POLITIK
14/04/2016 06:26 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 12:58 CEST

Revolte beim ZDF: Sender-Mitarbeiter wollen Böhmermanns Erdogan-Gedicht wieder online stellen

dpa

  • Mitarbeiter des ZDF wollen Böhmermann-Satire wieder in die Mediathek stellen

  • In einem Brief wenden sie sich an den eigenen Sender

  • Das Böhmermann-Gedicht nennen sie ein "Dokument der Zeitgeschichte"

Die Satire-Affäre um Jan Böhmermann zieht immer weitere Kreise: Jetzt protestieren offenbar ZDF-Mitarbeiter gegen den eigenen Sender. Nach Informationen von "Spiegel Online" fordert der Redakteursausschuss des ZDF, die aus dem Netz gelöschte Satire wieder in die Mediathek zu stellen.

"Wir würden es begrüßen, wenn die 'Schmähkritik' vom Giftschrank wieder in die Mediathek gestellt wird. Als Dokument der Zeitgeschichte", zitiert das Online-Portal aus einem Brief, den das Gremium über die Hauspost in allen Büros der ZDF-Zentrale am Lerchenberg in Mainz verteilen ließ.

"Verunsicherung bei den Programmmachern"

Personen der Zeitgeschichte müssten sich bitterböse Satire auch gefallen lassen, zitiert "Spiegel Online" weiter aus dem Brief. Der Sender habe zweifelsohne einen großartigen Erfolg errungen: "Eine ZDF-Sendung bewegt Regierungschefs und ersetzt ein juristisches Proseminar. Programmauftrag erfüllt".

Der Fall Böhmermann habe zu Verunsicherung bei den Programmmachern geführt, heißt es weiter. Über die Qualitätsstandards, gegen die Böhmermanns Gedicht verstoßen habe und die Frage, wie weit Satire im ZDFgehen dürfe, wünschten sich die Redaktionsvertreter deshalb eine Diskussion mit den "Verantwortlichen des Hauses."

"Diese Entscheidung wird getroffen"

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass sie in der Affäre um das Schmähkritik-Gedicht auf jeden Fall eine Entscheidung treffen wolle. "Die Bundesregierung drückt sich nicht um eine Entscheidung über die Reaktion auf die türkische Verbalnote", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

"Diese Entscheidung wird getroffen." Wann, sagte er nicht. Aus Regierungskreisen verlautete, es könne noch diese Woche sein.

Der türkische Botschafter hatte beim Auswärtigen Amt verlangt, dass der Satiriker strafrechtlich verfolgt wird, weil er ein vulgäres Gedicht über Staatschef Recep Tayyip Erdogan verfasst hat.

Schauspieler solidarisieren sich mit Böhmermann

Die SPD schlägt vor, aus dem Strafgesetzbuch eine Sonderregelung für die Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter zu streichen, nach der die Regierung nun zur Entscheidung aufgerufen ist. Das Bundesjustizministerium legte dar, Gesetzesänderungen seien immer möglich. Und wenn innerhalb eines Strafverfahrens eine Norm geändert werde, gelte zum Zeitpunkt der Entscheidung das mildeste Gesetz.

Die Solidarität im In- und Ausland mit Böhmermann nimmt zu. Unter anderem fordern der Schauspieler Matthias Brandt, der Pianist Igor Levit und die Schauspielerin Katja Riemann in einem offenen Brief, die juristischen Ermittlungen gegen den Satiriker und Grimmepreisträger unverzüglich einzustellen. Das Schreiben veröffentlicht die Wochenzeitung "Die Zeit" am Donnerstag.

Der Moderator hatte vor zwei Wochen in seiner Sendung "Neo Magazine Royale" in einem Gedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan bewusst beleidigende Formulierungen benutzt. Er kündigte das Gedicht als Beispiel für herabwürdigende Schmähkritik an, die nicht erlaubt sei. Die Ausgabe der Show an diesem Donnerstag hat Böhmermann, der mittlerweile unter Polizeischutz steht, abgesagt.

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