POLITIK
16/04/2016 10:51 CEST | Aktualisiert 16/04/2016 14:15 CEST

Helmut Kohl: "Europa kann nicht zur Heimat von Millionen Flüchtlingen werden"

  • Altkanzler Helmut Kohl sieht die Lösung für die Flüchtlingskrise außerhalb Europas

  • Er sieht die EU in einer "Zerreißprobe"

Altkanzler Helmut Kohl hat kurz vor seinem Treffen mit dem umstrittenen ungarischen Regierungschef Viktor Orbán die Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge in Europa kritisiert.

"Die Lösung liegt in den betroffenen Regionen. Sie liegt nicht in Europa. Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", schreibt Kohl im Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs "Aus Sorge um Europa". Ein Auszug daraus wurde vom "Tagesspiegel" veröffentlicht.

"Flüchtlinge kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen"

Kohl mahnt, neben humanitären Aspekten müsse Europa auch "wohlbegründete kulturelle und sicherheitspolitische Interessen berücksichtigen".

So kämen viele Flüchtlinge aus unterschiedlichen Kulturkreisen. "Sie folgen zu einem wesentlichen Teil auch einem anderen als dem jüdisch-christlichen Glauben, der zu den Grundlagen unserer Werte- und Gesellschaftsordnung gehört."

"Unser Frieden und unsere Freiheit sind existenziell gefährdet"

Dem Bericht nach kritisiert Kohl "einsame Entscheidungen" in der Flüchtlingspolitik. Das muss als deutliche Kritik an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verstanden werden.

Merkel hatte die deutsche Asylpolitik kaum mit anderen EU-Ländern abgestimmt. Einerseits führte das zu einer politischen Isolation Deutschlands in dieser Frage, andererseits zu massivem Unmut in der EU.

Der CDU-Politiker sieht die EU laut "Tagesspiegel" nun in einer Zerreißprobe, denn durch den "Rückfall in altes, nationalstaatliches Denken" würden "unser Frieden und unsere Freiheit existenziell gefährdet".

Den Regierungen der EU-Staaten empfiehlt der 86-Jährige "mehr Miteinander statt Gegeneinander, mehr Vertrauen als Misstrauen, mehr Verlässlichkeit und Berechenbarkeit im Umgang miteinander".

"Mein Freund Orbán"

Der Altkanzler (1982-1998) empfängt den rechtskonservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, den er in dem Buch als "meinen Freund" bezeichnet, am Dienstag in seinem Haus in Ludwigshafen.

Orbán gilt in Sachen Flüchtlingspolitik als schärfster Kritiker von Kanzlerin Merkel. Er warf Merkel unter anderem vor, dass Ungarn die deutsche Politik ausbaden müsse. „Das ist so, als würde es in Deutschland regnen und wir müssten einen Regenschirm aufmachen."

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