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16/04/2016 08:12 CEST | Aktualisiert 16/04/2016 08:52 CEST

"Entgleisung": Lafontaine lästert über Linken-Chefin Kipping

Oskar Lafontaine schiesst gegen Linken-Chefin Katja Kipping
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Oskar Lafontaine schiesst gegen Linken-Chefin Katja Kipping

  • Ex-Linkenboss Oskar Lafontaine findet klare Worte für Linken-Parteichefin Katja Kippling

  • Mit ihrem Vergleich der Linken mit der AfD habe sie "schlechten Stil" gezeigt

  • Auch die Flüchtlingspolitik seiner Partei kritisiert der ehemalige Parteichef scharf

Der ehemalige Linksparteichef Oskar Lafontaine hat seine Partei und deren Führung scharf angegriffen. "Es ist schlechter Stil, wenn man Parteifreunde in die Nähe der AfD rückt", sagte Lafontaine dem "Spiegel" mit Blick auf Äußerungen von Parteichefin Katja Kipping. "Das war eine Entgleisung."

Kipping hatte davor gewarnt, dass sich die Linke zu einer "AfD light" entwickeln könnte, eine Anspielung auf Forderungen nach einer restriktiveren Flüchtlingspolitik durch Lafontaine und dessen Ehefrau Sahra Wagenknecht.

Kritik auch an Ex-Fraktionschef Gregor Gysi

Im Gespräch mit dem "Spiegel" warf Lafontaine der Linken vor, dass sie "die sozialen Fragen, die mit der Aufnahme so vieler Flüchtlinge verbunden sind", nicht ausreichend beantworte.

Die Forderung nach "offenen Grenzen für alle" im Parteiprogramm der Linken sei "eine Formulierung, die vertretbar war, solange wir die Flüchtlingsströme nicht hatten". Es gebe aber für alles "Ausgabenobergrenzen", so Lafontaine: "Daher kann eine Partei, die ernst genommen werden will, nicht sagen: Aber für die Aufnahme von Flüchtlingen nicht."

Lafontaine forderte den ehemaligen Fraktionschef Gregor Gysi auf, sich mit seiner Rolle in der zweiten Reihe abzufinden. "Es wäre gut, wenn Gregor Gysi damit klarkäme, dass er nicht mehr in der ersten Reihe sitzt", sagte Lafontaine dem "Spiegel". "Er ist wichtig, aber er muss seine eigene Entscheidung, den Fraktionsvorsitz abzugeben, auch akzeptieren."

Gysi hatte vor Kurzem wieder eine wichtigere Rolle in der Linken-Fraktion gefordert. Unter anderem schwebt ihm vor, dass er im Bundestag auf Regierungserklärungen erwidern darf, was üblicherweise den Oppositionsführern vorbehalten ist.

Auch Thüringens Ministerpräsident hatte vergangene Woche den internen Streit weiter angefacht.Bodo Ramelow (Linke) Er plädierte als Reaktion auf die Wahlerfolge und hohen Umfragewerte der AfD für Kurskorrekturen seiner Partei.

"Wir müssen endlich die Ängste der Menschen ernst nehmen und uns mit ihnen auseinandersetzen statt sie zu bekämpfen", sagte er der "Thüringer Allgemeinen". Bisher sei das nicht ausreichend der Fall.

Er erkenne kein Profil, das deutlich mache, das sei die Linke. Er sehe nur viele Konzepte und spüre die Wahrnehmung, die Linke gehöre nun auch zum Establishment.

"Inhaltlich klarer positionieren"

"Das hat damit zu tun, dass wir als Partei in der Normalität angekommen sind und zum Beispiel einen Ministerpräsidenten stellen." Er würde sich freuen, wenn sich seine Partei inhaltlich klar positionierte, sagte der Linke-Politiker.

"Sich nur als Opposition gegen alle anderen zu definieren, reicht nicht. Das macht schon die AfD." Ramelow äußerte sich kritisch zu Vertretern seiner Partei, die versuchten, "die Tonlage der AfD zu imitieren".

"Durch schrille Beschreibungen lösen wir keine Probleme"

Dabei griff er auch Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht an. "Rassismus den Nährboden zu entziehen, heißt Fremdenfeindlichkeit ernst zu nehmen und für Zuwanderungskonzepte zu werben", sagte er dazu. "Nicht durch das noch schrillere Beschreiben lösen wir die Probleme, sondern durch gelingende Integration."

Wagenknecht hatte zuletzt in ihrer Partei für heftige Irritationen gesorgt. So erklärte sie, die Linke habe sich zu sehr für den Flüchtlingskurs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) "mitverhaften lassen".

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