POLITIK
19/04/2016 13:03 CEST | Aktualisiert 28/04/2016 10:30 CEST

Drogen-Hölle: In dieser deutschen Stadt ist die Zahl der Crystal-Babies zuletzt stark gestiegen

In dieser deutschen Stadt ist die Zahl der Crystal-Babys um 1000 Prozent gestiegen
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In dieser deutschen Stadt ist die Zahl der Crystal-Babys um 1000 Prozent gestiegen

  • Die Folgen des zunehmenden Crystal-Konsums sind erschütternd

  • Immer mehr Babys in Sachsen kommen mit zu kleinen Köpfen oder zu früh zur Welt

  • In manchen Teilen Sachsens hat sich die Zahl der durch Crystal geschädigter Föten verzehnfacht

Ihr Kopf ist zu klein, sie sind unruhig, manche bekommen Krampfzustände. Immer mehr Neugeborene kommen in Deutschland als Kinder von Junkies auf die Welt: Sie sind schon im Kreißsaal auf Crystal Meth.

In Sachsen floriert der Handel der Billig-Droge über die tschechische Grenze seit Jahren. Nun ist dort auch die Zahl der durch Crystal geschädigter Föten und Neugeborenen drastisch gestiegen, erklärt Jürgen Dinger, Kinderarzt im Dresdner Uni-Klinikum, dem Nachrichtenportal "N24".

"Im Regierungsbezirk Chemnitz wurde ein Anstieg um knapp 400 Prozent registriert, der Regierungsbezirk Leipzig liegt bei 800 Prozent und der Regierungsbezirk Dresden schießt mit 1000 Prozent den Vogel ab", beschreibt Dinger die Auswirkungen der Drogenabhängigkeit in der Schwangerschaft. Pro Jahr wurden zwischen 160 und 180 Fälle registriert. Das scheint ersteinmal nicht viel.

Die Dunkelziffer könnte weit höher sein

Aber die Zahlen beziehen sich nur auf die nachgewiesenen Fälle, die Dunkelziffer könnte weit höher sein. Denn oft erkennen die Mediziner Crystal-abhängige Mütter erst im Kreißsaal: "Wenn die richtig auf Droge sind, ist die Kooperation null", beschreibt der Arzt die Probleme, wenn Mütter sich kurz vor der Geburt mit der Droge betäuben - und damit auch ihr Kind.

Die Neugeborgenen seien "unruhig und zappelig", zu klein, zu leicht, oft kommen sie mit zu kleinen Köpfen zur Welt. Die Frauen hätten unter Drogen eine geringere Schmerz- und Frustrationstoleranz, was zu Aggressivität führe, berichtet der Kinderarzt. Im Extremfall müsse unter Vollnarkose mit Kaiserschnitt entbunden werden.

Sachsen ist Deutschlands Crystal-Hochburg

Für die Ärzte ist es schwierig, Crystal-kranke Mütter frühzeitig zu erkennen, um medizinische Vorsorge treffen zu können. Drogentests sind nur möglich, wenn die Mütter ihr Einverständnis geben. "Dass man Crystal-Kranke gleich am Äußeren erkennt, wie es in der Öffentlichkeit häufig geglaubt wird, stimmt so nicht", mahnt Dingers Kollegin Katharina Nitzsche, Frauenärztin am Uni-Klinikum.

Sachsen gilt deutschlandweit als Hochburg des billig herzustellenden Methamphetamins. So war die Zahl der Konsumenten, die sich wegen Crystal im Freistaat hilfesuchend an Beratungsstellen wenden, nach Angaben der Landesstelle gegen die Suchtgefahren im vergangenen Jahr mit knapp 5000 vier Mal höher als im Bundesdurchschnitt.

Kinder haben höheres Suchtrisiko

Unklar ist noch, ob Kinder Crystal-abhängiger Mütter, wie im Fall Heroin-abhängiger Frauen mit einem Entzugssyndrom zur Welt kommen. "Crystal Meth beeinflusst die Rezeptoren im zentralen Nervensystem und löst die Sucht aus", erklärt Kinderarzt Jürgen Dinger.

Von den Erwachsenen wisse man, dass dieser Prozess nicht umkehrbar ist. Deshalb hätten auch die Kinder ein höheres Risiko, später selbst süchtig zu werden. "Der Körper verlangt einfach danach, weil die Rezeptoren bereits im Mutterleib entsprechend eingestellt wurden."

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