POLITIK
19/04/2016 09:38 CEST | Aktualisiert 19/04/2016 09:46 CEST

Diskriminierung: Jeder Dritte wird benachteiligt - und an einem Ort ganz besonders

Diskriminierung kommt häufig im Job vor
Caiaimage/Agnieszka Wozniak via Getty Images
Diskriminierung kommt häufig im Job vor

  • In der Arbeit erleben die meisten das Problem.

  • Bessere Gesetze werden gefordert.

Gleichberechtigung ist ein immer wieder gesetztes Ziel in Deutschland. Doch Fakt ist: Fast jeder Dritte in Deutschland hat in den letzten zwei Jahren Diskriminierung erlebt - besonders häufig wegen des Alters oder des Geschlechts.

Das geht aus einer wissenschaftlichen Erhebung hervor, die am Dienstag von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorgestellt wurde. 31,4 Prozent gaben demnach an, benachteiligt worden zu sein.

Das sind die Gründe für Diskriminierung

"Diskriminierung ist alles andere als ein Nischenthema", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Die Gründe für eine Benachteiligung sind verschieden. Das zeigen die Angaben der Befragten zum Grund ihrer Benachteiligung:

  • wegen des Alters: 14,8 Prozent
  • wegen des Geschlechts: 9,2 Prozent
  • aufgrund von Religion oder Weltanschauung: 8,8 Prozent
  • wegen der ethnischen Herkunft: 8,4 Prozent
  • aufgrund ihrer Behinderung: 7,9 Prozent
  • wegen der sexuellen Orientierung: 2,4 Prozent.

Am Arbeitsplatz findet häufig Benachteiligung statt

Diskriminierungen im Arbeitsleben erfolgen demnach vergleichsweise häufig aufgrund des Lebensalters sowie des Geschlechts. Wegen ihrer sexuellen Orientierung oder aus rassistischen Gründen werden Menschen hingegen überdurchschnittlich häufig in der Öffentlichkeit und im Freizeitbereich diskriminiert, etwa auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Sportvereinen.

Rund sechs von zehn Betroffenen (59,6 Prozent) haben auf die Diskriminierung reagiert, etwa indem sie versuchten, öffentlich darauf aufmerksam zu machen oder Beratungsangebote zu nutzen.

"Die Menschen sind nicht gewillt, Diskriminierung einfach zu erdulden", sagte Lüders. Sie brauchten aber mehr Unterstützung.

Gesetzlicher Schutz muss verbessert werden

Deshalb müsse der gesetzliche Diskriminierungsschutz verbessert werden, etwa durch ein eigenes Klagerecht für Verbände sowie für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

"Es muss endlich möglich sein, Betroffene vor Gericht effektiv zu unterstützen – wie es in vielen anderen europäischen Ländern längst möglich ist."

Die Diskriminierungs-Befragung basiert auf zwei Säulen: In einer repräsentativen Umfrage des Bielefelder Forschungsinstituts SOKO Institut für Sozialforschung und Kommunikation wurden rund 1000 Personen ab 14 Jahren bundesweit telefonisch befragt.

Überdies konnten in einer schriftlichen Betroffenenbefragung alle in Deutschland lebenden Menschen ab 14 Jahren über selbst erlebte oder beobachtete Diskriminierungserfahrungen berichten. Mehr als 18.000 Personen haben sich beteiligt und knapp 17.000 selbst erlebte Diskriminierungssituationen beschrieben.

Die Umfrage wurde gemeinsam mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Berliner Humboldt-Universität durchgeführt. Die Betroffenenbefragung ist damit die größte, die es bislang in Deutschland zu diesem Thema gegeben hat.

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