POLITIK
17/04/2016 05:43 CEST | Aktualisiert 17/04/2016 05:48 CEST

80.000 Fälle von Benzinklau - trotz sinkender Spritpreise

Benzinklau ist ein Problem.
Huffpost/Wochit
Benzinklau ist ein Problem.

  • 80.000 Fälle von Benzinklau im vergangenen Jahr registriert

  • BKA stellt Kriminal-Statistik im Mai vor

Benzinklau gehört an den rund 15.000 deutschen Tankstellen zum täglichen Geschäft. An den rund 15 000 deutschen Tankstellen gehört Benzinklau zum Alltag. 2015 wurden laut bundesweiter Polizeilicher Kriminalstatistik knapp 80 000 Fälle von "Tankbetrug" registriert, wie die "Welt am Sonntag" berichtet.

m Vergleich zum Vorjahr ist demnach die Zahl um 7,8 Prozent zurückgegangen, was Experten mit günstigeren Benzinpreisen begründen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will die Statistik im Mai vorstellen.

„Das Niveau bei diesem Delikt bleibt auf einem hohen Niveau. Aber deren Zahl geht nach unten, weil die Spritpreise gesunken sind“, sagte Jürgen Ziegner, Geschäftsführer vom Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG), der „Welt am Sonntag“. Das Delikt wird seit 2010 in der Kriminalstatistik gesondert erfasst.

„Die Dunkelziffer liegt nach unserer Einschätzung etwa drei Mal so hoch wie die offiziell festgestellte Zahl“, sagte Karl-Heinz Saischek, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche (BTG). Er ist selbst Pächter eines Betriebes, den er mit 13 Videokameras schützen lässt. Aber das schreckt kaum ab. „Die Diebe agieren zunehmend dreister. Immer öfter verwenden sie gestohlene Kennzeichen. Weil sie wissen, wie gering ihr Entdeckungsrisiko ist, grinsen manche beim Gratistanken noch freundlich in die Kameras.“

Spritdiebe müssen die Justiz kaum fürchten. Die Staatsanwaltschaften stellen die Verfahren häufig wegen der geringen Schadensumme ein - im Schnitt liegt sie bei 50 bis 100 Euro pro Fall. Im Wissen darum werden die Diebe immer dreister. Der Bundesverband BTG fordert daher ein härteres Vorgehen der Justiz. „Die Tankstellenbranche würde es sehr begrüßen, wenn die Staatsanwaltschaften und Gerichte konsequent gegen die Täter vorgehen würden“, sagte der Verbandsvorsitzende Joachim Jäckel der „Welt am Sonntag“. Man habe jedoch den Eindruck, dass der Tankbetrug von den Strafverfolgungsbehörden häufig als „Kavaliersdelikt“ angesehen werde.

Hochburg des Benzinklaus ist im Städtevergleich Berlin mit 5830 Fällen (minus 16,8 Prozent). Die Aufklärungsquote verbesserte sich dort leicht auf 22,2 Prozent. Schwerpunkte sind neben der Hauptstadt auch Frankfurt am Main, Hamburg und Köln. Die Spritdiebe suchen die Anonymität der Großstädte. Den Gesamtschaden, den sie in der Bundesrepublik verursachen, schätzen Experten auf 30 Millionen Euro pro Jahr. Begleichen müssen ihn laut „Welt am Sonntag“ alle Autofahrer. Denn die Mineralölkonzerne kalkulieren die „Ausfälle“ in die Preise ein.