POLITIK
17/04/2016 13:31 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 04:07 CEST

"Teufelspakt": Peter Sloterdijk kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik

  • Peter Sloterdijk kritisiert Angela Merkels Flüchtlingspolitik

  • Der Flüchtlingsdeal zwischen Deutschland und der Türkei sei ein "Teufelspakt"

In einem Interview mit dem Schweizer "Tagesanzeiger" übt der Philosoph Peter Sloterdijk scharfe Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Deutsche und Österreicher, "wie auch die übrigen Europäer, konnten von den Ereignissen nicht überrascht gewesen sein“, meint der Philosoph. Die dramatischen Zustände in Syrien hätten sich über Jahrzehnte aufgebaut.

Dass Deutschland erst zu lange weggeschaut - und am Ende allein zu viel getan habe, in dem es sich überrollen ließ, habe Konsequenzen.

Erdogan, der "Unterteufel", macht die Drecksarbeit

Nun sei Merkel "einen Teufelspakt eingegangen, indem sie die hässlichsten Arbeiten an einen osteuropäischen Unterteufel delegierte".

Sloterdijk meint damit den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und den Deal der EU mit der Türkei. Er sieht vor, dass die Türkei unter bestimmten Bedingungen Flüchtlinge zurücknimmt, die illegal nach Griechenland übergesetzt haben.

Dass Merkel sich darauf eingelassen hat, kreiden ihr viele als Scheinheiligkeit an. Denn nun soll die Türkei jenen Schutz der Grenzen betreiben, den die EU allein nicht schafft und den Merkel auf nationaler Ebene strikt ablehnt.

Auch an Erdogan übt Sloterdijk scharfe Kritik: „Offenbar findet man bei Männern dieses Typs die nötige Grobheit, um die europäischen Sensibilitäten zu schonen.“

Sloterdijk: Merkel wollte ihr Gesicht wahren

Dass es so weit kommt, hatte Sloterdijk in einem früheren Interview mit "Cicero" bereits vorhergesagt: Angela Merkel werde zurückrudern und zugleich versuchen, ihr Gesicht zu wahren, erinnert er sich.

Die gescheiterte Figur der AfD

Für die Alternative für Deutschland (AfD), die nach Ansicht vieler von der Wut der Bevölkerung in der Flüchtlingskrise profitiert hat, findet der Philosoph ebenfalls klare Worte: „In der Führung der Partei bemerkt man nicht wenige gescheiterte Figuren, die vor dem Gerichtsvollzieher in die Politik geflohen sind.“

Dass die Gesellschaft so viele Verlierer produziert, sei ein „Nebeneffekt der Demokratie“. Gleichzeitig seien die Aufstiegschancen in den vergangenen Jahrhunderten enorm gewachsen. "Wenn es zahllose Chancen gibt und man hat keine nutzen können, dann ist das Verlierergefühl umso bitterer", stellt Sloterdijk fest.

Gäbe es diese Aufstiegschancen allerdings nicht, hätte das wohl schwerwiegende Konsequenzen. Denn dann wäre Angela Merkel auch nicht Bundeskanzlerin, sondern wohl "Haushaltshilfe auf einem Pfarrhof".

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(sk)