POLITIK
14/04/2016 09:14 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 15:49 CEST

Wladimir Putin live in der Fragestunde: Er sagt, was er über Obama wirklich denkt

Der russische Präsident Wladimir Putin stellt sich im Staatsfernsehen den Fragen seiner Bürger
dpa
Der russische Präsident Wladimir Putin stellt sich im Staatsfernsehen den Fragen seiner Bürger

  • Russlands Präsident hat wie jedes Jahr einmal Fragen der Bürger beantwortet

  • Er kritisierte dabei die Ineffizienz der russischen Wirtschaft

  • Für das Krisenmanagement setzt Putin nun auf einen Regierungskritiker

Ein Mal im Jahr stellt sich der russische Präsident Wladimir Putin den Fragen seiner Bürger. Hunderttausende waren allein in den vergangenen Tagen eingegangen - per E-Mail, per Telefon und als Brief.

Nun spricht Putin direkt und live zu seinem Land - über Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Wir dokumentieren seine wichtigsten Aussagen:

15.33 Uhr - Fragestunde ist vorbei: Innerrussische Probleme sind wichtiges Thema

Nach drei Stunden und 39 Minuten ist die 14. Bürgersprechstunde von Putin zu Ende: Viele der Fragen drehten sich um die Wirtschaftskrise in Russland. Bürger beschwerten sich über die schlechter werdenden Lebensverhältnisse. So würden die Straßen im Land immer schlechter, klagte eine Bürgerin.

Darüber hinaus gab es aber auch Fragen von Kindern, die die Fragestunde aufgelockert haben. Ein Mädchen fragte zum Beispiel, ob auch Frauen Präsident werden dürfen. Denn sein Vater habe gesagt, nur Putin würde mit Amerika fertig werden.

Putin: Es gehe nicht darum, mit Amerika fertig zu werden. Vielmehr müsse man mit den eigenen inneren Problemen fertig werden. Und das schaffe vielleicht eine Frau eher als ein Mann. Darüber hat auch "Focus Online" berichtet.

Viele Anfragen an den russischen Präsidenten

Übrigens: Nach Angaben eines Reporters eines "Russia Today" gab es zeitweise 2500 Anrufe und 8000 SMS pro Minute:

Obama ist ein anständiger Mensch

Putin spricht auch über US-Präsident Barack Obama. Er ist ein anständiger Mensch", sagt er in der Sprechstunde laut "Focus Online". Hintergrund dafür sei: Obama habe eingestanden, dass die US-Intervention in Libyen der "schwerste Fehler" seiner Präsidentschaft war.

15.24 Uhr - Putin lässt offen, ob er in der nächsten Wahl wieder antreten wird

2018 wird in Russland wieder die Duma gewählt. Putin lässt offen, ob er wieder antreten wird. "Es sei noch zu früh", zitiert "Russia Beyond the Headlines" den amtierenden Präsidenten.

Zur Erinnerung: Putin war 1999 bis 2000 und von 2008 bis 2012 Ministerpräsident. Von 2000 bis 2008 war er bereits Präsident und hat das Amt seit 2012 wieder inne.

14.30 Uhr - Putin setzt in der Krise auf Regierungskritiker Kudrin

Russland leidet unter einer schweren Rezession. Putin will daher den regierungskritischen ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin stärker ins Krisenmanagement einbinden.

"Er wird aktiver im Expertenrat des Präsidenten mitarbeiten, vielleicht wird er auch einer der stellvertretenden Leiter des Rates", sagte der Russland-Chef. Vor allem der Absturz des Ölpreises und westliche Sanktionen machen der Wirtschaft der Rohstoffmacht Russland zu schaffen.

"Kudrin ist einer der seltenen nützlichen Experten", meinte der Kremlchef. Der 55-jährige Kudrin gilt als einer der profiliertesten Wirtschaftsexperten Russlands.

Zuletzt war er auch für einen Posten im Moskauer Forschungsinstitut CSR im Gespräch, das unter anderem strategische Studien für die Behörden erstellt. Kudrin hatte am Mittwoch eine Beteiligung nicht ausgeschlossen. Beobachter handeln den langjährigen Minister (2000 bis 2011) auch als möglichen Kandidaten für höhere politische Ämter.

14.01 Uhr - "Panama Papers": Details seien aus der Luft gegriffen

Der russische Präsident Wladimir Putin weist Vorwürfe im Zusammenhang mit den "Panama Papers" über Hunderttausende Offshore-Firmen als Provokation zurück. "Wir wissen, dass Mitarbeiter der amerikanischen Institutionen damit zu tun haben."

