POLITIK
18/04/2016 03:36 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 08:59 CEST

Radikalisierung in deutschen Dörfern: Fremdenfeindlichkeit auf dem Land nimmt zu

Radikalisierung in deutschen Dörfern: Fremdenfeindlichkeit auf dem Land nimmt zu
dpa
Radikalisierung in deutschen Dörfern: Fremdenfeindlichkeit auf dem Land nimmt zu

Besonders in ländlichen Gegenden Deutschlands beobachten Experten eine gefährliche Entwicklung. Sie sollte uns eine Warnung sein. Denn noch ist sie vielleicht aufzuhalten.

Radikalisierung: Ein Wort, das Assoziationen weckt. Insbesondere mit dem islamistischen Extremisten-Milieu.

Doch eine andere – ebenfalls bedrohliche - Art der Radikalisierung ist derzeit in Deutschland im Gange. Fremdenfeindlichkeit wird gesellschaftstauglich: Vor allem in ländlichen Gebieten.

Besonders hier häuften sich die fremdenfeindlichen Straftaten, erklärte der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), Robert Heimberger gegenüber der Deutschen Presseagentur.

"Radikalisierung in allen Bereichen"

"Wir stellen in allen Bereichen eine Radikalisierung fest - auch in Bereichen, die bisher überhaupt nicht auffällig waren", sagte Heimberger. Die Taten reichten von Schmierereien bis hin zu Molotowcocktails auf geplante Asylbewerberunterkünfte. Gerade hier tappten die Ermittler oft im Dunkeln. Die Aufklärungsquote liege nur etwa bei etwa 15 Prozent.

Die Spurenlage sei oft dünn. Die Ansätze für die Ermittlungen beschränkten sich etwa auf Farbe, wie es sie in jedem Baumarkt gebe. Und die Täter seien teilweise Menschen, die vorher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen seien. "Letztlich haben wir keine Beziehung von Tatobjekt und Täter. Hier tun wir uns sehr schwer."

Straftaten von Rechts und Links mehren sich

Die Zahl der Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte hat sich im vergangenen Jahr laut Verfassungsschutzbericht mit mehr als 60 Taten in Bayern fast verdreifacht. Die Zahl rechtsextremer Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20 Prozent auf fast 3000; die Zahl rechtsextremer Gewalttaten kletterte von 66 auf 91.

Zugleich gab es auch mehr linksextremistische Gewalttaten, die Zahl stieg von 50 auf 122. Heimberger sagte, er sehe darin auch eine Reaktion auf die rechten Taten.

Heimberger sieht ebenso wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Versuche islamistischer Gruppierungen, in Asylbewerberunterkünften neue Anhänger anzuwerben. Die Ermittler seien angesichts der gestiegenen Terrorgefahr in Alarmbereitschaft. "Wir gehen jedem noch so kleinen Hinweis nach."

Für eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit sei keine eigene europäische Polizei nach dem Vorbild des FBI nötig, wie manche bereits forderten. "Wir brauchen keine neue Monsterbehörde." Heimberger plädierte aber für einen besseren Zugriff auf polizeiliche Akten anderer Länder.

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bp