POLITIK
19/04/2016 08:47 CEST | Aktualisiert 19/04/2016 11:53 CEST

Hier verrät ein Experte die Wahrheit über das Treffen zwischen Kohl und Orbán

Hier verrät ein Experte die Wahrheit über das Verhältnis von Kohl zu Orbán
Michael Probst/AP
Hier verrät ein Experte die Wahrheit über das Verhältnis von Kohl zu Orbán

  • Deutschland spekuliert über das Treffen von Altkanzler Helmut Kohl und Ungarns Staatschef Viktor Orbán

  • In den Reihen der CDU wird der Empfang als Geste unter langjährigen Vertrauten heruntergespielt

  • Ein ungarischer Insider verrät jetzt, wie Orban den Altkanzler benutzen will, um für seinen Kurs zu werben

Eigentlich ist Altkanzler Helmut Kohl schwer krank. Lange war er aus der Öffentlichkeit verschwunden. Umso reger wurde daher darüber spekuliert, was es mit dem heutigen Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim auf sich hat.

Kohl verbrüdert sich mit Merkel-Kritik

Klar ist: Beide verbrüderten sich kürzlich als Kritiker der Flüchtlingspolitik Angela Merkels. "Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", schreibt Kohl im Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs "Aus Sorge um Europa" - und schießt scharf gegen Merkels Flüchtlingspolitik.

In dem Buch bezeichnet der Altkanzler den ungarischen Staatschef, der als Europas schärfster Merkel-Kritikern gilt, als "meinen Freund".

Ehemaliger Diplomat verrät wahre Absichten Orbans

Zwar betont die ungarische Regierung, das heutige Treffen in Oggersheim soll kein Affront gegen die deutsche Flüchtlingspolitik sein.

Doch der ehemalige ungarische Botschafter Gergely Pröhle sieht das etwas anderes. Wie der ehemalige Spitzendiplomat im Interview mit dem "RBB" erklärt, sei die Stimmung in der CDU in der Flüchtlingsfrage, ähnlich wie in der deutschen Gesellschaft, gespalten. Die ungarische Haltung und die Haltung Viktor Orbans könne hier "konstruktiv" zur Lösung beitragen, ist Pröhle überzeugt.

"Es gibt Stimmen in der CDU, die sich ein bisschen weniger Merkel und ein bisschen mehr Orban wünschen, um das Gleichgewicht innerhalb der Partei wieder zu erlangen", sagt Pröhle dem "RBB".

Kohl gilt Orban als "politischer Ziehvater" - der Spieß könnte sich umdrehen

Kohl gilt Orbán als "politischer Ziehvater". Wie aus der Einschätzung des ehemaligen Diplomaten hervorgeht, könnte der ungarische Staatschef den Spieß jetzt umdrehen - um mit Hilfe des Altkanzlers die Merkel-Gegner innerhalb der Union zu mobilisieren.

Pröhle drückt es diplomatisch aus: Ungarn sei an einer europäischen Lösung interessiert, wenn auch die Ansichten von Orban und Merkel in der Flüchtlingsfrage anders sind. Die Haltung des ungarischen Regierungschefs könne jedoch auch für Deutschland "konstruktiv" sein - vor allem wenn der Altkanzler das sagt.

Orban, der Mustereuropäer

"Ich glaube, wenn Helmut Kohl sagt, dass die ungarische Position und erst recht der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban durchaus im Sinne des europäische Werte-Katalogs Politik macht, dann nehmen alle zur Kenntnis, dass dies keine unsolidarische und anti-europäische Haltung ist."

Kohl könne viel dabei helfen, dass die ungarische Position in Deutschland besser verstanden werde, erläutert der ehemalige ungarische Botschafter in Deutschland. Somit ist klar: Das Treffen zwischen Kohl und Orban ist nicht nur ein Treffen zweier alter Freunde. Sondern eine Begegnung mit klaren politischen Absichten Ungarns und Staatschef Viktor Orban, der Merkels Flüchtlingskurs einst als "moralischen Imperialismus" bezeichnet hat.

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