LIFE
14/04/2016 14:40 CEST | Aktualisiert 24/11/2016 08:52 CET

Es braucht dir nicht leid zu tun, Mama

Mother kissing her kid
Thanasis Zovoilis via Getty Images
Mother kissing her kid

Liebe Mama,

es braucht dir nicht leid zu tun. Vor Kurzem habe gehört, wie du im Bad geweint hast. Das war der Tag, an dem dir alles zu viel wurde.

Mein Bruder hatte einen ganzen Liter Biomilch umgekippt, die offensichtlich "mehr als dein Studium" kostet, und mir war auf dem Fußboden ein Missgeschick passiert. Wir hatten beide den ganzen Tag nur geschrien und geweint und wir hatten dich nicht in Ruhe gelassen, obwohl du nur fünf Minuten für dich allein haben wolltest.

Du hast dich im Bad eingesperrt und geweint. Als du wieder herauskamst, hast du uns beide umarmt und gesagt, dass es dir leid tut.

Es braucht dir nicht leid zu tun, Mama.

Dann gab es da noch den Tag, an dem du dich viel mit deinem Handy beschäftigt hast. Sehr viel. Du sagtest, dass du noch ein paar Dinge lesen und dir noch ein paar Bilder ansehen wolltest. Als du mich abends ins Bett brachtest, sagtest du zu mir, dass es dir leid tut, dass du dich so viel mit deinem Handy beschäftigt hast.

Es braucht dir nicht leid zu tun, Mama.

Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich dir zu Hause ständig weinend hinterhergelaufen bin, weil ich auf deinen Arm wollte. Doch du musstest noch so viel putzen, weil Oma bald kam. Sobald du mit dem Putzen fertig warst, hast du mich auf den Arm genommen und für eine Minute auf der Couch mit mir gekuschelt, bevor ich von deinem Schoß sprang.

Ich hatte nur diese eine Minute gebraucht, doch ich sah deinen Gesichtsausdruck. Diesen Gesichtsausdruck hast du auch, wenn du zu Papa sagst: "Es dauert nicht mehr lange, bis sie gar nicht mehr auf den Arm genommen werden wollen."

Es braucht dir nicht leid zu tun, Mama.

Erinnerst du dich an den Tag, an dem du mich laut angeschrien hast? So laut, dass ich Angst bekam und zu weinen begann? Ich war durcheinander, weil ich Angst hatte und eigentlich brauche ich ja immer dich, wenn ich Angst habe. Doch weil du diejenige warst, vor der ich Angst hatte, wusste ich nicht, was ich tun sollte.

Deine Gesichtszüge sind sofort wieder weicher geworden und du hast mich auf den Arm genommen und mir versprochen, dass du dieses Geräusch nie wieder machen wirst.

Es braucht dir nicht leid zu tun, Mama.

Es braucht dir nicht leid zu tun, dass du auch manchmal einen schlechten Tag hast. Ich habe auch manchmal einen schlechten Tag und dann sagst du mir immer, dass es in Ordnung ist, einen schlechten Tag zu haben.

Es braucht dir nicht leid zu tun, dass du kein Abendessen gekocht hast. Ich freue mich, wenn du zu uns sagst, dass wir zum Abendessen ein Picknick machen und wir von einer Käseplatte naschen, die du auf eine Decke am Boden stellst.

Es braucht dir nicht leidzutun, dass du mich gestern nicht gebadet hast, weil du zu müde warst, oder dass du mir nicht auch noch eine dritte Geschichte vorlesen wolltest oder dass du genervt warst, weil ich immer wieder aus meinem Bett gekrabbelt bin.

Ich verstehe dich, Mama. Ich bedanke mich vielleicht nicht immer bei dir oder sage dir, dass ich dich liebe. Und ich tue nicht immer das, was du mir sagst, aber ich verstehe dich.

Denke an den Tagen, an denen dir etwas leid tut, bitte immer daran, wie mein Gesicht sich erhellt, wenn du zur Tür hereinkommst und dass deine Küsse wahre Wunder vollbringen können, wenn ich mich mir wehgetan habe.

Es muss dir nicht leidtun. Du verstehst mich, wenn niemand sonst versteht, was ich meine. Du kannst mich beruhigen, wenn niemand sonst mich beruhigen kann. Du kommst mit meinen schlechten Tagen klar, wenn niemand sonst damit klar kommt.

Du bist vielleicht nicht perfekt, doch für mich bist du die perfekte Mama.

In Liebe,

dein Kind

Dieser Blog erschien ursprünglich bei My Kind of Parenting und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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