WIRTSCHAFT
18/04/2016 10:01 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 10:30 CEST

Pflege-Betrug: Mit diesem teuflischen Angebot ködert die Russen-Mafia die Angehörigen

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Pflege-Betrug: Mit diesem teuflischen Angebot ködert die Russen-Mafia die Angehörigen

  • Einige Pflegedienste locken Angehörige von Schwerkranken mit einem makaberen Angebot

  • Nach Informationen des BKAs werden Krankenkassen so um Milliardenbeträge geprellt

  • Für viele Patienten endete das bereits tödlich

Sie machen Angehörigen von Komapatienten oder Bettlägerigen ein teuflisches Angebot. Was wäre, wenn die häusliche Pflege des Patienten rein gar nichts kosten würde - im Gegenteil - sogar Geld für die Verwandten abwürfe?

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" und des Rechercheteams des Bayerischen Rundfunks (BR Recherche) ist dieses makabere Geschäftsmodell Alltag in der deutschen Pflegebranche: Dahinter steckt ein groß angelegter Milliardenbetrug, vorwiegend initiiert durch russische Pflegedienste im "Geschäftsfeld russisch-eurasischer Organisierter Kriminalität".

Beute wird mit den Angehörigen geteilt

Das geht aus mehreren internen Papieren des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, die dem Recherche-Team vorliegen. Demnach ködern dubiose Pflegedienste Angehörige mit dem Angebot, die Patienten nicht mit der Vollzeitpflege zu versorgen, wie mit der Krankenkasse vereinbart.

Stattdessen setzten sie billige Hilfskräfte nur zwei bis drei Mal am Tag ein, rechnen das aber bei den Kassen als Rund-um -die-Uhr-Versorgung durch eine ausgebildete Pflegekraft ab. Den Familien der Patienten bieten die Pflege-Betrüger einen Teil des so erschlichenen Gewinnes an.

"Lukrativer als Drogenhandel"

Die gesetzlichen Kassen vermuten, dass sie auf diese Weise pro Jahr um eine bis 1,25 Milliarden Euro geprellt werden: Die Gewinnspannen liegen bei 50 Prozent.

"Dieses Geschäft ist mittlerweile offenbar lukrativer als Drogenhandel – und damit interessant für Banden, die der organisierten Kriminalität zuzuordnen sind", sagt ein hochrangiger Korruptionsbekämpfer der Kassen im Interview mit der "Welt".

Kontakte werden über Kirchengemeinden geknüpft

Wer sich auf die Deals der Pflege-Mafia einlässt, spielt mit dem Leben der Angehörigen: Bundesweit gab es bereits mehrere Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in derartigen Fällen.

Bei Stellen der religiösen Seelsorge schleichen sich die Betrüger an mögliche Kunden heran. Meist sind es Netzwerke der Kirchengemeinden, über die sich Firmen Kontakte mit den Familien von Schwerkranken knüpfen, geht aus den Untersuchungsakten des BKAs hervor.

Spuren führen zur Russen-Mafia

Die Ermittler deckten dabei Verbindungen zur organisierten Kriminalität russischer Mafia-Banden auf. Aus einem internem Bericht mit dem Vermerk "nicht pressefrei" zitiert die "Welt": "Das Phänomen tritt insbesondere dort auf, wo sich durch Sprachgruppen geschlossene soziale Systeme bilden, also vorwiegend in Regionen mit einem hohen Bevölkerungsanteil an russischsprachigen oder -stämmigen Personen."

So kam es häufig vor, dass Familien den Pflegediensten Vollmachten für die Patienten ausstellten und auch Vermittlungshonorare an Ärzte flossen.

Pflegedienst zur Geldwäsche für Autoschieberei

In vielen Fällen sind Pflegedienste eine Geldwaschanlage für Kapital aus Drogengeschäften oder Autoschieberei. Eine Spur habe die Ermittler dabei zu der mächtigen russischen Mafia-Bande "Dieben im Gesetz" geführt, zitiert die "Welt" aus den Akten.

Die Organisation ist seit Jahrzehnten auch im Ausland aktiv und hat einen strengen Kodex: Stillschweigen gegenüber staatlichen Organen ist eine ihrer obersten Gebote.

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