POLITIK
18/04/2016 00:18 CEST | Aktualisiert 18/04/2016 11:09 CEST

Kalkofe rechnet mit der Kanzlerin ab: "Verrat an unseren Werten"

  • In einem Youtube-Video kritisiert Oliver Kalkofe die Haltung der Kanzlerin im Böhmermann-Skandal

  • Er nennt ihre Entscheidung zu einer Ermächtigung zur Strafverfolgung einen "Tritt in die Eier der Satirefreiheit"

Die Entscheidung Angela Merkels, einer Strafverfolgung des Komikers Jan Böhmermann zuzustimmen, hat kollektives Kopfschütteln ausgelöst. Der Entertainer Oliver Kalkofe befürchtet, dass die Bundeskanzlerin schlicht den Witz nicht verstanden haben könnte.

In einem auf Youtube veröffentlichten Kommentar von Tele5 erklärt er das "Schmähgedicht" und kritisiert die darauf folgenden Entscheidung Merkels.

Kalkofe beklagt, sowohl Erdogan als auch Merkel die Vielschichtigkeit von Böhmermanns Beitrag nicht verstanden hätten.

"Dem Despoten den verbalen Mittelfinger entgegenstrecken"

Nicht das Gedicht sei die Satire gewesen - schließlich habe sich Böhmermann selbst davon distanziert. Es sei so offensichtlich so plump und pubertär gewesen, dass niemand dies als Beispiel für Böhmermanns Humor sehen könne.

Erst der Kontext - Böhmermanns Versuch, zu erklären, was in Deutschland verboten und was erlaubt sei - habe das Gedicht zur Satire gemacht. Das sei natürliche eine bewusste Provokation gewesen.

Böhmermann hatte einem "tobenden Despoten den verbalen Mittelfinger entgegenstrecken" und sagen wollen: "Hör gut zu Wichtel, wir leben in einem Land in dem Humor noch nicht verboten ist und wenn man es geschickt anstellt, kann man dich noch viel mehr ärgern".

Dazu passend: Böhmermann Skandal - wenn das Recht auf Satire getötet wird

"Blöd nur, dass dieses Spiel mit der Metaebene für viele zu hoch angesetzt war", bedauerte Kalkofe. Erst die Reaktion des ZDF und der Kanzlerin, die einer möglichen Empörung Erdogans zuvorkommen wollten, hätten die folgenden Ereignisse ins Rollen gebracht.

Nie zuvor hat ein Staatsoberhaupt ungefragt Humorkritik abgeliefert"

"Noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein Staatsoberhaupt ungefragt und unaufgefordert ein Stück Humorkritik abgeliefert. Wozu auch?", so Kalkofe.

Merkels Entscheidung, der Strafverfolgung gegen Böhmermann zuzustimmen, habe signalisiert, dass in Deutschland die Satirefreiheit dort endet, "wo der Adressat den Witz nicht verstanden hat".

"Diese Entscheidung wird vermutlich als mutloses Einknicken und Verrat an der Werten unseres Landes stehen bleiben." Kalkofe befürchte, dass die Rechten dies für ihre Zwecke ausnutzen werden.

"Gewaltiger Tritt in die Eier der Satirefreiheit, die unsere Regierung damit nicht bewiesen hat."

Wenn es nicht so traurig wäre, könne man fast darüber lachen, schließt Kalkofe.

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