 CEST | Aktualisiert 20/04/2016 03:46 CEST

Von wegen Selbstmord: Wurde der Peiniger von Natascha Kampusch in Wahrheit brutal ermordet?

Luca Teuchmann

  • Neues gerichtsmedizinisches Gutachten zieht Selbstmord des Kampusch-Entführers in Zweifel

  • Der Bruder des verstorbenen Kampusch-Ermittlers hat bereits im Februar Anzeige erstattet

Als der Vorfall ans Licht kam, sorgte er weltweit für Entsetzen: Im August 2006 hatte es Natascha Kampusch geschafft, sich aus ihrer achtjährigen Gefangenschaft zu befreien. Ihr Peiniger Wolfgang Priklopil hatte sie als Zehnjährige entführt und in einen Keller gesperrt. Während dieser Jahre war das Mädchen geschlagen und missbraucht worden.

Priklopil konnte für seine grauenvollen Taten nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Am Abend von Natascha Kampuschs Flucht warf er sich vor einen Zug nahe der Haltestelle Wien Nord und starb – das war zumindest bisher die Erkenntnis der österreichischen Ermittler.

Wurde der Kampusch-Entführer umgebracht?

Bereits seit längerem waren Zweifel an dieser Version laut geworden. Wie verschiedene Medien berichten, hatte Karl Kröll, der Bruder des verstorbenen Leiter der Sonderkommission des Falles, Franz Kröll, bereits im Februar Anzeige wegen Mordverdachts gegen Unbekannt eingereicht.

Wurde Wolfgang Priklopil am Ende nicht von einem Zug erfasst, sondern von unbekannten Dritten ermordet und dann erst auf die Gleise gelegt? Für Franz Kröll war der Fall Zeit seines Lebens mit dem angeblichen Suizid Priklopils nicht abgeschlossen. Er war auch nie überzeugt davon, Priklopil sei ein Einzeltäter gewesen. Im Juni 2010 wurde Franz Kröll tot in seiner Wohnung Graz gefunden – Selbstmord.

Rechtsmedizinisches Gutachten von 2006 weitgehend wertlos

Seither kämpft sein Bruder Karl Kröll für die Aufklärung des Falls. Einem Bericht zufolge könnte nun ein Gutachten zweier Rechtsmediziner zur Aufklärung des Falles beitragen. Denn im Jahre 2006 habe es nicht einmal ein durchschnittliches rechtsmedizinisches Gutachten gegeben.

Es könne sein, dass wesentliche Befunde vernichtet worden seien. Der damals zuständige Rechtsmediziner habe versäumt, zwischen Selbst- und Fremdtötung zu differenzieren, sagten die Rechtsmediziner Johann Missliwetz und Martin Grassberger.

Zudem seien entscheidende Punkte missachtet worden, die für eine umfassende rechtsmedizinische Untersuchung sprechen würden. Es wurde außerdem kein technisches Gutachten verfasst, dass die Verletzungen mit der Fahrzeugfront abgleicht.

Bisher wurden diejenigen, die Zweifel am Ausgang der Ermittlungen des Kampusch-Falles äußerten, als Verschwörungstheoretiker verschrien. Das könnte sich bald ändern.

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