POLITIK
14/04/2016 12:19 CEST

Kriminelle Clans in Berlin: "Sie verachten alles Deutsche"

In Berlin wird gegen Clans ermittelt.
Westend61 - Creativ Studio Heinemann via Getty Images
In Berlin wird gegen Clans ermittelt.

  • In Berlin wurden Mitglieder krimineller arabischer Clans verhaftet

  • Migrationsforscher Ralph Ghadban kritisiert Versäumnisse in der Integrationspolitik

  • Er sagt, die Bildung von Parallelgesellschaften müsse verhindert werden

In Berlin folgte am Dienstag eine Razzia nach der anderen. Ein Netzwerk krimineller Clans steht unter dem Verdacht eines ganzen Konglomerats von Straftaten.

Die ingesamt 14 arabischen Großfamilien, die größtenteils im Stadtteil Neukölln leben, stehen unter Verdacht, Auftragsmorde und Raubüberfälle (unter anderem 2014 auf das Berliner Kaufhaus KaDeWe) begangen zu haben. Inzwischen sitzen acht Verdächtige in Untersuchungshaft.

Während die Ermittlungen gerade laufen und Zeugen verhört werden, sprach der Migrationsforscher Ralph Ghadban mit der "Berliner Morgenpost" über die Probleme von Polizei und Justiz bei der Bekämpfung krimineller Großfamilien in der Hauptstadt.

Integration nicht gewollt gewesen

Ghadban sagt im Interview, er gehe von etwa einem Dutzend Clans in Berlin aus, die bereits seit 1975 – nach dem Ende des Bürgerkriegs im Libanon – in Berlin sesshaft seien und "Clan-Strukturen" mitgebracht hätten.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, sieht Ghadban als Fehler der Politik: "Ab 1978 wurde das Asylrecht ständig verschärft und die Flüchtlinge wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, wo sie ihre Clan-Strukturen pflegten und verfestigten." Eine Integration der Neuankömmlinge aus dem Mittleren und Nahen Osten sei gar nicht gewollt gewesen.

Polizei von Politik und Justiz im Stich gelassen

Die Abschottung und das kriminelle Potenzial führt der Migrationsforscher auf Clan-Strukturen zurück: "Die Clan-Mitglieder betrachten alles außerhalb ihres Clans als Feindesland." Dazu zähle auch Deutschland: "Für diese aggressive Haltung pflegen sie den Hass gegen ihre Opfer und verachten alles Deutsche."

Der Polizei wirft der Forscher vor, sie habe "das Problem lange nicht sehen wollen", relativiert aber, dass sie von Politik und Justiz im Stich gelassen worden sei.

Datenaustausch für effektivere Zusammenarbeit

Einen möglichen Lösungsansatz zur Verhinderung der Bildung und Entwicklung von Clan-Strukturen sieht Ghadban im "Neuköllner Modell". Dieser Ansatz besteht aus "der engen Zusammenarbeit der Beteiligten, also Polizei, den Jugendämtern, der Schule, den Sozialämtern und der Justiz, die sich mit der Thematik beschäftigen".

Zudem fordert Ghadban eine Änderung des Datenschutzes, um eine effektive Zusammenarbeit durch Datenaustausch zu ermöglichen.

Um an das Vermögen der Clans heranzukommen, schlägt Ghadban vor, dass Clan-Mitglieder nachweisen müssen, dass sie "auf legalem Wege" das Vermögen erworben haben – etwa durch einen Erbschein.

"Wir haben keine Wahl"

Durch die neu angekommenen und ankommenden Flüchtlinge in Deutschland sieht Ghadban dann eine Gefahr der Bildung neuer Clans, wenn Deutschland den gleichen Fehler mache wie damals in der 70er- und 80er-Jahren. "Dann haben wir ein riesiges Problem" und "mit den Asylpaketen I und II und dem Fehlen eines Integrationskonzepts sind wir auf dem besten Weg, neue Rekruten für die Parallelgesellschaft zu erzeugen".

Ghadban sieht die große Herausforderung darin, mit den Menschen am Rande der Gesellschaft wieder in den Dialog zu kommen: "Wir haben keine andere Wahl, wir müssen sie erreichen."

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(sho)