POLITIK
19/04/2016 01:39 CEST | Aktualisiert 19/04/2016 02:30 CEST

Gegen ihren größten Feind ist die CDU machtlos - er ist keine Partei

Die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel
Fabrizio Bensch / Reuters
Die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel

  • Nach den Schlappen bei den Landtagswahlen will sich die CDU modernisieren

  • Größtes Problem: Zwischen zwei Bundestagswahlen sterben etwa eine Million Stammwähler

  • Die Partei will daher auf einen Kurs der Mitte setzten

Nach den Wahlschlappen bei den Landtagswahlen will die CDU sich neu erfinden. Dafür hatte die Parteiführung den Meinungsforscher Matthias Jung ins Konrad-Adenauer-Haus eingeladen. Sein Vortrag hielt für die versammelten Fraktionsvorsitzenden und Abgeordneten einigen Überraschungen bereit.

Nach Ansicht von Jung geht die größte Gefahr für die CDU nicht von einer gegnerischen Partei aus. Nicht wegen der Grünen, der AfD oder der SPD müsse man sich sorgen machen - sondern wegen des Todes. Die CDU stirbt aus - im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Million Stammwähler zwischen den Bundestagswahlen

Zwischen jeder Bundestagswahl würden eine Million Stammwähler der Partei sterben, sagte Jung nach Angaben der "Welt". Um dies auszugleichen, müsse die Partei als im Umkehrschluss eine Million Stimmen den anderen Parteien abnehmen.

Jung plädierte aber für einen Modernisierungskurs der Partei, um mehr junge Wähler zu gewinne. Denn die deutsche Gesellschaft denke viel progressiver als die CDU-Parteimitglieder.

"Er hat uns geraten, nicht den CDU-Stammtisch mit der Basis zu verwechseln", sagte ein Präsidiumsmitglied der "Welt". Ein weiteres Mitglied sagte der Tageszeitung: "Unsere Parteimitglieder leben demnach in einer Parallelgesellschaft".

Jung präsentierte in der Sondersitzung Zahlen zu Wählerwanderungen, der aktuellen politischen Stimmung sowie zu den Kompetenzen der Parteien. Dabei sei erneut deutlich geworden, dass die AfD neben Nichtwählern Stimmen von CDU, SPD, Linken sowie Splitterparteien eingesammelt habe.

Für die CDU sei die Erkenntnis besonders wichtig, dass man nicht nur von der AfD, sondern - besonders stark in Baden-Württemberg - von den Grünen "angeknabbert" worden sei. Daraus folgte die Konsequenz, nach wie vor hauptsächlich auf die politische Mitte zu setzen.

"Falsche Analyse ist die Grundlage für die nächste Wahlschlappe"

Die Parteiführung wird diesen Empfehlungen folgen. "Der Platz der CDU ist und bleibt in der Mitte", sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Montag nach Sitzungen der Führungsgremien der Partei in Berlin.

Die CSU reagierte mit Kritik auf die Wahlanalyse der Schwesterpartei. "Eine falsche Analyse ist die Grundlage für die nächste Wahlschlappe", warnte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer im "Münchner Merkur". "Unsere Wähler brauchen klare Orientierung und keine Beliebigkeit."

Scheuer riet der CDU, sich stärker an der CSU zu orientieren. "Wir gewinnen neue Zielgruppen, genauso wie wir unsere Stammklientel bewahren. Man muss nur immer aufpassen, dass man nicht von der falschen Seite lauten Applaus bekommt und dagegen die eigenen Leute vergrault."

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn setzte einen eigenen Akzent. Zwar sei die CDU die Partei der Mitte.

"Aber es ist auch unsere gesellschaftliche Aufgabe, nach rechts zu integrieren", ohne der AfD hinterherzurennen.

Unbestritten sei, dass das Flüchtlingsthema "ziemlichen Einfluss auf das Ergebnis der Landtagswahlen hatte. Ohne diese Frage wären sie anders ausgegangen."

Mit Material der DPA

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