POLITIK
17/04/2016 23:27 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 06:28 CEST

Wladimir Putin hat gerade die schlimmste Nachricht des Jahres erhalten

  • Gespräche zur Begrenzung der Ölfördermengen in Katar sind gescheitert

  • Der Ölpreis wird daher weiterhin niedrig bleiben

  • Gerade Russland wird dies hart treffen

Autofahrer können sich freuen - der Ölpreis wird vorerst wohl so niedrig bleiben, wie er ist. Doch für den russischen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin ist es eine Horror-Nachricht.

Bei einem Treffen am Sonntag in Doha konnten sich die Förderländer nicht auf eine Begrenzung einigen. Das teilte Katars Energieminister Mohamed bin Saleh mit.

Besonders Russland bedauerte das Scheitern der Öl-Gespräche: "Wir haben nicht die Erwartungen erfüllt, die der Prozess vor diesem Treffen geweckt hatte", sagte Energieminister Alexander Nowak nach der Konferenz im Golfemirat Katar am Sonntagabend.

Scheitern der Gespräche wird Russland hart treffen

Grund dafür sei gewesen, dass einige Länder kurz vor Beginn des Treffens gefordert hätten, dass alle Staaten der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) das geplante Einfrieren der Fördermengen unterstützen, sagte Nowak nach Angaben russischer Agenturen. Damit habe er nicht gerechnet.

Und wie um die russischen Ängste zu bestätigen, sackte der Ölpreis am Montagmorgen ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete im frühen Handel 41,22 Dollar und damit 1,88 Dollar oder 4,36 Prozent weniger als am Freitag. In den ersten Handelsminuten war der Brent-Preis sogar um knapp sieben Prozent gesunken.

Eigentlich wollten wichtige Opec-Mitglieder wie Saudi-Arabien und Nicht-Opec-Staaten wie Russland verabreden, die Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren, um dem Preisverfall auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken. Das Opec-Mitglied Iran will diese Regelung nicht mittragen und nahm nicht an dem Treffen in Doha teil.

Gerade Russland wird das Scheitern der Gespräche hart treffen. Russland ist einer der größten Ölproduzenten der Welt. Wegen des Preisverfalls hat der Rubel zum Dollar massiv an Wert verloren.

Wladimir Putin musste sogar den Verteidigungshaushalt kürzen

Öl macht mehr als die Hälfte der russischen Exporte aus. Wegen des geringen Preises musste Putin mehrmals seinen Staatshaushalt kürzen. Zuletzt musste sogar der Verteidigungshaushalt eingeschränkt werden.

Nach Angaben des nigerianischen Ölministers werde es ein erneutes Treffen wahrscheinlich im Juni geben. Russland sei bereit zu einem neuen Anlauf für Gespräche, sagte Nowak. Zunächst liege der Ball aber im Feld der Opec, untereinander eine Einigung zu erreichen, forderte er.

Es war zunächst unklar, ob die verfehlte Einigung mit der Absage des Irans an eine mögliche Deckelung zu tun hat.

Teheran hatte zuvor mitgeteilt, bei den Plänen der mächtigen Fördernationen Saudi-Arabien und Russland nicht mitmachen zu wollen: "Da wir einen Plan fürs Einfrieren nicht unterzeichnen wollen, gibt es auch keine Notwendigkeit, jemanden vor Ort in Doha zu haben", sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Shana.

Der Iran will seine Fördermenge erhöhen

Der Iran werde seine Produktion auf 4 Millionen Barrel am Tag - und damit auf den Level vor den im Januar aufgehobenen Sanktionen - wie geplant erhöhen, so der Minister.

Wegen der Haltung Teherans hatten Analysten ein Scheitern der Gespräche nicht ausgeschlossen. Riad, bestimmendes Opec-Mitglied, befürchtet, dass sein Erzfeind Iran aus der eigenen Zurückhaltung Kapital schlagen und der Ölindustrie des Königreichs damit schaden könnte.

Die Ölpreise waren von Mitte 2014 bis Ende 2015 wegen eines Überangebotes um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Zwischenzeitlich erholten sie sich wieder leicht. Das Scheitern der Gespräche dürfte dem Ölpreis einen weiteren Schlag versetzen.

Die Ölschwemme war unter anderem deswegen entstanden, weil führende Förderer wie Saudi-Arabien im Zuge wachsender Konkurrenz - zum Beispiel durch die von US-Firmen eingesetzte Fördertechnik Fracking - ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion halten wollten.

Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl. Den Förderländern aber rissen sie riesige Löcher in die Haushaltskassen.

Mit Material der DPA

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