POLITIK
15/04/2016 04:37 CEST | Aktualisiert 15/04/2016 14:57 CEST

"Nuit Debout": 4 Dinge, die ihr über Frankreichs neue Protestbewegung wissen müsst

French labour union workers and students attend a demonstration against the labour law proposal in Paris, France, April 9, 2016. The banner reads "Hollande, are you sleeping?", "Nuit Debout" (Rise up at Night).  REUTERS/Charles Platiau
Charles Platiau / Reuters
French labour union workers and students attend a demonstration against the labour law proposal in Paris, France, April 9, 2016. The banner reads "Hollande, are you sleeping?", "Nuit Debout" (Rise up at Night). REUTERS/Charles Platiau

Am Rande der französische Protestbewegung "Nuit Debout" ist es am Donnerstagabend in Paris zu Ausschreitungen gekommen.

Seit gut eineinhalb Wochen drängen sich Nacht für Nacht Hunderte Menschen auf diesem symbolträchtigen Ort im Herzen der französischen Hauptstadt.

Wie die Pariser Polizei in der Nacht zum Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, marschierte eine Gruppe von etwa 300 Demonstranten vom Platz der Republik, wo gegen soziale Ungerechtigkeit protestiert wird, los.

Krawallmacher, die in dieser Gruppe waren, hätten zahlreiche Sachbeschädigungen begangen. Es seien Scheiben von Geschäften und Bushaltestellen eingeschlagen worden.

1. Was passiert gerade in Paris?

Unter dem Motto "Nuit Debout" demonstrieren seit dem 31. März Nacht für Nacht Menschen auf dem Platz der Republik, diskutieren, feiern und demonstrieren. Das Motto - Nacht im Stehen - ist auch als Appell zu verstehen, aufzustehen gegen Missstände im Land. Wohin die spontane Protestbewegung führt, das ist die große Frage dieser Tage in Frankreich.

2. Worum geht es bei den Protesten?

Am Anfang standen die Proteste von Schülern und Studenten gegen die Arbeitsmarktreform der sozialistischen Regierung. Französische Medien ziehen Parallelen zu den Protestbewegungen Occupy Wall Street in New York und den Indignados in Madrid, die als Reaktion auf soziale Ungleichheit, Bankenspekulationen oder den Sparkurs der spanischen Regierung entstanden waren.

Es gibt keine Charta, kein Parteiprogramm und keine Anführer. Man möchte sich keine politische Ausrichtung geben, auch wenn die Medien die Bewegung häufig als links deklarieren. Überall äußert sich eine tiefsitzende Unzufriedenheit, sogar Wut auf das politische System Frankreichs.

Es ist zum Teil auch der Aufschrei einer Generation, die sich ihrer Zukunftschancen beraubt sieht im Land von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", in dem die Jugendarbeitslosigkeit bei fast 25 Prozent liegt. "Hier sind viele Studenten und Schüler, die von den Schulen kommen und keine Arbeit bekommen. Die Leute sehen einer Zukunft entgegen, die nicht existiert", klagt Camille.

3. Wie reagiert die Regierung?

Die etablierte Politik tut sich bislang schwer, auf die Bewegung zu reagieren, die inzwischen auch in anderen Städten Frankreichs Nachahmer gefunden hat. Die sozialistische Umweltministerin Ségolène Royal betont, dass die "wohlwollenden Jugendlichen" gehört werden müssten. Und Premierminister Manuel Valls empfängt am Montag demonstrativ die Jugendorganisationen, die gegen die Reform des Arbeitsrechts kämpfen - und verspricht Maßnahmen gegen die Jugend-Arbeitslosigkeit.

Der konservative Ex-Premierminister François Fillon zeigt sich dagegen nach einzelnen Zusammenstößen am Rande der Proteste "tief schockiert", dass die Proteste trotz des Ausnahmezustands geduldet werden, der seit den Terroranschlägen vom November gilt.

4. Wie werden sich die Proteste weiter entwickeln?

Was aus dem bunten Protest auf dem Platz der Republik wird, ist unklar - kommen sie genauso stark zurück? Welche Auswirkung werden sie auf Dauer haben?

Der Politik-Wissenschaftler Gaël Brustier zieht bei Europe 1 auch eine Parallele zur globalisierungskritischen Bewegung: "Es gibt dieselbe unterschwellige Frage: Kann man die Welt verändern, ohne an die Macht zu kommen?"

Mit Material der DPA

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