POLITIK
15/04/2016 04:03 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 11:56 CEST

"Maybrit Illner": Kalkofe versucht, Erdogan-Lobbyisten Satire zu erklären - und scheitert

Der Komiker Oliver Kalkofe bei "Maybrit Illner"
ZDF
Der Komiker Oliver Kalkofe bei "Maybrit Illner"

  • Bei "Maybrit Illner" war der Böhmermann-Skandal Thema

  • Komiker Kalkofe versuchte, einem Erdogan-Anhänger Satire zu erklären

  • CSU-Mann Scheuer sagte, Erdogan zeige, warum die Türkei nicht in die EU gehört

Die Türkei entlastet Europa in der Flüchtlingskrise - und der Kontinent muss dafür Rabatte bei Presse- und Meinungsfreiheit geben. "Merkels Türkei-Deal - kuschen vor Erdoğan?" lautete das Thema bei Maybrit Illners Sendung zu Satire-Skandal.

Die Sendung war nicht nur unterhaltend, sondern auch erhellend: Sie beleuchtete einen Aspekt des Böhmermann-Skandals, der bisher nur selten erwähnt wurde. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Würde, die in Deutschland und der Türkei herrschen.

"Ein Staatsoberhaupt sollte Wichtigeres zu tun haben"

Oliver Kalkofe versucht gleich am Anfang, dem Erdogan-Lobbyisten Satire zu erklären. Bereits vor der Sendung hatte sich der Komiker mit einem Plädoyer auf Facebook an Böhmermanns Seite gestellt.

"Man muss die gesamte Geschichte sehen", sagte Kalkofe. "Nicht das Gedicht ist Satire, sondern das Aufzeigen, dass wir uns nicht vorschreiben lassen, was wir wie zu sagen haben." Dazu habe es diese satirische Provokation gebraucht.

"Ein Staatsoberhaupt sollte Wichtigeres zu tun haben, als sich über einen falsch verstandenen Witz aufzuregen", so Kalkofe. Man solle nicht "aus einem Furz einen Tsunami machen“.

"Das gesamte türkische Volk wurde rassistisch angegangen"

Kalkofes Worte schienen bei Bülent Biligi, dem Generalsekretär der Erdogan-Lobby "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" (UETD) nicht richtig anzukommen.

"Ich habe mich gekränkt gefühlt, und das gesamte türkische Volk wurde rassistisch angegangen." Kalkofe mache sich wohl nichts aus Ehre - und damit hatte er Recht.

Einen Punktsieg konnte er doch landen, als er Europas Haltung in der Flüchtlingskrise ins Spiel brachte. "Die europäischen Werte anpreisen und sagen, wir sind doch so toll – aber wenn es um Aufnahmebereitschaft geht, bringt man keine Leistung!" Touché!

"Wir ertragen ja auch Erdogans Wahlkampfauftritte"

Die deutsch-türkische Journalistin Özlem Topçu versuchte, die kulturellen Differenzen zwischen Biligi und Kalkofe einzuordnen. "Autorität ist noch tief in der politischen Kultur der Türkei verwurzelt", erklärte sie.

"Der Ehrbegriff ist dort noch ein großes Thema. Wenn man jemand Hochrangiges beleidigt, wird es als Schwäche ausgelegt, wenn der sich nicht wehrt." In Deutschland wäre es ein Zeichen von Souveränität, sich über eine Beleidigung nicht aufzuregen - in der Türkei gilt es als Schwäche.

"Maybrit Illner" in der Mediathek anschauen: Merkels Türkei-Deal. Kuschen vor Erdoğan?

Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer legte Erdogan etwas mehr Ausgeglichenheit nahe. "Wir ertragen ja auch die Wahlkampfauftritte von Herrn Erdogan in Deutschland!", sagte er.

Scheuer brachte die politische Dimension wieder zurück in die Diskussion. Er wies darauf hin, dass das Abkommen keines zwischen Merkel und Erdogan sei, sondern eines zwischen der Europäischen Union und der Türkei. In wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten müsse man miteinander sprechen - aber Erdogan zeige deutlich, dass er die Grundwerte Europas nicht teile.

"Für die CSU ist klar: Es kann keine Vollmitgliedschaft der Türkei geben", so Scheuer.

Eine sehr schöne Spitze gelang ihm, als der Bilgi das Grundgesetz aus der Tasche zog, um Erdogans Ehre zu verteidigen: "Die Würde des Menschen ist unantastbar", zitierte der Türke.

Scheuer gab zurück: "Sind Sie sicher, dass das deutsche Grundgesetz auch in der Türkei gilt?" Das saß.

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