POLITIK
18/04/2016 06:45 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 07:44 CEST

Amnesty mahnt EU: Flüchtlinge sind "in der Falle"

Die griechische Polizei steht vor einer großen Gruppe verzweifelter Flüchtlinge Mitte April
Stoyan Nenov / Reuters
Die griechische Polizei steht vor einer großen Gruppe verzweifelter Flüchtlinge Mitte April

  • Amnesty International ruft zu EU-Flüchtlingshilfen auf.

  • Schließung der Balkanroute ist das Problem.

  • Es droht eine humanitäre Katastrophe.

Amnesty International hat die europäischen Staaten aufgerufen, sich um das Schicksal von 46.000 in Griechenland gestrandeten Flüchtlingen zu kümmern.

Seit der Schließung der Balkanroute säßen die Flüchtlinge unter unwürdigen Bedingungen auf dem griechischen Festland "in der Falle", teilte die Menschenrechtsorganisation in London mit.

Amnesty International: Flüchtlinge leben unter furchtbaren Bedingungen

"Die Entscheidung, die westliche Balkanroute zu schließen, hinterlässt 46.000 Flüchtlinge und Migranten in furchtbaren Bedingungen und in einem Zustand permanenter Angst und Unsicherheit", sagte John Dalhuisen von Amnesty in einer Erklärung. Die EU-Staaten hätten die Flüchtlingskrise damit nur verschärft.

Sollten die Europäer bei der Umsiedlung der Asylsuchenden keine entschlossene Hilfe leisten, drohe eine humanitäre Katastrophe.

Menschrechtlern: Türkei reagiert mit scharfer Munition

Doch nicht nur Europa steht bei der aktuellen Flüchtlingskrise in der Kritik von Menschenrechtlern. Human Rights Watch warf vergangene Woche den türkischen Grenzsoldaten vor, auf Zivilisten zu schießen, die im Nachbarland Zuflucht vor dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nördlich der syrischen Stadt Aleppo suchen wollten. Mindestens 30.000 Vertriebene seien demnach zur erneuten Flucht gezwungen worden.

"Während Zivilisten vor IS-Kämpfern fliehen, reagiert die Türkei mit scharfer Munition statt mit Mitgefühl." Die Regierung in Ankara wolle damit ihre Forderung nach der Schaffung von "Schutzzonen" für Flüchtlinge auf der syrischen Seite der Grenze durchsetzen.

Flüchtlinge sollen nach Syrien zurück gezwungen werden

HRW berichtete unter Berufung auf internationale Helfer und auf Vorsteher von Flüchtlingslagern bei Asas nahe der türkischen Grenze, aus zehn Camps seien mindestens die Hälfte der Bewohner vor dem IS-Vormarsch geflogen. Sie hätten in anderen Lagern an der Grenze und in der nahegelegenen Stadt Asas Zuflucht gesucht. Drei Lager mit einst 24.000 Schutzsuchenden seien inzwischen verwaist.

HRW warf der Türkei auch vor, Flüchtlinge an der Grenze gewaltsam nach Syrien zurück gezwungen zu haben. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der Türkei in der Vergangenheit vorgeworfen, Flüchtlinge zurück nach Syrien zu schicken.

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