In den Dokumenten taucht auch der Name des Putin-Freundes Sergej Roldugin auf, eines bekannten Cellisten. Über dessen Offshore-Firmen sollen zwei Milliarden Dollar geflossen sein. Putins Name fällt in den Papieren jedoch nicht.

"Irgendwer von meinen Freunden macht irgendwelche Geschäfte", kommentierte Putin die "Panama Papers". Es tauche die Frage auf, ob Geld aus Offshore-Firmen irgendwelchen Beamten oder gar dem Präsidenten gehört.

Aber in den Berichten werde niemand konkret beschuldigt. Die Details seien aus der Luft gegriffen, sagte Putin. "Sie führen einfach in die Irre." Putin nahm auch seinen Freund Roldugin in Schutz. Dieser habe all sein Geld lediglich für kostbare Musikinstrumente für Russland ausgegeben, sagte Putin.

13.59 Uhr - Wäre Trump als US-Präsident ein Problem?

Auch die Präsidentschaftswahlen wurden in dem Gespräch thematisiert, berichten verschiedene User auf Twitter. Die Frage ist "Russia Beyond the Headlines" zufolge: "Wer ist schlechter für Russland, Clinton oder Trump?"

Er habe keinen Favoriten, sagte er der russische Präsident, aber er bevorzuge jemanden, der weniger außergewöhnlich ist.


13.47 Uhr - Türkei führt praktisch einen Bürgerkrieg, Russland kann da nicht darüber hinwegsehen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat der türkischen Regierung eine militärische Aggression gegen Kurden vorgeworfen. Ankara führe im Süden des Landes "praktisch einen Bürgerkrieg" mit Panzern und Artillerie, sagte er.

Die internationale Gemeinschaft schweige dazu. "Aber Russland kann darüber nicht hinwegsehen", sagte Putin bei der vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung in Moskau.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien Ende November extrem angespannt. Als eine Folge hatte Russland Charterflüge in das Reiseland Türkei eingestellt - ein schwerer Schlag für das bei Russen beliebte Urlaubsziel.

Im vergangenen Jahr besuchten rund fünf Millionen Russen die Türkei. Putin schloss eine baldige Wiederaufnahme der Flugverbindungen aus. "Auch wenn die Türkei um die Sicherheit der Touristen bemüht ist, bleibt ein Urlaub in der Türkei jetzt gefährlich", sagte er.

13.18 Uhr - Syrien braucht politische Lösung

Im Syrienkrieg hat der russische Präsident Wladimir Putin stärkere politische Bemühungen für den Frieden gefordert. Die Konfliktparteien müssten "sich an den Verhandlungstisch setzen, sich auf eine neue Verfassung einigen, auf dieser Basis vorgezogene Wahlen abhalten und so aus der Krise finden", sagte Putin. Am Mittwoch waren in der Schweiz Syrien-Friedensgespräche in eine neue Runde gegangen.

Der Kremlchef warnte in der live im Fernsehen übertragenen Show vor Spannungen rund um die syrische Großstadt Aleppo. Dort seien die sogenannte gemäßigte Opposition und die extremistische Al-Nusra-Front in Kämpfe verwickelt.

"Diese Gruppen auseinander zu halten, ist sehr schwierig", sagte er. Russland ist einer der engsten Verbündeten der syrischen Regierung und unterstützt diese militärisch. Beobachter befürchten eine Offensive der Regierungstruppen im Gebiet Aleppo.


13.05 Uhr - Putin zur Wirtschaft: Es werden viel zu oft Mittel verschwendet

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Bürger des Landes auf ein Andauern der Wirtschaftskrise eingestimmt. Die Regierung gehe davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,3 Prozent schrumpfe, sagte er am Donnerstag bei seiner traditionellen Bürgersprechstunde. Für 2017 gingen Experten jedoch von einem Wachstum vom 1,4 Prozent aus.

Der niedrige Ölpreis und die westlichen Sanktionen gegen Moskau im Ukraine-Konflikt machen Russlands Wirtschaft schwer zu schaffen. Vielen Russen klagen über Lohnkürzungen und Preiserhöhungen.

"Unsere Wirtschaft hat sich noch nicht erholt, aber der Trend ist positiv", meinte Putin bei der vom Staatsfernsehen übertragenen Veranstaltung in Moskau.

Insgesamt sei die Stimmung in der russischen Wirtschaft allerdings "grau". Putin räumte ein, dass sich die Struktur der oft noch sowjetisch geprägten russischen Wirtschaft ändern müsse. Noch viel zu oft würden Mittel verschwendet, kritisierte der Präsident.

Mit dpa-Material

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