POLITIK
14/04/2016 12:16 CEST | Aktualisiert 14/04/2016 13:21 CEST

Experte warnt: So unterwandert die AfD deutsche Universitäten

dpa
"Marsch durch die Institutionen" - Experte warnt: So unterwandert die AfD deutsche Universitäten

  • Experte warnt: "Viele Burschenschaften auf AfD-Linie"

  • "AfD geht Marsch durch die Institutionen an"

  • Auch mehrere Professoren in AfD-Nähe

Die AfD breitet sich offenbar zunehmend auch in deutschen Universitäten aus. Zumindest eine Reihe von Burschenschaften scheint keinerlei Berührungsängste zu der rechtskonservativen Partei zu haben.

Christian Becker, Experte für rechte Studenten-Verbindungen, sagte der „Süddeutschen Zeitung“, es gebe viele konservative Burschenschaften auf AfD-Linie, aber auch immer mehr Bünde am äußersten rechten Rand. „Und von denen einige, die sehr aktiv sind.“

Freilich seien nicht alle Burschenschaften rechts. Viele sind dem Experten zufolge auch „auf CSU-Linie“.

Ex-Burschenschafter packt aus

"Über die AfD gehen rechte Burschenschafter den Marsch durch die Institutionen an", sagt Becker. Er war selbst Burschenschafter, bei den Raczek, einer Bonner Verbindung.

Seit Juli 2012 betreibt er mit einigen Mitstreitern den Blog "Burschenschafter packt aus", in dem er über rechte Umtriebe in der Szene berichtet. Im Jahr 2012 wurde er von den Raczeks ausgeschlossen.

Mancherorts sind rechte Burschenschaften aktiver als anderswo. In München sind Becker zufolge „sehr rechte Burschenschaften“ wie die Danubia, aber auch die Cimbria, aktiv.

„Und sie haben erste Erfolge“, sagt der Experte der "SZ". So sitze ein Danubiar für die AfD in der Hamburger Bürgerschaft. Und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende eines ostdeutschen Landesverbands der Rechtskonservativen ist Becker zufolge Mitglied einer umstrittenen Schüler-Burschenschaft.

Der AfD-Europaabgeordnete und Lebensgefährte von Frauke Petry, Marcus Pretzell, soll ebenfalls Mitglied in einem rechten Corps in Heidelberg gewesen.

Rassistischer Witz

AfD-Funktionäre bei rechten Burschenschaften sorgten bereits in der Vergangenheit für Ärger. Bereits 2014 trennte sich die Junge Alternative für Deutschland von ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Benjamin N.

Der AfD-Nachwuchspolitiker soll einen Burschenschafter wegen dessen Hautfarbe beleidigt haben. Daraufhin trat er von einer moderaten in einer rechten Burschenschaft über.

Bereits 2014 hatte „Zeit Online“ berichtet, Benjamin N. sei kein Einzelfall. Journalisten der Online-Plattform hatten die Führungskader und viele Mitglieder deutscher Burschenschaften genauer unter die Lupe genommen. „Besonders auffällig ist, wie viele AfD-Politiker aus rechtskonservativen, nationalistischen Burschenschaften stammen.“

In ihrer Ballung zeigten „diese Personalien, wie stark die rechten, nationalistischen Kräfte in der AfD sind“, so „Zeit Online“. Seit dem Abgang vieler moderater AfD-Mitglieder könnte sich die Problematik noch verschärft haben.

Die deutschen Burschenschaften sind noch immer sehr einflussreich: Über 100.000 Mitglieder zählten sie zuletzt.

Zugleich gab es jüngst Berichte, dass sich auch mehrere Professoren zur AfD bekennen. Einzelne Akademiker machen offen gegen Kanzlerin Angela Merkels (CDU) Flüchtlingspolitik mobil.

"Das ist die Besetzung der EU durch Roma und 'Flüchtlinge'", schrieb ein ostdeutscher Professor zuletzt bei Twitter. Und auch ansonsten ist eine offensichtliche Nähe zu AfD-Positionen unverkennbar: "Es gibt keinen friedfertigen Islam. Das Grundkonzept dieser 'Religion' ist kriegerische Ausbreitung", so der Akademiker.

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(sk)